3. Trail-Abschnitt: Von Kerikeri nach Whangarei Heads – Sharapowa im Wald

3. Trail-Abschnitt: Von Kerikeri nach Whangarei Heads – Sharapowa im Wald

Te Araroa Trail Total (TTT): 399 km
 
Highlight:
Überragende Kiwi-Gastfreundlichkeit von Hugh & Ros im Tidesong Bed & Breakfast und bei Doug zu Hause
 
Beileid:
Jeden Tag eine neue Blase!
 
Akku : 7,5/10
😉/â˜č : 8/10

Trail Day 10: Von Kerikeri in den Russell Forest (49 km; davon 11 km mit dem Boot)

Wie angekĂŒndigt wollte ich meine neuen Wanderfreunde einholen und wir hatten uns um 13 Uhr an der Opua Wharf verabredet. Von hier sollten wir per Boot in Richtung der nĂ€chsten großen Etappe gebracht werden: dem Russell Forest bis nach Whangarei Heads, insgesamt ungefĂ€hr 170 Kilometer. Andererseits wollte ich nach den anstrengenden Northland Forest Tracks nicht auf meinen wohlverdienten Ruhetag in Kerikeri verzichten. Außerdem musste ich dort auch Proviant und Erste-Hilfe-Set aufstocken, bevor ich ĂŒberhaupt weiterlaufen konnte. Und natĂŒrlich gab’s noch eine Belohnung in Form von Pizza Hut und Telefonate mit Freundin und Family, die meinen mentalen Akku wieder aufstockten.

Durch den einen Tag RĂŒckstand auf die anderen kam allerdings ein massiver Tag auf mich zu: Bis spĂ€testens 13 Uhr musste ich die 29 km von Kerikeri bis Opua geschafft haben, sonst wĂŒrde das Water Taxi ohne mich ablegen! Ich ließ mich also von meinem Wecker um 5 Uhr sanft aus dem Schlaf klingeln, verarztete noch schnell meine Fußwunden, setzte meinen frisch aufgestockten Rucksack auf (mindestens 21 kg!!!) und wanderte los. Anspruchsvoll sollte die Strecke nicht werden und so kam ich gut voran. Einziges Ärgernis waren die Kieselsteine, die vom Waldweg immer wieder den Weg in meinen Schuh fanden. Das allein sorgte fĂŒr regelmĂ€ĂŸige Zwangspausen. Anyway, long story short: Ich erreichte den Pier von Opua rechtzeitig bereits nach sechseinhalb Stunden Wanderung und traf dort auf die anderen und ein paar neuen Bekanntschaften.

Und 15 Minuten spĂ€ter stiegen wir schon ins Water Taxi, das uns 11 km durch das Waikare Inlet zum Start des Russell Forests brachte. Ich kam also gerade noch rechtzeitig und nutzte die kurze Zeit bis zum Ablegen fĂŒr einen schnellen Mittagsimbiss. Trotz der bereits zurĂŒckgelegten 29km und der vorangegangenen kurzen Nacht fĂŒhlte ich mich gut.

Am Zielort angekommen machten wir noch schnell ein Gruppenfoto und legten los mit der nĂ€chsten Etappe. Wir waren insgesamt sogar eine Gruppe von 12 Wanderern: Meine „Trail-Freunde“ Mael und Faustine aus Frankreich, Dafydd aus Wales, John aus Neuseeland sowie Matt und Kelsea aus den USA; außerdem Jim aus Kanada, Logan aus den USA und eine Gruppe von drei weiteren Wanderern. Nicht alle laufen allerdings den gesamten Trail. Ziel fĂŒr heute waren nur weitere 10 km durch den Wald bis zu einem kleinen nicht-offiziellen Camping-Platz, der uns alle aufnehmen konnte (in den nĂ€chsten Tagen wird das allerdings etwas schwieriger). Russell Forest ist sehr sehr schön und die Wanderung mit den Jungs und MĂ€dels machte wahnsinnig viel Spaß! Irgendwann hatten John und ich uns etwas abgesetzt, gerade als der beste Teil des heutigen Trails beginnen sollte: die letzten Kilometer mussten wir uns nass machen und durch ein Flussbett waten. Richtig gut! 😉

Um halb vier erreichten wir schon unseren Schlafplatz und schlagartig wurde ich richtig mĂŒde, sodass ich alle TĂ€tigkeiten wie Zeltaufbau, Stretching, Wasserbesorgung, Abendessen usw. nur in Zeitlupe ausfĂŒhren konnte. Dennoch ging die Zeit wahnsinnig schnell um! Um halb neun sagte ich den anderen schon gute Nacht und verzog mich in mein Zelt. Der Tag war anstrengend, aber tat mir auch total gut! Und ich fĂŒhle mich auch körperlich immer stĂ€rker. Mal schauen, was der morgige Tag so bringt; nochmal 49km mĂŒssen es jedenfalls nicht sein.  😉

Trail Day 11: Russell Forest Track & Morepork Onekainga Track (30 km)

Als ich um 7:45 Uhr aufgewacht bin (um mich ausgiebig von den Strapazen des gestrigen Tages zu erholen, brauchte ich ausgiebigste Nachtruhe), waren schon so gut wie alle wieder auf dem Trail. Ich ließ mir allerdings Zeit, frĂŒhstĂŒckte in Ruhe, wĂ€hrend die Sonne mein Zelt vom nĂ€chtlichen Regen trocknete. Anderthalb Stunden spĂ€ter kam auch ich dann endlich in Fahrt. 😉 Die nĂ€chste offizielle Campsite war 40 km entfernt, das wĂŒrde ich unmöglich schaffen, vor allem nach gestern. Also nahm ich mir einfach vor, so weit zu wandern, bis ich einen schönen Zeltplatz im Wald fĂŒr mich auserkoren hĂ€tte.

ZunĂ€chst wanderte ich 4 km durch den Russell Forest, danach folgte eine sehr lange Passage an der Straße entlang, die viele per Hitch-Hiking ĂŒberbrĂŒcken. Ich selber laufe die Abschnitte, kann aber auch nachvollziehen, wenn man sie ĂŒberspringt, da sie in der Regel sehr monoton und teilweise aufgrund des Verkehrs auch gefĂ€hrlich sind. Meine FĂŒĂŸe bedanken sich in der Regel mit Schmerzen und Blasen aufgrund des harten Bodens. Aber hey, keiner hat gesagt, dass das hier Ponyhof wĂ€re. 😉

Der Trail fĂŒhrte vorbei an malerischen Buchten (u.a. Helena Bay) und ich machte einige Pausen; leider nicht nur, um die fantastische Aussicht zu genießen und die frische Meeresluft einzuatmen. Ich benötigte wieder mal ein paar Pausen zur Verarztung meiner FĂŒĂŸe (a new blister every day). Inzwischen zweifle ich sehr stark an meiner Schuhauswahl und werde in Auckland wahrscheinlich nach neuen Tretern Ausschau halten mĂŒssen.

Damit wird die Liste fĂŒr neues Equipment immer lĂ€nger, denn beim Einrichten meines Wild Camps kurz nach Morepork habe ich ein Loch in meine Luftmatratze gezaubert (das Teil war schon vorher nervig, weil das Ventil zum Aufblasen die aufgeblasene Luft nicht drinnen behĂ€lt…und man die Matratze so nie ganz aufblasen konnte). Anyway, fĂŒr diese Nacht blieb mir nichts anderes ĂŒbrig als auf dem harten und kalten Waldboden zu schlafen; der zugehörige Kleber zum Beheben von solchen SchĂ€den war ausgelaufen. Danke dafĂŒr! Außerdem hĂ€lt das Ultralight-Material meines Zelts zwar Feuchtigkeit ab, aber ist viel zu dĂŒnn fĂŒr jedwede Isolation. Als kleinen Notfallplan habe ich mich auf die leere Luftmatratze gelegt und zwischen mir und Luftmatratze noch meine Erste-Hilfe-Rettungsdecke gelegt. Die KĂ€lte konnte ich damit einigermaßen besiegen, aber der Boden war dennoch extrem hart…und dementsprechend erholsam meine Nacht! Es sind noch ca. 95 km bis Whangarei, der nĂ€chsten grĂ¶ĂŸeren Stadt…bis dahin habe ich noch mindestens zwei NĂ€chte, eher drei…also lasse ich mir lieber im Laufe des nĂ€chsten Tages etwas einfallen.

Anyway, ich will ja nicht nur rumheulen. Absolutes Highlight des Tages waren die wunderschönen Panorama-Ausblicke auf die OstkĂŒste. Echt traumhaft und entschĂ€digt fĂŒr so manchen Körper- und Materialschaden! 😉

Trail Day 12: Von irgendwo im Wald nach Ngunguru (35 km)

Nach unbequemer Nacht machte ich mich frĂŒhzeitig wieder auf den Weg. Schlafen konnte ich ja eh nicht mehr! Und der Tag startete gleich mit zwei sehr steilen Anstiegen, so waren zumindest meine Oberschenkel und Waden auf Betriebstemperatur.  😉

An diesem Tag hatte ich mir mal wieder vorgenommen, die anderen einzuholen. Vielleicht hĂ€tte ja auch einer von meinen Mitstreitern eine Lösung fĂŒr mein Matratzenproblem parat.

Auf dem Weg nach Ngunguru lief ich wieder mehrere Verbindungen auf der Straße entlang, die einige kĂŒrzere Wanderwege miteinander verbanden, nĂ€mlich den Whanaki Coastal Track & Matapouri Bush Track (jeweils 7 km). Beide wieder sehr schön mit tollen Ausblicken auf die KĂŒste! Lang darf man hier nicht herumwandern, sonst packt einen der Neid auf einsame Privatbuchten. đŸ˜‰

Nach einem erneut anstrengenden Tag erreichte ich den Ort Ngunguru, wo ich rechtzeitig zum Abendessen Einkehr in einen schmierigen Take-away machte. Das ist neuseelĂ€ndisch fĂŒr Burger und Fish & Chips. Die Portion verputzte ich auf meinen letzten 30 Minuten zum Rivershank B&B, wo bereits Mael, Faustine, Dafydd und John zwei Stunden vorher eingetroffen waren. Gegen eine freiwillige Spende (hier „Koha“ genannt) konnten wir bei den Trail Angels Hilton und seiner Frau im Garten zelten. Es gab hier sogar eine Dusche (= Gartenschlauch) und einen frisch zubereiteten Obstsalat. Sogenannte „Trail Angels“ gibt es zuhauf in Neuseeland und machen die Te Araroa-Erfahrung zu etwas ganz Besonderem! Sie unterstĂŒtzen freiwillig und meist komplett umsonst oder gegen ein geringes „Koha“ die TA-Wanderer in irgendeiner Art und Weise: per Hitch-hiking, Obdach, Essen, Reparatur von kaputten Sachen usw.

Hauptziel des Abends war natĂŒrlich mein Matratzendesaster zu lösen. John hatte einen Kleber dabei und ich besaß noch vom Fix Kit der Matratze einen Patch. Ich war schon innerlich am Jubilieren und die Luft schien auch tatsĂ€chlich in der Matratze zu bleiben…zumindest fĂŒr einige Sekunden, bis ich mich drauflegte. Ein leises, aber deutliches und nerviges Zischen sorgte fĂŒr reichlich Schadenfreunde bei meinen „Mitstreitern“. Naja, ich bombardierte die Stelle mit meinem Tape aus meinem Erste-Hilfe-Set…aber eigentlich klar, dass die Klebestreifen nicht vollkommen luftdicht sind. Die Nacht verbrachte ich also wieder platt…

Trail Day 13: Von Ngurungu nach Pataua South (30 km)

…aber John hatte am nĂ€chsten Morgen die Lösung parat! Nach der wiederum sehr harten Nacht auf meiner platten Matratze zauberte John ein Zaubertape hervor und damit klappte auch die Reparatur. Warum auch nicht gleich so, hĂ€tte er auch schon abends zuvor herausrĂŒcken können?! 😉  Naja egal, Hauptsache es hĂ€lt und mein RĂŒcken muss nicht schon auf den ersten Metern in die Werkstatt.

Von den heutigen 30 km fĂŒhrten ganze 25 km der Straße entlang (inzwischen wisst ihr ja vielleicht, wie sehr ich diese Abschnitte „genieße“). Dazu war es bestimmt der bisher heißeste Tag…d.h. selbst ich als Weißbrot habe etwas Farbe bekommen und die Straße hat meine FĂŒĂŸe wohlig warm gehalten. 😉

Die restlichen 5 km in der Mitte fĂŒhrten durch den Mackerel Forest. Best moment: Badepause mit Faustine, Mael, John und Dafydd bei einem der zwei zu absolvierenden Flussdurchquerungen. Ein bisschen Planschen zwischendurch tat extrem gut! Danach habe ich mich wieder von den anderen verabschiedet, ich wollte heute noch 8km weiter als der Rest.

Also ging es nach dem leider zu kurzen hĂŒbschen Waldabschnitt wieder zurĂŒck auf die Straße. Ich erreichte Pataua um 20 Uhr und sah die ersten Anzeichen eines wunderschönen Sonnenuntergangs. Pataua selber ist ein wirklich malerischer Ort und ich war froh, die zusĂ€tzlichen 8 km Straße noch auf mich genommen zu haben.

Schließlich machte ich es mir auf der Treasure Island Campsite gemĂŒtlich und machte PlĂ€ne fĂŒr die nĂ€chsten Etappen…und meine ĂŒberstrapazierte Muskulatur!

Zero Day @ Tidesong B&B (3 km)

Was fĂŒr ein perfekter Ruhetag! Nur drei Kilometer Wanderung, davon zwei durch eine matschige Bucht bei Ebbe.

Ich hatte mich abends zuvor fĂŒr einen Ruhetag entschieden. Die letzten Tage waren relativ heftig und meine Oberschenkel und FĂŒĂŸe schreiten nach etwas Erholung. In den Trail Notes las ich dann von Tidesong B&B, am besten zu erreichen mitten durch einen Meeresarm hindurch rechts. 😉 Ich rief also dort an, um mich schonmal anzukĂŒndigen. Hugh war mir direkt sympathisch und ich freute mich auf einen relaxten Tag!

What can I say! Hugh und seine Frau Ros waren PERFEKTE Gastgeber! Und das dazu in einem paradiesischen Ambiente, seht euch einfach die Fotos an: direkt an dem Meeresarm gelegen mit Ausblick auf Mangroven und Pazifik, ein sehr gemĂŒtlich eingerichtetes Haus, ein toller Garten mit Haustierenten, die mir beim FĂŒttern aus der Hand pickten, eine eigene Bootsanlegestelle mit Motorboot und einigen Kajaks (Hugh nahm mich nachmittags mit auf Angel-Tour durch die Bucht), einem kleinen Minigolf-Kurs fĂŒr die Enkelkinder (gewusst wie! 😉) und einer Cabin speziell fĂŒr Te Araroa-Wanderer (d.h. mal wieder ein echtes Bett mit Matratze heute Nacht). Und das alles fĂŒr „Koha“, einfach unglaublich!

Abends wurde ich dann noch mit dem besten Essen meiner bisherigen Wanderung versorgt: Zwei heimische Fischarten, dazu SĂŒĂŸ- und Salzkartoffeln, warmes Potpourri an GemĂŒse aus Auberginen, Zucchini, Zwiebeln und Feta und und und. Dazu Weißwein, Dessert, Tee…vorher am Nachmittag gab es ĂŒbrigens schon Kaffee und hervorragenden Erdbeerkuchen. Und Ros kĂŒmmerte sich sogar um meine WĂ€sche, echt jetzt?! Überragender Tag, danke fĂŒr alles! SpĂ€t abends stolperte dann noch Pat aus den USA hinzu, ebenfalls Wanderer… und konnte die Gastfreundschaft von Hugh und Ros ebenfalls genießen. 😉

Trail Day 15: Von Tidesong B&B @ Tauharuru Estuary nach Whangarei Heads (23 km)

Ich hatte einen super Abschluss dieser Trail-Etappe…aber der Reihe nach! Am Morgen konnte ich es relativ gemĂŒtlich angehen lassen, weil ich erst bei Ebbe den Meeresarm vom Tidesong B&B ĂŒberqueren konnte. Oder ich wĂŒrde meinen Rucksack eben auf dem Kopf tragen und bis zum Hals durchs Wasser waten. 😉 Pat war schon etwas frĂŒher unterwegs und spielt sowieso in einer anderen Liga: amigerecht trĂ€gt er nur ganze 5 kg mit sich herum (um zu erklĂ€ren, wie das geht, brĂ€uchte ich nochmal einen ganzen Artikel!). Auf jeden Fall trennten sich unsere Wege hier schon wieder, aber ich sollte ihn nochmal wiedersehen.

Ich bekam von Ros ein hervorragendes FrĂŒhstĂŒck serviert, machte noch ein bisschen Tierlaute nach mit dem sĂŒĂŸen Enkelkind June (Opossum war der Favorit), packte schließlich meine Sachen und durchwatete erst mittags die kurze Strecke durch Schlamm und Wasser zum anderen Ufer. Ros hatte hier freundlicherweise strategisch klug einen Eimer Wasser fĂŒr die Te Araroa-Wanderer platziert, da beide FĂŒĂŸe bis zum Knöchel voller Schlamm nach der Wanderung durch den Mangrovenmatsch sind. Die Verabschiedung von beiden war sehr herzlich und eine solche Gastfreundlichkeit habe ich bisher selten in meinem Leben erlebt. Tolle Menschen!

Die heutige Etappe sollte extrem abwechslungsreich werden. Nach kurzem Roadwalk ging es kurz in den Wald und erste steile Anstiege ĂŒber den Kauri Mountain Track. Wiederum nach kurzer Strecke einer Kiesstraße entlang folgte eine lĂ€ngere Passage am Strand inklusive FlussĂŒberquerung. Und dort am Ende des Ocean Beach Walk angekommen startete das absolute Highlight des Tages: Der Bream Head Track fĂŒhrte ĂŒber sehr herausfordernde 7 km (angesetzt fĂŒr die Strecke sind offiziell 5 bis 6 Stunden, das sagt wohl alles!) ĂŒber mehrere extreme Anstiege und Gipfel bis zu meinem Endziel Whangarei Heads. Vom Meeresspiegel aus musste ich innerhalb kĂŒrzester Zeit mehrere Gipfel erklimmen, u.a. den Te Whara (Bream Head; 476 m) und den Mt. Lion (395 m). Trotz des Ruhetages am Vortag kam ich hier schnell an meine Grenzen. Teilweise war es so steil, dass hier regelrecht Treppenstufen in die HĂŒgel eingezimmert worden waren. Meine Oberschenkel brannten gehörig und ich setzte zur Schnappatmung an. Die HĂŒgel selber waren dicht bewachsen, aber hin und wieder bot sich ein ĂŒberragender Blick auf die umliegende Landschaft: ich sah den vorhin noch gelaufenen Ocean Beach, die Tasmanische See mit einigen Tankern, mein Ziel Whangarei Heads und sogar meinen Startpunkt, die Tauharuru Estuary (Hugh und Ros konnte ich allerdings nicht entdecken 😉). Allein diese Ausblicke entschĂ€digten fĂŒr die riesengroße Anstrengung!

Da ich natĂŒrlich nicht mit so einem heftigen Kraftakt gerechnet hatte, ging mir so langsam das Wasser aus. Aber ich wusste auch, dass es nicht mehr weit war. Und nach dem Mount Lion konnte ich mich an den Abstieg wagen, der wieder so steil war, dass die fast 400 Höhenmeter per Treppenstufen zurĂŒckgelegt werden mussten. Das ging nochmal enorm auf meine Oberschenkelmuskulatur und meine Knie. Aber ich hatte das Ziel vor Augen und war wieder top motiviert und fit.

Nach anstrengenden 20 km war es jetzt auch nicht mehr weit zum Appin Cottage von Douglas Chowns, ein weiterer Trail Angel. Bei ihm im Garten sollte ich mein Zelt aufstellen können. Und außerdem bietet er auch Überfahrten mit dem Boot nach Marsden Point an, von wo der Trail weiter nach SĂŒden fĂŒhrt. Also zwei Fliegen mit einer Klappe! 😉

Und der weitere Abend wurde ĂŒberraschenderweise noch hochinteressant. Erstmal traf ich bei Doug auch Pat wieder, einen meiner bekannten Mitstreiter. Des Weiteren stellte sich Doug, ca. 70 Jahre alt schĂ€tze ich, als faszinierende Persönlichkeit heraus! Hier nur ein kurzer Abriss seines Lebens: Kampfpilot bei der Royal Air Force, Absolvent einer Kunsthochschule, Creative Director in verschiedenen Agenturen in Barcelona und New York, seit 40 Jahren freischaffender KĂŒnstler, Gelegenheits-Schauspieler, Mitglied einer Dudelsack-Band, spricht GĂ€lisch, Hubschrauberpilot (flog mal durch ein Loch im Fels…) und so weiter. Pat und ich durften die kleine KĂŒche in seinem Atelier nutzen und konnten bei der Gelegenheit auch seine Kunstwerke bestaunen. Wer ein bisschen kunstinteressiert ist, dem kann ich den folgenden Link wĂ€rmstens empfehlen:

http://douglaschowns.co.nz

Check it out, es lohnt sich! Douglas selber ist ein super Typ, freundlich, witzig, hilfsbereit und herzlich! Ich war schon kurz davor, einfach dazubleiben, um ein Buch ĂŒber ihn zu schreiben…vielleicht komme ich nochmal darauf zurĂŒck, meinen Vorschlag fand er jetzt nicht komplett abwegig! 😉

So what’s next: The Road (oder besser Walk) to Auckland
Also zurĂŒck wo alles begann. Ich lasse das Northland Neuseelands offiziell hinter mir und betrete die Region Auckland, das ich in ca. 180 weiteren Kilometern erreiche. Und ich mache mir Gedanken, wo ich dieses Jahr eigentlich Weihnachten verbringen möchte.  😉

Und warum jetzt eigentlich „Scharapowa im Wald“?

Hier ein kleiner Tipp: You Tube Link

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So höre ich mich im einsamen Wald an, wenn’s mal wieder etwas anstrengender wird…aber ich werde ja so langsam fitter (und keiner ruft „Shut up“…bisher!) đŸ˜‰

5 Gedanken zu „3. Trail-Abschnitt: Von Kerikeri nach Whangarei Heads – Sharapowa im Wald

  1. 2x waren wir schon in der Gegend, haben aber nicht 10% von dem gesehen und erlebt, was Du beschreibst! Eine herrlich intensive Zeit und Respekt fĂŒr Deine Leistung, Deinen Mut und Deine Ausdauer!
    Unser Tip fĂŒr Heiligabend: mit PlĂ€tzchen und Kaffee am Strand.

    1. Tip ist notiert, hört sich gut an! 😉 Und vielleicht verteile ich die PlĂ€tzchen am Strand selber, bei der LĂ€nge meines Barts gehe ich schon bald als Santa durch! 😉 LG

  2. Moin Kosi!

    Ich melde mich jetzt mal wieder hier ab, damit ich nicht immer TrĂ€nen in den Augen habe, wenn ich an einem ReisebĂŒro vorbeigehe…

    Geiles Dingen – hab’s Dir gesagt. Geniess‘ es: Nicht die Kilometer bleiben in Erinnerung, sondern die PAUSEN!

    Viele GrĂŒsse aus der Heimat & schöne Feiertage (Kekse am Strand hört sich so schlecht nicht an).

    Robinho

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