The Te Araroa Trail

1. Trail-Abschnitt: Von Cape Reinga nach Ahipara über den 90 Mile Beach – Oder: Wie verspeist man einen Elefanten?

(Auflösung am Ende des Artikels… 😉)

Te Araroa Trail Total (TTT): 100,5 km

 

Highlight:

Der erste Schritt auf dem Trail

 

Beileid:

Horrornacht im Zelt bei heftigem Gewitter

 

💪🏼:           7/10

😄😐☹:  8/10

Tag 1: Cape Reinga – Twilight Beach Camp (12,5km)

Was für ein perfekter Start in den Tag! Ich hatte mich schon stundenlang mit erhobenem Daumen am Straßenrand gesehen, um es per Anhalter irgendwann im Laufe des Tages nach Cape Reinga zu schaffen. Was an sich kein Problem ist, allerdings musste ich gerade bei meiner ersten Etappe Rücksicht auf die Gezeiten nehmen, sonst wäre ein Teil des Wanderwegs so gut wie nicht passierbar (oder eben schwimmend mit 20kg auf dem Rücken ;-)). Aber es kam ja Gott sei Dank anders: Work & Traveller Olga, Fabian (beide aus Deutschland) und Kyle (aus Korea und der nur „Kyle“ genannt wird, weil man seinen richtigen Namen unmöglich aussprechen kann), wollten sowieso mit ihrem Mietwagen zum Leuchtturm fahren. Bingo, direkt angeschlossen und auch das Problem mit den Gezeiten löste sich in Luft auf!

Dabei war ich schon kurz davor, noch eine Nacht länger in Kaitaia Jetlag und Erkältung auszukurieren, aber diese (Mitfahr-)Gelegenheit war ja irgendwie Wink des Himmels. Obwohl uns Kyle „The Suicide Driver“ während der zweistündigen beinahe alle mit in den Tod gerissen hätte…drei Mal!

Kurz vor Ankunft wich meine Anspannung purer Vorfreude. Ja, ich war mir in vielen Dingen total unsicher: Habe ich genug Wasser dabei? Reicht das Essen? Funktioniert der Gaskocher? Bin ich dazu körperlich überhaupt in der Lage oder wird mir sogar schwindelig? Das nur ein paar der Fragen, die mir durch den Kopf gingen, aber jetzt einem echt wahnsinnig gutem Gefühl in meinem Bauch Platz machten.

Cape Reinga und der Leuchtturm waren ein toller Anblick! Hier treffen sich außerdem die Tasmanische See (hellblau) und der Pazifik (dunkelblau), was auch auf Fotos super aussieht. 😉 Natürlich habe ich mir das obligatorische Startbild mit dem Wegweiser nach Bluff, dem Endpunkt meiner Reise, nicht nehmen lassen. Luftlinie sind es „nur“ knapp 1.400km…manchmal wünschte ich, ich wäre ein Vogel! 😉

Nachdem ich mich von meinen drei perfekten Startbegleitern verabschiedet und nochmal liebe Glückwünsche mit auf den Weg genommen hatte, ging es endlich los! Für den ersten Tag hatte ich mir absichtlich nur eine kurze Etappe vorgenommen und zwar 12km bis zum Twilight Beach Camp, wo es auch Wasser geben sollte. Die Landschaft auf dem Weg dorthin war einfach überragend und nach ca. drei Stunden erreichte ich meine erste Station für die Nacht. Den Abend habe ich in geselliger Runde mit Edwin aus Holland und John aus Neuseeland verbracht. John (ca. 70 Jahre alt) läuft ebenfalls den Te Araroa Trail, was mir enormen Respekt abverlangt.

Honourable Mention: Edwin aus Holland, der mir im Twilight Beach Camp super wertvolle Tipps für meine weitere Wanderung gegeben hat (sozusagen mein erster „Trail Mentor“, danke dafür!).

Tag 2: Twilight Beach Camp – The Bluff (28km)

Moment mal! Bluff ist doch eigentlich der Endpunkt 3000km Wanderung entfernt irgendwo ganz im Süden, oder? Ja stimmt, und unterwegs gibt es eben noch dieses „The Bluff“ nach nur 40km. Schade eigentlich, man könnte so schnell da sein! 😉

Ich habe eeeewig gebraucht, bis ich morgens wieder aufbruchbereit war! Für Frühstück, Morgenhygiene, Zeltabbau, Rucksackpacken und ein bisschen Small Talk mit Edwin und John über zwei Stunden. Ich denke, da wird die Lernkurve noch steil nach oben gehen.

Um 9:15 Uhr machte ich mich dann allein auf den Weg (Edwin wanderte in die andere Richtung, John benötigt sein eigenes Tempo…und ich ja auch! ;-)). Die ersten fünf Kilometer waren wieder großartig, auf und ab durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft. Dann erreichte ich schließlich den 90 Mile Beach (der eigentlich nur 90km lang ist, aber egal) und ab sofort gab es nur noch eine Abwechslung: Harter oder weicher Sand! 😉 Hart bedeutet schneller Fortschritt, ist aber auf Dauer schmerzhaft für die Füße; weich bedeutet zwar mehr Schonung für die Füße, ist dafür aber bedeutend anstrengender und langsamer zu laufen. Die Mischung macht’s! Ansonsten gab es außer Meer, Strand und Dünen die nächsten 23 km nicht besonders viel zu sehen…außer einige tote Tiere. Die folgende Sammlung entstand entlang des gesamten 90 Mile Beach (könnte verstörende Bilder beinhalten, daher mit Vorsicht zu genießen ;-)):

Nach acht Stunden erreichte ich dann den Campground direkt bei The Bluff. Erste kurze Regenschauer fielen schon auf mich herunter, weswegen ich schnell mein Zelt aufbaute und nach dem Abendessen (lecker Pumpkin Soup und Ramen-Nudeln mit roter Pesto!) in meinen Schlafsack kroch. Die erste lange Etappe hatte mich enorm geschlaucht, aber ich war happy…

Tag 3: The Bluff – Hukatere (30km)

…was sich allerdings schnell ändern sollte. Ich hatte einen echt fiesen Alptraum in der Nacht: Ich liege in meinem Zelt, draußen stürmt und regnet es wie verrückt, bei jeder starken Windböe bäumt sich das Zelt auf und droht abzuheben, ein Hering hat sich auch schon gelöst, sodass es nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Und dann merke ich auf einmal, das ist überhaupt kein Alptraum, sondern pure Realität! Long story short: Das Zelt hat natürlich gehalten, aber ich konnte so gut wie kein Auge zudrücken die ganze Nacht.

Beste Voraussetzung also für meine nächste 30km-Etappe nach Hukatere. Aber wieso sollte ich nach so einer Nacht überhaupt 30km laufen wollen? Ganz einfach, weil es vorher keine weitere Wasserquelle mehr gibt (außer der große Teich und das lässt sich auf Dauer schlecht vertragen ;-))! Mir blieb also gar nichts anderes übrig, als nochmal meine Wasserreserven zu füllen, die Zähne zusammenzubeißen und mich auf den Weg zu machen. Diesmal ging das alles schon in anderthalb Stunden, immerhin etwas!

Trotz kurzer Nacht fühlte ich mich sehr gut und bin mit schnellen Schritten die ersten Kilometer angegangen. Dann der weitere Schock: Kurze Verletzungspause, weil ein Teil meines linken Innenschuhs regelrecht bei jedem Schritt in meinen Fuß sticht…bei ca. 20.000 Schritten pro Tag auf Dauer ungesund. Mit Tape im Schuh und Blasenpflaster auf dem Fuß ging es weiter.

Um mich abzulenken höre ich übrigens ziemlich geniale Podcasts und Audiobooks. Danke auch an Schorschi für die ein oder andere hervorrgende Empfehlung! Ich werde bei Gelegenheit auf meinem Blog ein paar Highlights posten, die mich stak inspirieren oder einfach super unterhalten.

Gegen 17 Uhr erreichte ich Utea Camp bei Hukatere und wurde hier von Tania und Paul direkt herzlich mit einem Glas Wasser empfangen. Paul hatte mich im Rahmen seiner freiwilligen Strandsäuberung tagsüber schon gesehen und mich erwartet. Später kamen auch noch Faustine und Mael, ein sehr nettes freundliches Pärchen hinzu. Die beiden hatten unter der typischen 90 Mile Beach-Krankheit zu leiden: Blasen verteilt am ganzen Fuß. Da der Deutsche je bekanntlich vorbereitet seine Reise antritt, konnte ich die beiden gut mit Compeed Blasenpflaster versorgen… und ich hoffe, damit habe ich mir gutes Karma für die nächsten 2.930km erkauft. 😉

Tag 4: Hukatere – Ahipara (30km)

Die letzte Etappe am 90 Mile Beach sollte die härteste werden! Da Faustine und Mael einen Tag Pause einlegen, mache ich mich wieder allein auf den Weg. Diesmal mit glasklarem blauen Himmel und damit herunterbrennender neuseeländischer Sonne (die Ozonschicht ist hier so dünn wie ) und so gut wie keinem kühlenden Wind. Um es abzukürzen: Die 30 km gingen enorm zäh, aber nach 9 Stunden erreichte ich endlich Ahipara. Sehr fies: Ich konnte die Stadt bereits vier Stunden am Horizont sehen, bevor ich auch endlich dort ankam. Aber immerhin war es keine Fata Morgana. Mit schmerzenden Füßen und Beinen erreichte ich vollkommen erschöpft das örtliche Youth Hostel. Hier werde ich erstmal entspannen und mich mit ein paar der anderen Wanderer austauschen…wenn ich jemanden finde! 😉

Anyway, eine kleine Belohnung am Abend für die ersten 100km musste sein…und das Bier gab es später auch noch!

What’s next: Die Northland Forests

 

Als klares Kontrastprogramm zum sonnenüberfluteten, hartem Sandstrand führen die nächsten 120km mehr oder weniger ausnahmslos durch extrem schlammige Wälder…und es ist Dauerregen angesagt. Der Abschnitt wird nicht nur wegen des Schlamms und des Regens anspruchsvoll, sondern ich werde außerdem für sechs Tage Proviant mitschleppen müssen. Dafür freue ich mich dann bei jeder Mahlzeit, dass mein Rucksack leichter wird. 😉

Ach ja, und wie verspeist man nun einen Elefanten?

Einen Bissen zur Zeit… 😎

 

Ein Kommentar zu “1. Trail-Abschnitt: Von Cape Reinga nach Ahipara über den 90 Mile Beach – Oder: Wie verspeist man einen Elefanten?

  1. WoWe

    Tolle Fotos (auch wenn ich dankbar bin, dass ich einen drehbaren Monitor habe).

    Weiter so und immer daran denken : mit dem Rüssel anfangen – der ist das Leckerste *smile*….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.