The Te Araroa Trail

14. Trail-Abschnitt: Von Picton / Ship Cove nach Havelock auf dem Queen Charlotte Track – Erste Sahnestücke der Südinsel

Te Araroa Trail Total (TTT): 1.783 km 

 

Highlight:

Ein leckeres, geselliges Abendessen mit meinen zwei Mitstreitern Thomas und Frauke…einen besseren Abschluss der ersten tollen Etappe auf der Südinsel gibt es nicht! 😉

 

Beileid:

Glaube keinem Hiker vor dir, der den Trail „anders“ läuft…es könnte sein, dass er schwierige Teile ausgelassen hat.

 

💪🏼: 6/10

😄😐☹: 9/10

Trail Day 61: Von Picton / Ship Cove nach Miners Camp (15 km)

Angekommen in Picton begab ich mich sofort zum Ablegesteg von Beachcomber Cruises. Beachcomber bietet TA-Wanderern einen Sondertarif für die normalerweise einstündige Überfahrt nach Ship Cove an, dem Startpunkt des Te Araroa Trails auf der Südinsel. Bevor ich um halb zwei ablegte, wusste ich allerdings bereits, dass dies eine etwas ungewöhnlichere Tour war: Ich war auf der sogenannte „Magic Mail Tour“ gelandet.

Anstatt also direkt zum Ship Cove zu fahren, lieferte der Skipper im gesamten Marlborough Sound Schiffspost aus. Damit sollte die Überfahrt insgesamt mehr als zweieinhalb Stunden dauern…und ich warf ein paar meiner Wanderpläne direkt über Bord. Ich war auch der einzige Wanderer an Bord; den übrigen Touris gefiel die lange Fahrt durch zugegeben schöne Buchten offensichtlich. Ich hatte dafür heute allerdings leider keine Muße, sondern wollte endlich wieder loslaufen. Außerdem hatte ich überhaupt kein Verständnis für diese chinesischen Touristen mit pinken Regenjacken, die mit ihren iPads tonnenweise Selfies schießen.Würg! 😉

Es war bereits weit nach 16 Uhr, als das Boot bei Ship Cove anlegte. Ich machte noch einen kurzen Abstecher zum James Cook-Denkmal (an diesem Ort betrat im Jahr 1770 der britische Entdecker zum ersten Mal neuseeländischen Boden), begann dann aber endlich meine ersten Kilometer der Südinsel auf dem Queen Charlotte Track.

Ein paar meiner Mitwanderer hatten mir bereits vom QCT vorgeschwärmt und auch erzählt, dass die nächsten 66 Kilometer „sehr, sehr einfach“ werden würden. Zumindest am Anfang konnte ich davon noch nicht viel sehen, denn es ging sofort steil bergauf. Auf den ersten zweieinhalb Kilometer stieg ich bis auf einen Aussichtspunkt in 250 Meter Höhe. Erstmal durchschnaufen, ich kam heute nur schwer in die Gänge! Danach wurde es allerdings tatsächlich einfacher. Der Trail schlängelte sich durch den Wald und offene Stellen ermöglichten immer wieder wundervolle Ausblicke auf den Queen Charlotte Sound.

Aufgrund meines späten Starts legte ich heute nur 15 Kilometer bis zur Mündung des Endeavour Inlet (offensichtlich benannt nach einem der Schiffe von James Cook) zurück. Hier begrüßte mich im Miners Camp die freundliche Bev. Für 10 Dollar bekam ich einen Zeltplatz im Garten, Trinkwasser und sogar eine kleine Kabine zum Kochen.

Ich war der Einzige hier und entschied mich schnell, die Kabine in meinen Schlafplatz umzufunktionieren. Ich hatte einfach keine Motivation, mein Zelt aufzubauen! Ich kochte mir noch meinen Gemüsereis mit Tomaten-Pesto, versuchte noch so viele Sandflies wie möglich zu erwischen und breitete mich dann mit meiner Matratze in der Kabine aus. 😉

Trail Day 62: Von Miners Camp nach Cowshed Bay Camp (34 km)

Ich nutzte den Morgen, um etwas Fein-Tuning an meiner Spendenaktion vorzunehmen und unterschiedliche Meinungen von Freunden und Familie einzuholen. Grundsätzlich war ich bereits auf dem richtigen Weg, einige Details müsste ich allerdings noch anpassen. Und die Unterstützung und das positive Feedback von meinen Leuten tat mir wirklich gut!

😉
Um halb zehn war ich wieder auf dem Queen Charlotte Track. Aufgrund meiner neuen Schuhe mit der (für mich) extrem dünnen Sohle merkte ich die gestrigen 15 Kilometer in meinen Füßen und Beinen. Ich werde wohl wieder ein paar Tage zur Eingewöhnung und Schmerzen in Kauf nehmen müssen.

Der Trail selber war sehr komfortabel ausgebaut, sodass ich trotz einiger Höhenmeter schnell vorankam. Ich verbrauchte nur mein Wasser viel schneller als geplant. Außerdem sollte eine der nächsten Campsites (Black Rock) kein Wasser mehr vorrätig haben wegen der Dürre in den letzten Wochen. Aber kurz nach meiner Mittagspause und vor dem Ende meiner zwei Liter kam ich an einem Shelter mit Wassertanks vorbei. Ich blätterte wie immer neugierig im Intentions Book: Matt & Kelsea waren vor fünf Tagen hier, Frauke & Thomas erst am selben Morgen! Ich würde sie also morgen vielleicht schon einkassieren können. 😉

Ich erreichte Black Rock um 18 Uhr und traf dort auf Kiri, eine alte Bekannte! Zuletzt hatten wir uns vor knapp zwei Wochen in Palmerston North gesehen und das wirkte wie eine halbe Ewigkeit…und seit Betreten der Südinsel auch wie aus einer anderen Welt. 😉 Kiri hatte sich verletzt und musste nun schon wieder pausieren; sie war gerade erst halbwegs genesen und musste es nun schon wieder ruhig angehen lassen. Ich leistete ihr ein bisschen Gesellschaft, aber brach dann doch noch auf zu meinem heutigen Ziel, der Cowshed Bay Campsite.

Bis dahin waren es nur noch fünf Kilometer, die ich innerhalb von einer Stunde erledigte. Der letzte Teil des Weges führte hinunter zur Bucht; steile letzte 600 Meter des Tages, die ich am nächsten Morgen wieder zurück zum Trail hinauflaufen müsste. Aber das wäre ja morgen und nicht mehr heute! 😉

Ich war jedenfalls froh im Camp zu sein! Meine neuen Schuhe machen mir schon einige Probleme und die letzten Kilometer taten weh. Ich unterhielt mich noch ein bisschen mit einem älteren australischen Pärchen aus Melbourne und verzog mich dann aber frühzeitig in mein Zelt.


  
  
  
  
  
  

Trail Day 63: Von Cowshed Bay Camp nach Havelock (38 km)
In der Nacht wachte ich mehrmals mit schmerzenden Füßen auf. Nach einer Ration Drogen konnte ich allerdings gut weiterschlafen. Auch heute kam ich morgens nur schwer in den Trail Modus und war erst kurz vor neun Uhr wieder unterwegs. Ich nahm mir auf jeden Fall vor, in der nächsten Zeit wieder mehr auf meinen Schlaf zu achten. Und in meinem Tagesziel Havelock würde ich mir sowieso einen Ruhetag gönnen, um meine Füße zu schonen…und um mir vor den anspruchsvollen Richmond Ranges nochmal ein Steak zu gönnen. 😉

Der erste Teil des Trails war wieder sehr steil, aber ich war trotz unruhiger Nacht gut in Form. Ich überquerte den Shamrock Saddle in 407 Meter Höhe nach weniger als einer Stunde und legte die acht Kilometer zum Te Mahia Saddle in nur zwei Stunden zurück. Das war schnell bei diesem Terrain! Das Wetter spielte auch mit; so langsam wurde es zwar kontinuierlich heißer, aber noch war es angenehm und der Großteil des Trails verlief im kühlen Schatten.

So erreichte ich Davies Bay Campsite nach 16 Kilometern kurz nach 13 Uhr und gönnte mir dort eine lange Mittagspause am Strand. Von hier an sollte der Rest der Etappe zwar flacher und größtenteils über Straße verlaufen, aber ich empfand es trotzdem als schwieriger. Meine Füße taten jetzt bereits weh; bis zum Abend sollte es unerträglich werden, sodass ich wieder auf meinen Drogenvorrat zurückgreifen musste. Und Schatten war auch Mangelware, während ich dem Queen Charlotte Drive nach Havelock folgte. Die Temperatur lag übrigens bei 30 Grad und eine Wolke war nirgends zu sehen. Super Sonntagswetter…nur nicht für mich! 😉

Ich kämpfte mich also weiter den Asphalt entlang, inzwischen zur Ablenkung mit Podcast im Ohr. Während meiner Mittagspause hatte mir ein nettes schottisches Ehepaar angeboten, mich nach Havelock mitzunehmen…daran musste ich jetzt immer mal wieder denken, während ich meine Schritte zählte (ich weiß, ich brauche ungefähr 60 Doppelschritte für 100 Meter…). Bei der 10km-Marke bis zum Ziel Havelock begann der Countdown also bei 12.000…11.999, 11.998, 11.997…

Eine kurze willkommene Unterbrechung bot außerdem eine Kuhherde, die vor mir die Straße kreuzte. So verbrachte ich eine weitere wohltuende Pause im Schatten. Inzwischen hatten sich Thomas und Frauke bei mir per SMS gemeldet. Sie hatten soeben Havelock erreicht und luden mich zum Abendessen ein. Das freute mich sehr und die Aussicht Suff ein leckeres Dinner von Koch Thomas gab mir wieder gehörig Motivation für die letzten Kilometer!

Und dann wurde es richtig heftig! Nur vier Kilometer vor Havelock führt der Trail über den Mahakipawa Hill. Zunächst nahm ich natürlich die falsche Route; anstatt über den Berg führte mich meine gewählte Route um den Berg herum und das war ja nicht Sinn der Sache. Später sollte sich herausstellen, dass Thomas und Frauke ebenso auf die fehlende Wegmarkierung hereingefallen und auch diesem Trail gefolgt waren. Anyway, das war ja nicht Sinn der Sache und ich lief zähneknirschend zurück. Die Nummer hatte mich eine halbe Stunde gekostet und nochmal zwei unnötige Kilometer zu meinem bereits garten Tag hinzugefügt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits 34 Kilometer in den Beinen und die waren nicht unbedingt alle leicht gewesen! Und vor allem sollte es jetzt aberwitzig steil werden! Der nächste Kilometer führte NUR steil bergauf auf knapp 380 Höhenmeter. Ich war am Ende! Keiner meiner Mitwanderer hatte von diesem krassen Aufstieg ein Wort verloren. Nach späterem Check hatten die meisten den Auf- und Abstieg auch bewusst ausgelassen und sind auf der Straße geblieben…oder sind wie ich auch erst zunächst den falschen Weg am Berg entlang gelaufen. Aber das half mir natürlich jetzt alles wenig! Ich schwitzte stark und war richtig kraftlos. Jetzt half nur eins: das Rumheulen abstellen, aggressive Musik ins Ohr, wütend auf den Berg und die Welt und überhaupt alles werden und in einem harten Rythmus diesen verdammten Aufstieg hinauf! 😉

Oben angekommen schrie ich meine Freude heraus…Mann, war das hart gewesen, die Tararuas lassen grüßen! Wobei so ein kontinuierlich steiler Anstieg selbst in den Tararuas Mangelware ist! Aber genug über diesen Aufstieg; jetzt musste ich ja noch ebenso die gesamte Höhe wieder hinunterlaufen… Teilweise war es hier wieder so steil, dass mir gar nichts anderes übrig blieb als hinunter zu joggen. Das ständige Abbremsen würde auch schön auf die Knie gehen, also lief ich immer mal wieder ein Stück bergab.
Ich erreichte den Fuß des Mahapikawa um kurz nach 19 Uhr und war einfach nur erleichtert. Ich atmete drei Mal tief durch, riss mich zusammen und wanderte die restlichen zwei Kilometer ins Dorf. Havelock ist anscheinend DER Hotspot weltweit für Muscheln und ich freute mich schon auf meinen morgigen Ruhetag! 😉

Ich wanderte jetzt zügig zu meinem Hostel, da ich Thomas und Frauke nicht noch länger warten lassen wollte. Nach einer schnellen Dusche begab ich mich zum lokalen Holiday Park, wo die beiden schon mit einem Lächeln, einem tollen (und sogar gesunden) Abendessen und einer riesigen Flasche kühlem Bier auf mich warteten. Der letzte Berg war schon wieder vergessen. Und was für ein perfekter Ausklang meiner ersten Etappe auf der Südinsel! 😉

So what’s next:
Ich nehme mir einen Ruhetag in Havelock: Bloggen und Muscheln essen! 😉 Außerdem muss ich meinen Essensvorrat wieder gehörig auffüllen, denn ab sofort geht es für sieben bis acht Tage in ein absolutes Highlight meiner Wanderung: die Richmond Ranges! Oder auch „Tararua mal drei“, ich bin sehr gespannt was mich erwartet. Für die ersten Tage ist stärker Regen angesagt worden…und das kann ja auch erfrischend sein! Stay tuned!

4 Kommentare zu “14. Trail-Abschnitt: Von Picton / Ship Cove nach Havelock auf dem Queen Charlotte Track – Erste Sahnestücke der Südinsel

    1. Stef Autor des Beitrags

      Thx! Halte immer die Ohren offen für richtig coole Sidetrips! Fjordland / Milford Sound / Routeburn Track und Roys Peak stehen schon auf der Liste, dein Vorschlag wird auf jeden Fall geadded! Aber jetzt erstmal die Richmond Ranges…und die Unwetterwarnung überstehen! 😉

    2. Stef Autor des Beitrags

      Hab ich gerade gegoogelt, sieht super aus! Ich hoffe, die veranstalten gerade diese Avalanche Peak Challenge, wenn ich da bin…dann renne ich da mit! 😉

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