The Te Araroa Trail

15. Trail-Abschnitt: Von Havelock nach St. Arnaud über die Richmond Ranges – Dancing with the fear

Te Araroa Trail Total (TTT): 1.941 km 

 

Highlight:

Adrenalin pur beim Kampf gegen Unwetter, Sturm und Fluten! Und sieben Tage Gelegenheit und Spaß, mich mit meinen Zweifeln und Ängsten auseinander zu setzen…wann geht das schon besser als in Extremsituationen?! 😉

 

Beileid:

Zwei Tage nass bis auf die Unterhose, sieben Tage nasse Füße, zwei Bienenstiche, ungezählte Stürze…der Ruhetag ruft!

 

💪🏼: 2/10

😄😐☹: 9/10

Achtung Metapher: Du schaust dir ein Fußballspiel mit zwei vollkommen unterschiedlich eingestellten Mannschaften an… Welche Spielweise ist attraktiver, spektakulärer, sehenswerter? Offensiv oder defensiv? Also wie versuche ich mein Leben zu gestalten…defensiv oder offensiv?  

Trail Day 64: Von Havelock zum Start des Pelorus River Track (34 km)

Mein Ruhetag in Havelock war viel zu schnell vorbei! Ich arbeitete so gut wie den ganzen Tag an der Spendenaktion und weiteren Blog-Artikeln, unterbrochen von einem mega leckeren Muscheltopf zum Mittagessen…und wo gab es den? Na richtig, im „Mussel Pot“! 😉 Ich hatte ja schon geschrieben, dass grüne Muscheln DIE Spezialität von Havelock sind. Ich hatte diese leckeren Teile noch nie vorher gegessen. Kann man sich so vorstellen wie Miesmuscheln auf Anabolika, die sind richtig groß…und überragend lecker! 😉


  

Natürlich erledigte ich nebenbei auch noch meinen Resupply und stockte meinen Essensvorrat auf sieben Tage für die kommende Etappe in den Richmond Ranges auf…für eine so lange Zeit Futter mitschleppen war auf jeden Fall auch neuer Rekord! Und brauche ich persönlich nicht unbedingt nochmal…

Gegen Abend erreichte mich dann eine unangenehme Nachricht: für die nächsten drei Tage war extrem starker Regen vorhergesagt. Und Thomas schrieb mir sogar, dass der Meteorologische Dienst Neuseelands bereits eine Unwetterwarnung für die Richmond Ranges herausgegeben hatte. Was ist hier eigentlich gerade los auf dieser Insel?! Erst am Tag zuvor gab es das nächste größere Erdbeben, diesmal in Christchurch mit der Stärke 5,7. Glücklicherweise gab es keine Verletzten, nur ein paar Sachschäden. Anyway, im Moment geht’s hier gut ab! 😉


Die Unwetterwarnung und auch die online-geschaltete Spendenaktion ließen mich nur unruhig schlafen. Bei letzterer war ich mir unsicher, wie sie aufgenommen werden würde. Und über ersteres zerbrach ich mir den Kopf, da die Richmond Ranges ohnehin schon den wahrscheinlich härtesten Teil des Trails darstellen: ein ähnlich anspruchsvolles Terrain wie die Tararuas, nur ungefähr drei Mal so lang. Das Ganze (oder zumindest den ersten Teil) unter extremen Wetterbedingungen erschien mir unmöglich.

Am Morgen war ich immer noch unentschlossen. Thomas und Frauke hatten sich entschieden, noch länger in Havelock zu bleiben. Sollte ich das auch machen? Ein Tag würde allerdings nicht so viel bringen; am heutigen Dienstag sollte es sich zwar schon einregnen, aber die Haupttage des Unwetters sollten Mittwoch und Donnerstag sein. Aber drei Tage warten? Ich tendierte hin und her und vor und zurück, bis ich mich schließlich entschied aufzubrechen. Ob das die richtige Entscheidung war?

Es war bereits halb zehn, als ich mich auf den Weg machte…und damit auch zu spät, die erste Hütte nach 43 Kilometern zu erreichen. Aber bis zum Anfang des Tracks in 35 Kilometer Entfernung sollte ich es schaffen. Dort würde ich dann irgendwo zelten müssen. Auch das waren wiederum keine besonders rosigen Aussichten bei dem angesagtem Dauerregen.

Aber noch war es trocken und sogar etwas sonnig, als ich Havelock Richtung Süden mit einem Coffee to go in der Hand verließ. Trotz sieben Tage Essen im Rucksack und einer vollen Wasserblase fühlte sich der Rucksack nicht wie Blei an und ich legte die ersten Kilometer an der Straße zügig zurück.

          

Ich passierte bereits vormittags erste Vorboten des schlechter werdenden Wetters: erst entgegenkommende Autos mit angeschaltetem Tageslicht und danach eine kleine Kuhherde, die sich bereits schutzsuchend unter einem großen Baum versteckte. Und sofort fing es auch schon an zu regnen; immer wieder prasselten kurze Schauer auf mich hinunter. Es war ein bisschen nervig, weil es ansonsten noch relativ warm war und ich ständig die Regenjacke an- und auszog. Naja, die Entscheidung pro Regenjacke wurde mir ab 14 Uhr leicht gemacht; so langsam regnete es sich richtig schön ein.

Nach 20 Kilometern erreichte ich kurz vor drei Uhr die Pelorus River Bridge, wo ich eine längere Lunch-Pause einlegte. Ich kam trotz Regen sehr gut voran und vielleicht wäre so die erste Hütte doch erreichbar. Jetzt waren es noch 14 Kilometer Roadwalk über abgelegene Kiespisten bis zum Beginn des Tracks. Das sollte eigentlich kein Problem sein, aber dann kam die Müdigkeit…und der Regen wurde sehr viel stärker!

    

Inzwischen wusste ich, dass ich mich auf meinen Dry Bag im inneren meines Rucksacks verlassen musste. Es regnete über Stunden so kontinuierlich, dass inzwischen mein Rain Cover für den Rucksack und der Rucksack selber durch sein müssten. Zur Sicherheit hatte ich mir am Morgen im Hostel einen Müllsack besorgt, den ich als zusätzlichen Schutz für meine Sachen im Rucksack verwendete. Immerhin kam ich nicht ganz unvorbereitet! 😉
Meine Ultraleicht-Regenjacke war inzwischen ebenso nass; ein paar Abstriche muss man bei 180 Gramm Gewicht machen. Mir selber erging es also wie meinem Rucksack! 😉 Durchnässt kämpfte ich mich weiter und hielt bereits die Augen offen nach einer passenden Stelle zum Campen. Aber neben der Straße war es entweder zu steil, zu ungeschützt oder einfach eingezäuntes Privatgrundstück.

Um 17 Uhr musste ich eine Pause für meine Füße einlegen, die wieder schmerzten. Da freue ich mich schon glatt auf den weichen, fußschonenden Matsch der Richmond Ranges. 😉 So richtig unterstellen konnte ich mich nirgends und so ließ ich den Regen während meiner Pause einfach weiter auf mich herunterprasseln. Es war mir inzwischen egal! Ich haderte mit mir. Sollte ich noch weiter? Direkt hinterm Zaun lag eine passable Stelle zum Zelten, auch wenn es Privatbesitz war. Ich überlegte hin und her (soweit ich noch klar denken konnte) und lief dann aber weiter. Ich musste heute noch ein paar Kilometer dranhängen; morgen Nachmittag sollte das große Unwetter kommen und da half mir jeder heutige Kilometer mehr in Richtung Hütte.

Während der Pause war mir richtig kalt geworden; umso mehr gab ich jetzt Vollgas! Die Aussicht auf ein trockenes Zelt und warmes Abendessen beflügelten mich nochmal zu Höchstleistungen. 😉 Vier Kilometer weiter und nur ein Kilometer vor Trail-Start fand ich einen relativ guten Platz für mein Zelt, das ich so schnell es ging im schüttenden Regen aufbaute. Ich schlüpfte schnell hinein und wechselte als allererstes in trockene Kleidung. Oh Mann, tat das gut! 😉 Über Nacht würden die meisten Sachen nicht trocknen, sodass ich morgen früh wieder in nasse Schuhe, Regenjacke und kurze Hose schlüpfen müsste…aber das war jetzt noch weit entfernt!



Ich kochte mir noch meinen Reis, machte es mir im warmen Schlafsack gemütlich, lauschte noch etwas dem Rauschen des Flusses und den Regentropfen auf meinem Zelt… und war innerhalb von Sekunden im Reich der Träume.

Trail Day 65: Vom Start des Pelorus River Track bis Rocks Hut (19 km)

Boah, ich bin noch voller Adrenalin, während ich das hier schreibe! Ich befinde mich jetzt in der sicheren, komfortablen Rocks Hut und so langsam komme ich wieder runter. Gar nicht so leicht bei dem heutigen Tag…und vor allem nach dem verrückten letzten Kilometer!

Anyway, wie immer von vorne! Es geht los in meinem gemütlichen Zelt. 😉 Ich will auf dem Trail nicht unbedingt schon nach einer halben Stunde komplett durchnässt sein, also versuche ich einen guten Zeitpunkt zu treffen. Ich stelle mir den Wecker auf 5:30 Uhr: Regen! Ich stelle mir den Wecker auf 6:30 Uhr: Regen! Ich stelle mir den Wecker auf 7:30 Uhr: Regen! Plan schonmal fehlgeschlagen, so langsam muss ich los! Spätestens heute Abend soll es richtig abgehen mit Wind und Regen; je länger ich warte, desto größer meine „Chance“ das Unwetter richtig schön hautnah und mit allen Sinnen und Poren zu erleben…

Ich packe so gut es geht alles im Zelt zusammen und setze letzte Handgriffe im Regen. Mein Zelt ist ein einziger nasser Klumpen Gepäck, vollgesogen mit Wasser und zugepampt mit hartnäckigstem Laub…und damit locker doppelt so schwer wie üblich. Egal, ich würde die nächsten Tage in Hütten schlafen können! Ich müsste mein Zelt nur irgendwann irgendwie trocknen lassen müssen, bevor es anfängt zu schimmeln…
Kaum zurück auf dem Trail hört es auf zu regnen…aber natürlich nicht besonders lange. Es ist ein easy Start in den Tag; es nieselt nur leicht. Ich gelange nach einem Kilometer Roadwalk auf den Pelorus River Track und lege die ersten dreieinhalb Kilometer zu den Emerald Pools in weniger als einer Stunde zurück. Bei gutem Wetter kann man hier im Pelorus River schwimmen; bei diesem Wetter ist der Fluss ein reißendes Biest und eher lebensgefährlich. Etwas oberhalb der Pools campt sogar jemand, lässt sich aber nicht blicken.

        

Ab jetzt wird es anspruchsvoller, aber immer noch relativ entspannt. Ich erreiche die erste Hütte auf meinem Weg, die Captains Creek Hut, nach weiteren fünf Kilometern und crashe die DOC-Zeitvorgabe für diesen Abschnitt. Bei der Hütte treffe ich ein paar Newbies auf dem Trail: ein Inder, ein Slowene und eine Amerikanerin, die nur die South Island wandern…und direkt zu Beginn bei diesem absolut herausfordernden Abschnitt das beste Wetter erleben dürfen! 😉 Die kleine Gruppe harrt in der Hütte aus und hofft auf besseres Wetter am nächsten Tag. Keine schlechte Idee! Während ich mich mit ihnen unterhalte, werde ich selber etwas träge und unmotiviert durch den nun heftiger werdenden Regen weiterzulaufen. Andererseits habe ich mir auf der North Island nicht umsonst ein gehöriges Stück Trail Toughness zugelegt. 😉

Ich eise mich also los und weiter geht’s. Ich powere durch zur Middy Hut und benötige dafür die Hälfte der von DOC vorgegebenen zweieinhalb Stunden. Eigentlich wäre es so langsam Zeit für mein Mittagessen, aber ich will nicht unnötig abkühlen! Ich snacke mich mit Nüssen und Cookies schnell wieder fit, während ich mich für den letzten Abschnitt zur Rocks Hut kurz erhole.
Nur noch drei Stunden und ich hätte mein Ziel erreicht. Das gab mir Auftrieb! Inzwischen wurde der Regen noch dichter und das bekam ich vor allem auf den zahlreichen Flussüberquerungen über exponierte, wackelige Hängebrücken zu spüren! Aber ein Ende war jetzt absehbar und ich verabschiedete mich wieder in meinen „Wandertunnel“. Wie in Trance ohne nachzudenken kletterte ich ab sofort steil bergauf. Die Rocks Hut liegt über 600 Höhenmeter höher als die Middy, das würde jetzt richtig krass! Nicht wegen des Aufstiegs (ich war schließlich Tararua-gestählt 😉), sondern es kamen mir auf dem Trail regelrecht Wassermassen entgegen! Stellenweise hatte sich der „Weg“ zu einem echten Bach verwandelt; selbst bei den wenigen ebenen Abschnitten stapfte ich knöcheltief durch Wasser. Ich musste unwillkürlich grinsen, weil das alles so irreal war! Bei besonders steilen Abschnitten hatten sich sogar kleine Wasserfälle gebildet, großartig! 😉

Aber das war noch gar nichts im Vergleich zu dem, was kommen sollte… Je höher ich stieg, desto mieser wurde das Wetter! Jetzt wollte mir nicht nur der Regen den Rest geben, sondern der Wind wollte auch ein wenig mitmischen. Um mich herum herrschte die pure Geräuschkulisse! Und so langsam hatte ich echt Angst um alles in meinem Rucksack, das eigentlich doppelt und dreifach durch Dry Bags und Müllsack geschützt war. Ich selber war seit Stunden komplett durch, da gab es nicht einen einzigen trockenen Quadratmillimeter. Diesem fiesen Unwetter traute ich auch zu, die Dreifachbeschichtung meines Rucksacks und der darunterliegenden Schutzschicht zu durchdringen. Anyway, keine Zeit für solche Gedanken, denn nun wurde es aberwitzig!

Zu der ohnehin schon ohrenbetäubenden Geräuschkulisse gesellte sich nun ein weiterer verheißungsvoller Ton: das Tösen gewaltiger Wassermassen! Ich konnte es zuerst hören, dann von weitem sehen…und konnte meinen Augen nicht glauben, dass der Trail mitten durch einen reißenden Strom führen sollte, der hier den steilen Abhang hinunterpeitschte! Aber kein Zweifel, zwei orangene Pfeile wiesen mir den Weg durch – und das ist wirklich keine Übertreibung – eine regelrechte Stromschnelle an diesem steilen Abhang. Ein falscher Schritt und man würde von der Flut gen Tal mitgerissen werden. Mal ganz davon abgesehen, dass hier kein halbwegs gerade denkender Mensch überhaupt einen Schritt hineinsetzen würde. No f*** way! Der viele Regen der letzten zwei Tage hatten diese Stelle unpassierbar gemacht. Ich war fast bei der Hütte…und würde jetzt wirklich zur Middy umdrehen müssen, um dort besseres Wetter abzuwarten?! Vier Kilometer, 600 Höhenmeter, anderthalb Stunden durch den Regen zurück?!

Ich atmete tief durch, sah mich um, überlegte: war das machbar? Nur einige Meter unterhalb des „Trails“ lag ein Baumstamm über dem reißenden Strom. In einem Meter Höhe führte er über die herunterstürzenden Wassermassen auf die andere Seite. Und erst einmal auf der anderen Seite angelangt, müsste ich nur ein paar Meter hochklettern, um wieder auf den Trail zu gelangen. Nice! Balancieren auf einem rutschigen Baumstamm im Regen, Wind und mit schlanken 18 Kilogramm auf dem Rücken kam wohl nicht in Frage. Stattdessen setzte ich mich rittlings auf meine natürliche „Brücke“ und zog mich zentimeterweise vorwärts. Boah, war mir vielleicht mulmig zumute! In der Mitte machte ich kurz Pause und sog den Moment in mir auf: pures Adrenalin! 😉 Mein Kopf war den ganzen Tag nicht so klar, meine Sinne nicht so scharf wie in dieser einen Minute. Das war einfach berauschend! Ich schob mich weiter zum anderen Ende…und musste unwillkürlich grinsen. 😉 Hier ein kurzes Video aus genau dieser Perspektive:

  
Die restlichen 300 Meter zur Hütte waren schnell geschafft. Es gab noch eine Stromschnelle; die war aber im Vergleich zur ersten Kindergeburtstag! Ich erreichte die Hütte, zog mich auf der Veranda komplett aus (nachdem ich gecheckt hatte, dass außer mir auch niemand da war 😉), trocknete mich ab und schlüpfte in trockene Klamotten. Im Schutz der Hütte holte ich erstmal mein Mittagessen nach und gönnte mir einen heißen Kaffee. So langsam kamen die Lebensgeister wieder zurück…und ich realisierte, welches Risiko ich da gerade eingegangen war.
Mein Timing hätte nicht besser sein können! Denn jetzt zog das Unwetter auf: aus dem Wind wurde ein heftiger Sturm, der kübelweise Regen gegen die Hütte peitschte. Ich machte es mir unterdessen in meinem Schlafsack gemütlich. 😉

Was für wahnsinniger Tag, was für ein Abenteuer!

Trail Day 66: Von Rocks Hut bis Starveall Hut (20 km)

Ich war letzte Nacht noch fleißig: die Rocks Hut verfügte nicht nur über einen Ofen, sondern auch glücklicherweise über einen großen Vorrat an Feuerholz. Ich machte also ein Feuer und versuchte so viele meiner Sachen wie möglich zu trocknen. Selbst mein Zelt hing ich auf. Da niemand sonst die 16-Mann-Hütte belegte, konnte ich mich so richtig schön ausbreiten! 😉



Außerdem plante ich bereits meine weiteren Etappen auf der South Island…konservativ gerechnet könnte es echt knapp werden mit meinem Visum, das am 15. April ausläuft. Meine zehntägige Verletzungspause hing mir also richtig schön im Nacken, aber ich nahm mir vor, mich davon nicht stressen zu lassen. Ich hatte bereits einige Lösungen im Kopf und würde mich darum kümmern, wenn die Deadline näher rückte. Wäre außerdem nicht eine erste Erfahrung, mich illegal in einem Land zu befinden…in Peru und Brasilien hatte ich das schonmal aus unterschiedlichen hinbekommen! Irgendwann lassen die mich nirgendwo mehr rein. 😉

Zurück zum Trail: eigentlich hatte ich damit gerechnet, wegen des Unwetters bis mittags in der Hütte ausharren zu müssen. Als ich jedoch um 9 Uhr wach wurde, war draußen bereits alles vorbei! Umso besser: so packte ich in Ruhe meine inzwischen halbwegs trockenen Sachen zusammen, frühstückte in Ruhe und wienerte zum Abschluss die Hütte, die ich gestern ziemlich hart rangenommen hatte. 😉 Um entspannte 11 Uhr war ich wieder unterwegs.

Ich hatte gestern gut durchgepowert und das merkte ich bereits auf den ersten Metern. Ich nahm mir vor, heute langsamer zu laufen, viel zu trinken und regelmäßig Pausen einzulegen, um mich etwas zu erholen. Zwar hatte ich lange geschlafen, aber total wild und konfus geträumt…da hatte ich vom gestrigen Tag wohl noch einiges zu verarbeiten!
Einziges „Problem“ blieb die Gruppe vor mir: inzwischen hatte ich stark auf James, Taylor, Romain und die anderen drei bis vier Wanderer aufgeschlossen. Da die meisten Hütten allerdings nur für sechs Personen ausgerichtet waren, musste ich dementsprechend planen. Aber die Hüttenbücher während des Tages sollten mir ein Indiz dafür geben, zu welcher Hütte die Jungs und Mädels unterwegs waren.

Ich wanderte also gemächlich los durch den Wald, auf den ersten Kilometern immer zwischen 800 und 1000 Höhenmetern. An steileren Abschnitten kam mir immer noch das Wasser entgegen, aber bereits bedeutend weniger als gestern. Nach einiger Zeit gelangte ich über die Baumgrenze und mir schlug heftiger Wind entgegen. So ganz vorbei waren die Turbulenzen noch nicht. Leider war es auch noch bewölkt und sehr diesig, sodass ich nicht viel von dem Höhen-Panorama hatte.          

Um halb drei erreichte ich die Browning hat, wo ich erstmal Mittagspause einlegte und das Hüttenbuch checkte. Ein Teil der Gruppe vor mir hatte sich gestern hier in Rettung gebracht und sollten damit heute schon ein gutes Stück weiterkommen als ich. Ich blieb nicht lange dort, obwohl jetzt die Sonne herauskam. Mann, das tat echt gut nach zweieinhalb Tagen Regenwetter! Allerdings schwirrten mir hier zu viele neugierige Monsterhummeln herum. Anscheinend kam jemand auf die grandiose Idee, nicht weit von der Hütte zwei Hummel-Populationen zu züchten…

Ich lief also weiter zur nächsten Hütte, die nur eine Stunde entfernt lag. Auf dem Weg dorthin musste ich zwei Mal einen Fluss überqueren, der aufgrund der Regenfälle gehörig Fahrt hatte. Allerdings ging mir das Wasser nur bis etwas über die Knie und damit war es relativ easy. Bei der Hacket Hut kam dann die Überraschung: als erstes spring mir sofort Taylors Zelt ins Auge…und um die Hütte herum verteilt standen noch weitere Zelte. Dustin kam aus der Hütte, gefolgt von Martin. Ich begrüße beide und sah im inneren der Hütte die gesamte siebenköpfige Gruppe…und John! Was für eine Überraschung ihn hier wiederzutreffen! Wir waren immer in Kontakt, aber ich wähnte ihn (wie auch die anderen) mindestens einen Tag vor mir.

  

Und der Grund war schnell erklärt: es ging hier anscheinend nicht weiter! Auf den nächstem Kilometer führte der Trail entlang des Flusses und kreuzte ihn ganze acht Mal. Und durch das Unwetter war er an manchen Stellen zu hoch oder einfach zu schnell, sodass man mitgesogen werden würde bei einem Überquerungsversuch! Das war zumindest am Morgen der Fall; jetzt wollte ich mich selber davon überzeugen. Sam, Taylor und John wanderten mit mir am Flussbett entlang und wir probierten die erste Flussüberquerung aus: nicht einfach, aber machbar! Meine Entscheidung war schnell gefallen, ich würde es versuchen. Und wenn es an einer Stelle nicht weitergehen sollte, könnte ich immer noch zurückkehren. Die Hacket Hut war ohnehin bereits voll belegt, da erschien mir die Starveall Hut in luftiger Höhe von 1.200 Metern viel attraktiver! 😉

John wollte mich begleiten, alle anderen blieben zurück in der Hacket Hut. Gemeinsam überquerten wir nun im Akkord den Fluss…und achteten dabei immer auf den anderen. Teilweise ging uns das Wasser bis zu unseren Hüften, die heftige Strömung ließ unsere Trekkingstöcke im Wasser vibrieren und jeder Schritt musste sitzen. Wir gingen also sehr vorsichtig und konzentriert vor und kamen so sicher an den Aufstieg zur Starveall Hut.

Für den harten Aufstieg benötigten wir noch weitere zwei Stunden, sodass wir kurz vor acht Uhr die frisch renovierte Hütte im Nebel erreichten. Die Aussicht wäre bei besserem Wetter garantiert genial, aber fürs erste war ich froh im Ziel zu sein. Ich war müde, ausgehungert, kalt! John und ich brachten ein Feuer ans Laufen und erzählten von unseren letzten Wochen, die wir getrennt voneinander verbracht hatten. Es war toll, ihn hier wieder zu treffen! Ich mag meine Ruhe und Einsamkeit auf dem Trail und John ist ein der wenigen Ausnahmen, für die ich das aufgebe (zumindest für eine gewisse Zeit! 😉). Wir schmiedeten schnell den Plan, in den nächsten dreieinhalb Tagen gemeinsam nach St. Arnaud zu wandern.

Trail Day 67: Von Starveall Hut bis Mount Rintoul Hut (18 km)

Oh Mann, vor zwei Stunden hätte ich über diesen Tag noch gar nicht schreiben können…dazu waren meine Finger viel zu eingefroren und mein ganzer Körper lechzte nach Wärme! Jetzt im Schutz der schön eingeheizten Mount Rintoul Hut geht das schon alles viel leichter von der Hand. 😉

Es war wieder ein verrückter Tag in den Richmond Ranges, wie erstaunlich oft in den letzten Tagen! Die besten Geschichten passieren eben doch, wenn nicht alles glatt läuft…und vor allem das Wetter ständig neue Überraschungen parat hat, die man meistern muss.

John und ich hatten eine relativ lange Nacht in der Starveall Hut, wurden allerdings mehrere Male vom prasselnden Regen aus dem Schlaf geholt. Auch um halb sieben war es noch am Schütten und wir versuchten es eine Stunde später erneut…mit dem gleichen Ergebnis. Wir diskutierten gerade unsere Optionen (von Backtracking über zumindest nur bis zur nächsten Hütte laufen bis in der Hütte ausharren und auf Besserung hoffen war alles dabei), da hörte es auf einmal komplett auf zu regnen und der Himmel klarte sogar etwas auf.



Wir packten schnell unsere Sachen und wanderten los. Und bekamen schnell einen Vorgeschmack was heute auf dem dem Wetter-Glücksrad stand: Wind! Bereits bei unserem ersten Aufstieg des Tages zu Mount Starveall (1533 Meter), bliesen uns kräftige Böen um die Ohren. Aber dabei sollte es natürlich nicht bleiben…

Früh war mir auch klar, dass das mein bisher kältester Tag auf dem Trail werden würde. Ich hatte allerdings vorgesorgt und drei Schichten angezogen, außerdem teilweise mein Kopftuch, meine Hoody-Kapuze und die Kapuze meiner Regenjacke über meinen Kopf gezogen. Sah super aus! 😉 Aber Hauptsache mir froren meine Ohren nicht ab. Nur gegen meine kalten Hände konnte ich nichts unternehmen.

  
  
  

Einziger Schutz vor Wind und Kälte boten kleine Haine und Wälder, in die wir immer wieder von oberhalb der Baumgrenze eintauchten. Nach zwei Stunden Wanderung erreichten wir bereits Slaty Hut in 1300 Metern Höhe. Wir machten hier früh Mittagspause, da uns der nächste lange Abschnitt erstens regelmäßig über exponiertes, baumfreies Terrain ohne besonderen Schutz führen sollte. Unser Ziel war die Rintoul Hut; auf dem Weg dorthin mussten mit den drei Gipfeln Old Man (1.514 Meter), Little Rintoul (1.643 Meter) und Mount Rintoul (1.731 Meter) richtige Brecher bestiegen werden. Das versprach körperliche Herausforderung pur und das wäre es schon an einem Tag ohne extreme Wettereinflüsse.

  
Wir füllten nochmal unsere Wasservorräte auf und bewegten uns die ersten neun Kilometer sehr schnell vorwärts: wir folgten einem mäßig steilen Grat Richtung der anstehenden drei Gipfel. Erste Herausforderung war der Old Man. Nicht unbedingt wegen seiner Höhe, sondern auf einmal stürmte es gewaltig! Während wir vorher bereits mit Winden um die 60kmh zu kämpfen hatten, war das jetzt reiner Sturm (wir überprüften es später; es waren über 90 kmh Windstärke am Hang)! Wir konnten uns regelrecht in den Wind hineinlegen und bewegten uns so vorsichtig wie möglich auf dem steilen Abstieg weiter nach oben. Auf dem Gipfel hielten wir uns erst gar nicht lange auf, sondern stiegen schnell herab in ein schützendes Waldstück.

Wir passierten die Kreuzung zur Old Man Hut, die wir links liegen ließen, und begaben uns wieder an den nächsten Aufstieg zum Little Rintoul. Auch hier kämpften wir uns zentimeterweise vorwärts, der starke Wind machte den Aufstieg nicht gerade einfacher. Vom Little Rintoul führte es 250 sehr steile Höhenmeter hinab, bevor wir den erneuten Aufstieg zum höchsten Punkt dieser Etappe in Angriff nahmen: den Mount Rintoul. Auf dieser Seite des Berges war es so gut wie windstill, sodass erst der Abstieg und dann der erneute Aufstieg zumindest nicht von der Natur sabotiert wurde. 😉

Ich war vom ständigen Auf und Ab inzwischen sehr müde, besonders meine Oberschenkel waren am Limit. Aber ich riss mich nochmal zusammen, denn nach dem Gipfel war es nur noch ein relativ kurzer Abstieg zum Tagesziel Mount Rintoul Hut. John und ich erreichten den Gipfel und befanden uns wieder voll im Wind. Trotzdem genossen wir die grandiose Aussicht über die Richmond Ranges und die benachbarten Gebirgszüge. Es war ein wunderschönes Bild, trotz des bewölkten Himmels, der Kälte und des Sturms. Nur zwei Minuten nach dem Gipfel rief mich John zurück; er hatte einen Stockbruch und das war hier oben natürlich ein mittelgroßes Desaster (und ebenso für die weiteren anstehenden Aufgaben). Aber: Hier oben hatten wir Internetempfang mit unseren Smartphones! Wir verzogen uns also hinter einen windgeschützten Felsen und John bestellte sich online sogleich ein Ersatzstück, das er in die nächstgelegene Stadt schicken ließ. Vorzüge der Technologie! 😉
                          
  
  
Nach nur einem Kilometer steilen Abstieg erreichten wir die Mount Rintoul Hut, zu der auch James nur kurze Zeit später noch hinzustieß. Er hatte seine Gruppe verlassen und war schneller vorgelaufen. Nach zwei Tagen ausharren in der Hacket Hut war er voller Energie und wollte einfach nur wieder Meter auf dem Trail abreißen. 😉 John und ich freuten uns über die zusätzliche Abendgesellschaft, tauschten noch einige Erfahrungen auf dem Trail miteinander aus und legten uns dann erschöpft, aber glücklich schlafen.

Nach starkem Regen in den ersten zwei Tagen mit abschließendem nächtlichen Unwetter, grenzwertigen und nicht gerade ungefährlichen Flussüberquerungen am Tag drei und nun am vierten Tag dieser Sturm…was kann uns da noch in den nächsten drei Tagen in den Bergen erwarten? Sonnenschein wäre doch mal eine schöne Überraschung! 😉

Trail Day 68: Von Mount Rintoul Hut bis Top Wairoa Hut (22 km)

Und wie bestellt kam die Sonne raus und sorgte für bei uns direkt morgens für ausgelassene Stimmung. Ich hatte trotzdem einen kleine Wermutstropfen: in der Nacht wurde ich nicht nur von James‘ Schnarchen geweckt, sondern auch von Schmerzen in Waden und Oberschenkeln. Die letzten Tage waren auch durch meine neuen Schuhe mit der sehr dünnen Sohle eine muskuläre Herausforderung und das gab mir mein Körper jetzt klar und deutlich zu verstehen: Take it easy today!

Ich sagte also James und John, ich würde heute mein eigenes Tempo laufen müssen und erst etwas später aufbrechen. Unser Ziel für heute war die Top Wairoa Hut in 22 Kilometern Entfernung. Die Trail Notes setzten dafür 13 Stunden an, aber ich wusste, dass ich selbst bei spätem Start und mit angezogener Handbremse vor Sonnenuntergang um 21 Uhr dort ankommen würde.

Um kurz vor neun machte ich mich also auf den Weg. Gerade meine Oberschenkel fühlten sich extrem hart an, das war neu! Ich benötigte einfach mal etwas Ruhe und ich freute mich jetzt schon auf meine Ruhetage in St. Arnaud! Nach Plan würde ich dort anderthalb Tage Trail-Urlaub nehmen. 😉

Von der Mount Rintoul Hut in 1.260 Meter Höhe wanderte ich zunächst auf die erste und letzte große Erhebung des Tages, den Purple Top mit 1.532 Metern. Hier genoss ich bei tollem Wetter (aber immer noch starken Windböen) das wunderschöne Panorama der Richmond Ranges. Ich sog die Natur regelrecht in mich auf; dazu hatte ich die letzten Tage leider wenig Muße.

  
  
  
  
Von hier ging es durch einen Wald relativ steil bergab zu der ersten Hütte auf dem Weg, der Tarn Hut. Ich war für die ersten acht Kilometer des Tages ganz gut in der Zeit, trotz einiger Pausen für Fotos und Verpflegung. Ich fühlte mich auch wieder viel besser als am Morgen, sodass ich den nächsten Abschnitt bis zur Mid Wairoa Hut freudig in Angriff nahm. Von Beginn an ging es steil bergauf, der Trail folgte dann entlang einem Abhang, der aufgrund der Schrägen schwierig zu begehen war, um dann steil zu einem Fluss und der Hütte auf nur noch 390 Meter abzufallen.

  
Nachdem ich den Wairoa River über eine Hängebrücke überquert hatte, nahm ich an der Mid Wairoa Hut ein verspätetes Mittagessen ein. Bisher hatte ich mich im Laufe des Tages von Nüssen, Cookies und Schokoriegeln ernährt, da tat der Tuna Wrap ganz gut! 😉

Inzwischen war es richtig heiß geworden und ich füllte im rauschenden Fluss meinen Wasservorrat für die letzte Etappe hoch zur Top Wairoa Hut auf. Ich schätzte, dass ich noch dreieinhalb Stunden bis Feierabend benötigen würde…und damit um 19 Uhr die Füße hochlegen könnte. Im Hut Book fand ich noch die Info, dass ein Teil des Trails aufgrund der heftigen Regenfälle in den letzten Tagen weggespült worden sei… und sich die Wanderer deswegen eine andere Route suchen mussten bzw. aus den Richmond Ranges herausgelaufen waren. John und James waren vor mir und würden das ganze wohl schon antesten, von daher machte ich mir keine Gedanken. 😉

Bevor ich von Sandflies lebend ausgesaugt wurde und mir die Monsterhummeln erneut zu sehr auf den Pelz rückten, packte ich zusammen und folgte dem Wairoa River flussaufwärts. Der Trail war angenehm, weil er fast die gesamte Zeit konstant leicht anstieg und kaum richtig steile Abschnitte parat hatte. Nach gut einer halben Stunde erreichte ich die besagte weggespülte Stelle des Trails…und hier ging es tatsächlich nicht weiter! Ich musste also einen Weg drum herum finden und entschied mich für die Alternativroute durch den Fluss, um kurz danach wieder auf den Trail zurückzuklettern. Dazu zog ich mich an den umgefallenen Ästen mitsamt Rucksack nach oben…und griff dabei mitten in eine Biene! Die zahlte es mir natürlich direkt mit einem schmerzhaften Stich an meiner rechten Hand heim. Autsch! Es war übrigens nicht mein erster Bienenstich; bereits zwei Tage zuvor verfing sich eine Biene unter meiner kurzen Hose und stich aus Panik etwas oberhalb meines rechten Knies zu. Ich würde John im Camp erneut ein Antihistamin abziehen müssen. 😉

  
  
Ich war also wieder zurück auf dem schmalen Trail entlang des Flusses, den ich kurze Zeit später das erste Mal durchqueren musste. Allerdings war die Strömung nicht so heftig wie vor zwei Tagen und das Wasser reichte mir nur bis zu den Knien. Kindergeburtstag sozusagen! 😉 Ab sofort folgte ich den Fluss auf der linken Seite und kam sehr schnell voran. Nach vier von den insgesamt sieben Kilometern bis zur Hütte machte ich etwas verwundert Halt: in den Trail Notes stand etwas von acht Flussüberquerungen, gezählt hatte ich bisher genau eine.

Die letzten drei Kilometer wurden nochmal richtig hart, auf einmal konnte der Trail doch noch steile Auf- und Abstiege. 😉 Und ich musste tatsächlich noch sieben Mal (oder waren es doch nur sechs?) über den Fluss, bevor ich endlich den steilen, aber glücklicherweise kurzen letzten Aufstieg zur Top Wairoa Hut bewältigte.

  
  

In der Hütte begrüßten mich John und James sowieso drei weitere TA-Wanderer, die den Trail nach Norden wandern (NOBO oder eben Northbound). Wir tauschten uns noch etwas aus, besonders über den weggespülten Teil des Trails und wie man den Part am besten bewältigen könnte. Um 21 Uhr lag ich bereits im Bett, die Richmond Ranges machen mich einfach fertig! 😉

Trail Day 69: Von Top Wairoa Hut bis Red Hills Hut (28,5 km)

Der heutige Tag stand unter dem Motto: Finde den Trail! Denn entlang der 28 Kilometer gab es nicht immer nur den einen richtigen Weg…sondern man „durfte“ sich ihn über Geröllfelder und zahlreichen Flussüberquerungen sogar aussuchen. 😉 Anhaltspunkte gaben immerhin die orangefarbenen Stäbe zur Markierung der groben Richtung…wenn man sie denn fand.
Ich brach wieder etwas später als die anderen beiden auf, meine Beine brauchten etwas mehr Anlaufzeit. Die heutige Etappe von der Top Wairoa Hut bis an den Rand der Richmond Ranges zur Red Hills Hut stieg sofort steil an. Zum Frühstück gab es also gleich 700 Höhenmeter bis auf den Mount Ellis in über 1.600 Meter Höhe. Puh, direkt erstmal tief durchatmen!
Oben angekommen traf ich auch schon John wieder, der nur 20 Minuten vor mir aufgebrochen war. Wir machten gemeinsam Pause und genossen ein herrliches Alpen-Panorama. Es war ein fast wolkenloser Hommel und die Sonne kam bereits heraus.
Wir trennten uns wieder und jeder wanderte für sich sein eigenes Tempo bis zur nächsten Hütte. Bei der Hunters Hut machten wir gemeinsam Mittagspause und brachen dann zu unserem Minimalziel des Tages, der Porters Creek Hut, auf. Dieser Part des Trails war extrem anspruchsvoll: ein ständiges Auf und Ab über Geröllfelder sowieso zahlreiche Flussüberquerungen. Auch hier erkannten wir oft nicht, wo der eigentliche Trail entlangführen sollte.
Um halb fünf erreichten wir bereits Porters Creek…und für den letzten Abschnitt zur Red Hills Hut waren es „nur“ noch vier Stunden. Wir entschieden uns nach einiger Beratung, auch noch diesen Abschnitt zu wandern. Umso leichter wäre am nächsten Tag der letzte Teil des Trails bis nach St. Arnaud.
Die einzige Besonderheit auf diesem Part: tonnenweise Matsch und Schlamm! Aber da lief ich einfach durch, die Wärme Hütte rief mich bereits mit Namen. 😉 Und natürlich die Aussicht, bereits morgen Mittag in St. Arnaud anzukommen und Beine und Füße hochzulegen.
Um kurz vor neun erreichte ich die Hütte. John war mit Wut im Bauch im Beast Mode vorgelaufen (er hatte unterwegs seine Uhr verloren) und James lag bereits total erschöpft im Bett. Er war früh und schnell losgelaufen, aber hatte im Laufe des Tages körperlich total abgebaut. Anyway, jetzt kehrten alle Lebensgeister in uns zurück. Es war ein herrlicher Tag gewesen. Und uns wurde bewusst, dass wir die wunderschönen Richmond Ranges und auch die Extremsituationen der letzten Tage bereits am nächsten Morgen hinter uns lassen würden…


  
  
  
  


  
  

  
  
  




Trail Day 70: Von der Red Hills Hut nach St.Arnaud (17 km)

…und so war das „Reinlaufen“ nach St. Arnaud reine Formsache. Sechs Kilometer gut ausgebauter und leicht abfallender Allradtrack, ein Kilometer Waldweg, zuletzt zehn Kilometer Roadwalk entlang des State Highway 63: die 17 Kilometer bis zum kleinen Örtchen St. Arnaud vergingen wie im Fluge!

Hier trennten sich unsere Wege: Nachdem John in der Travers-Sabine Lodge sein Essenspaket abgeholt und den neuen Proviant sicher verstaut hatte, machte er sich direkt weiter an die Verfolgung von Faustine, Maël und Dafydd. James und ich hingegen wollten erstmal eine Runde entspannen…und uns dabei um organisatorischen Kram kümmern. Wir verabschieden und umarmten uns kurz; ich bin mir sicher, ich werde John und die anderen in den nächsten 1.000 Kilometern noch sehen. 😉 


  




Nochmal zurück zur Ausgangsmetapher: Ich weiß, der FC Chelsea hat mit einer defensiven (und destruktiven) Spielweise die CL gewonnen…ich meine damit ja auch nicht, welche Spielweise erfolgreicher ist…


So what’s next: 

Ich werde erst einmal anderthalb Beinschonung in St. Arnaud betreiben (und ganz viel Pizza essen!). 😉 Danach wandere ich die nächste harte Etappe über den Waiau Pass, mit 1.870 Metern die höchste Erhebung des Trails auf der South Island. Ich freue mich schon drauf…nach meiner Erholung! 😉

2 Kommentare zu “15. Trail-Abschnitt: Von Havelock nach St. Arnaud über die Richmond Ranges – Dancing with the fear

  1. Markus

    Wow!
    Da kann man so richtig „mitschwimmen“.
    Ich hoffe für Dich, dass du auch weiterhin so viel Erfolg und Glück hast…
    Grüße

    1. Stef Autor des Beitrags

      Thx! Morgen geht’s schon wieder weiter über den Waiau Pass…dann aber voraussichtlich mit gutem, „langweiligem“ Wetter! 😉

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