The Te Araroa Trail

18. Trail-Abschnitt: Von Arthur’s Pass bis zur Two Thumb Range über den Rakaia und Rangitata River – Trail Magic abseits des Trails

Te Araroa Trail Total (TTT): 2.311 km 

 

Highlight:

150 Kilometer an einem Tag! 😉

 

Beileid:

Neuseeländische Wetterkapriolen: Sturm, Regen, extreme Temperaturunterschiede von 6 bis 33 Grad an einem Tag

 

💪🏼: 6/10

😄😐☹: 10/10

Trail Day 80: Von Arthur’s Pass bis zur Hamilton Hut (25 km)

Good Karma! Nach zwei Tagen in Arthur’s Pass wollte ich heute wieder ein Stück weiter nach Süden wandern. Bluff kann gar nicht mehr so weit entfernt sein! 😉 Aber bevor ich wieder für sieben Tage in die Wildnis verschwinden sollte, gönnte ich mir noch ein gutes Frühstück im Hummingbird Café…wo ich Ukrainerin Valentina und ihren einjährigen Sohn Storm kennenlernte. Die Mischung Maori und Osteuropa bringt auf jeden Fall süßen Nachwuchs hervor. Ich kramte mein handgemaltes Schild fürs Hitch-hiking hervor und verabschiedete mich von den beiden, aber sofort bot mir Valentina eine Mitfahrgelegenheit an. Besser konnte der Weg zurück auf den Trail gar nicht beginnen. 😉

Nach nur fünf Kilometern bat ich Valentina für mich anzuhalten. Storm gab mir noch die Hand und ich verabschiedete mich diesmal wirklich von den beiden. Ich setzte meinen schwer beladenen Rucksack auf und wanderte los.

Vielleicht ein kurzer Ausflug in die Besonderheiten dieser Etappe: Mit dem Rakaia und dem Rangitata River würde ich die zwei gefährlichsten Flüsse des Te Araroa überqueren (müssen). Tatsächlich wird der Trail bei beiden Flüssen unterbrochen, der Te Araroa Trust hat beide Flüsse und deren kilometerweites Flussbett zu sogenannten „Hazard Zones“ erklärt. Das heißt die offizielle Kilometerzählung hört am nördlichen Ufer des Flussbetts auf und beginnt nach einigen Kilometern wieder am südlichen Rand. Die Empfehlung des Te Araroa Trusts lautet also: weitläufig umfahren oder umgehen. Warum überquere ich diese Flüsse dann trotz einiger Todesfälle in der Vergangenheit? Naja, ich habe meinen Research gemacht, habe einige Erfahrungsberichte aus diesem und letztem Jahr und die Pegel sind zur Zeit extrem tief, was die Gefahr um ein Vielfaches verringert. Außerdem würde es mich jedes Mal mindestens einen Tag kosten, heraus- und wieder herein zu hitchen. Und diese Tage benutze ich lieber für Abenteuer auf dem Trail…oder richtig coole Sidetrips. 😉 Natürlich habe ich Respekt vor dieser Herausforderung und werde die Crossings so vorsichtig und bedächtig wie möglich angehen. Und sollte Regen oder Sturm in den nächsten Tagen aufkommen, ist der gesamte Plan sowieso gestorben…und ich mache mich auf die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit aus der neuseeländischen Pampa.

Nach dieser Entscheidung fehlte mir eigentlich nur eins: genug Proviant! Da ich damit gerechnet hatte, den Rakaia River bereits nach zwei Tagen weitläufig umfahren zu müssen, hätte ich mich im nahen Ort Methven mit neuem Futter eindecken können. Deshalb fiel meine Food Box in Arthur’s Pass etwas spärlich aus und bestand lediglich aus vier Tagen Proviant…mindestens drei bis vier musste ich also noch besorgen. Da kam es gerade gelegen, dass meine Wandersfreunde James, Taylor und Martin viel zu viel in ihrer Food Box hatten. Ich schnorrte mir also weitere drei Tage zusammen…und der Rest von den Jungs wanderte in eine neu gegründete „Free Food“-Kiste für andere Hostel-Gäste. Sponsored by TA! 😉

Die ersten acht Kilometer des heutigen Tages führten mich entlang der relativ vielbefahrenen West Coast Road. Allerdings war das Roadwalk nach meinem Geschmack mit tollen Ausblicken auf die Berge im Arthur’s Pass National Park. Unterwegs half ich ganz Gentleman-like zwei chinesischen Touristinnen beim Reifenwechsel. Da konnte ich die gute Tat von Valentina gleich weitergeben.

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Kurze Zeit später bog ich von der Straße auf den Cass Lagoon Saddle Track ab, den ich bis zu meinem heutigen Ziel, der Hamilton Hut, folgen sollte. Bei meiner Mittagspause an der ersten Hütte traf ich weitere SOBO-Hiker: Lena und Carsten aus Deutschland und Neil aus Kanada. Die drei waren sehr sympathisch, doch bereits nach kurzer Zeit zurück auf dem Trail ließ ich sie hinter mir.

Der erste Teil des Tracks war auch gleich der schwierigste, weil es stetig bergauf von 700 auf über 1.100 Höhenmeter ging. Hier würde ich mit einem schönen Panorama auf den Waimakariri River und die dahinterliegenden Berge belohnt. Danach tauchte ich in den Wald ein und folgte dem Harper River durch das Tal. Hin und wieder musste ich ihn auch überqueren, aber dabei wurden meine Füße ausnahmsweise nur einmal nass. Im Vergleich zu den letzten zwei Wochen war das ein riesengroßer Fortschritt! 😉

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Trotz zwei Tagen in Arthur’s Pass waren meine Beinmuskeln frühzeitig stark beansprucht. Der Avalanche Peak ließ grüßen! Es waren heute keine steilen langen Auf- und Abstiege zu bewältigen, dennoch war das Terrain anstrengend. Ich überquerte nochmal zwei Hängebrücken und war sehr froh, als ich um 19 Uhr die Hamilton Hut erreichte. Ich fragte einige NOBO-Hiker, ob sie in den letzten Tagen den Rakaia River überquert hätten. Aber kein Glück an dieser Front, lediglich der übliche Bedenkenträger ging mir auf die Nerven.

Ich ging früh schlafen. Morgen wollte ich mal wieder einen langen Tag einlegen…

Trail Day 81: Von der Hamilton Hut bis zum Peak Hill (50 km)

Mein erster unvergesslicher 50k Day! Unvergesslich lang und schmerzhaft! 😉 Okay, das war jetzt übertrieben, aber so ganz ohne eigene Körpermalträtierung ging es einfach nicht…
Da ich mir ja einen langen Tag vorgenommen hatte, klingelte mein Wecker bereits um 5:45 Uhr…zum ersten Mal! 😉 Das war mir dann doch zu früh und ich machte es mir nochmal in meinem warmen Bett gemütlich. Schließlich stand ich um halb sieben auf, machte mir als allererstes einen Kaffee und packte leise zusammen; die meisten anderen schliefen noch selig. Um 7:40 Uhr war ich startklar für den Trail und verabschiedete mich leise aus der Hamilton Hut.

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Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die 50 Kilometer nur lose geplant. Es kam drauf an, wie schnell ich die ersten 18 Kilometer durch das Tal entlang des Harper River bewältigen können würde. Danach war alles für eine lange Etappe ausgelegt: außer dem nur 3,5 Kilometer langen Lake Hill Track kurz vor Lake Coleridge Village reiner Roadwalk auf einer Kiesstraße. Das hieß zwar schmerzende Füße und Beine, aber eben auch schnelle schmerzende Füße und Beine. 😉
Anfangs kam ich allerdings gar nicht gut voran. Ich musste mehrmals meine Route korrigieren, weil ich mich in hohem Gras verfranzt hatte. Und zahlreiche Flussüberquerungen verlangsamten meinen Fortschritt zusätzlich. Ich nahm es dennoch gelassen und ließ das beeindruckende Tal auf mich wirken…und nach kurzer Zeit auch einen heftigen kühlen Wind, der schwarze Wolken mit sich brachte. Würde es anfangen zu regnen, wäre nicht nur meine Planung für den heutigen Tag hinüber, sondern auch für die Überquerung des Rakaia River. Aber trotz der bedrohlichen Kulisse blieb es trocken. So waren die Wettervoraussetzungen perfekt fürs (lange, weite) Wandern: bewölkt und gerade warm genug für ein T-Shirt. Jetzt müsste nur noch mein Rucksack wie von Zauberhand an Gewicht verlieren; ich hatte immer noch mit den verbleibenden fünfeinhalb Tagen an Proviant zu kämpfen.

Für weite Teile konnte ich einem 4WD-Track entlang und durch das Flussbett folgen, sodass ich wieder schneller vorankam. Ich sparte mir meine übliche kurze Pause noch vor der Mittagspause und brachte die ersten 18 Kilometer um Punkt 12 Uhr zu Ende. Super, damit wäre noch alles drin! Aber jetzt erstmal Pause, die ich direkt vor der Eingangstür eines kleinen verlassenen Wasserkraftwerks verbrachte. Nach einer halben Stunde wollte ich gerade wieder aufbrechen, als ein Pickup-Truck auf den Parkplatz einbog. Hinaus stieg Kiwi Hugh, der mich herzlich begrüßte und sofort einen Kaffee anbot. Da sagte ich natürlich nicht nein. 😉

Ich folgte ihm in sein Büro bzw. im die Kaffeeküche und er fragte mich nach meinen Plänen aus. Ich erzählte ihm vom Rakaia River und er gab mir ein paar hilfreiche Tipps. Außerdem beruhigte er mich und meinte, der Fluss wäre gerade so „trocken“, dass er sich in mindestens 20 Einzelströme durch das fünf Kilometer breite Flussbett schlängelte. Einzelne Ströme könnten schon noch tricky werden, aber ich solle mir keine Sorgen machen. Nach einem Blick in seinen Computer war auch kein neuer Regen vorhergesagt. Beste Voraussetzungen also auch an dieser Front. 😉 Zwei Stunden würde die Durchquerung des Flussbetts dauern. Und er gab mir noch einen Tipp: Sollte plötzlich dreckiges, braunes Wasser den Fluss hinunterkommen, hätte ich noch ungefähr vier Stunden Zeit, mich ans rettende Ufer zu bringen…bevor die Sturmflut aus den westlichen Alpen mich erreichen und das gesamte Flussbett unter sich begraben würde.

Ich sah mich jetzt noch besser gerüstet als vorher; da hatte sich die verlängerte Mittagspause nicht nur wegen des Kaffees und des netten Gesprächs gelohnt. 😉 Hugh bot mir auch an, mich die 30 Kilometer bis nach Lake Coleridge Village mitzunehmen, nachdem er einige Messungen am Staudamm und den Schleusen vorgenommen hätte. Aber das konnte ich natürlich nicht annehmen. Er verabschiedete mich mit den besten Wünschen und ich war nach einer Stunde Pause wieder unterwegs.

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Zunächst passierte ich die kleine Siedlung Harper Village. Nach einem kurzen Anstieg und einer Kurve führte mich die Straße nun mehr oder weniger schnurstracks immer wieder hoch und hinunter Richtung Lake Coleridge Village. Um meinen Füßen regelmäßig eine Pause zu gönnen, legte ich alle zwei Stunden 15 Minuten pures Nichtstun ein. Die Taktik machte sich bezahlt; zwar waren Schmerzen nach längerer Zeit unausweichlich (vor allem bei der dünnen Sohle meiner Schuhe!), aber ich konnte das ganze ziemlich lange hinauszögern.

Beim Wandern bot die Südinsel mal wieder eine tolle Landschaft auf. Ich lief an mehreren Seen und hohen Hügeln vorbei durch ein weiteres Tal. Nur die immer wieder aufziehenden dunklen Wolken waren ein kleiner Wermutstropfen. Aber wie gesagt, die kühlen Temperaturen katapultierten mich geradezu in Richtung meiner ersten 50 Kilometer an einem Tag. 😉 Als ich um 18 Uhr und 39 Kilometern den Lake Hill Track erreichte, waren meine Füße allerdings schon an der Grenze des Belastbaren. Da kamen die dreieinhalb Kilometer über weichere Wiese und Erde gerade recht! Und nebenbei bot der Track noch die ein oder andere schöne Aussicht auf den Lake Coleridge.

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Um kurz nach 19 Uhr war ich bei Kilometer 45 angelangt. Alles tat mir weh! An der Kreuzung Algitus Road und der Straße zu Lake Coleridge Village machte ich nochmal Rast und sammelte letzte Kräfte. Von hier an würde ich den Te Araroa verlassen, der noch ca. zwei Kilometer weiter zum Dorf führte…um dort offiziell vorm Flussbett des Rakaia Rivers zu enden. Ich folgte stattdessen weiter der Algitus Road flussaufwärts; hier wäre das Flussbett breiter und der Rakaia noch weiter aufgefächert in verschiedene Einzelströme. Ich wollte mich für den morgigen Tag also schonmal in Pole Position bringen. 😉

Um halb acht brach ich auf meine letzten fünf Kilometer des Tages auf. Es war inzwischen kühl und es herrschte heftiger Gegenwind. Außerdem hatte die Pause auch leider keine Wunder bewirkt; jeder einzelne Schritt tat jetzt weh! Ich steckte mir einen Ablenkungs-Podcast ins Ohr und lief los. Immerhin hatte ich mich für das Abendessen und die Nacht schonmal mit Wasser eingedeckt; jetzt fehlte nur noch ein geeigneter Platz zum Campen nach fünf Kilometern.

Aber vorher wurde es nach vier Kilometern im dämmrigen Abendlicht nochmal schaurig. Bereits aus weiter Entfernung hörte ich eine unruhige Kuhherde heulen und je näher ich kam, desto ohrenbetäubender wurde der Lärm. Keine Ahnung, was da vor sich ging, aber mindestens 100 Kühe schienen nicht gerade glücklich, dafür aber umso aggressiver zu sein. Ich passierte den Zaun und sofort wurde es noch lauter. Und über eine Länge von 100 Metern strömten nun zig Kühe zum Zaun und verfolgten mich laut muhend! Das war mir dann doch ein bisschen zu krass und ich fing trotz Schmerzen an zu joggen, bis ich die lärmende Kuhmeute hinter mir lassen konnte.

Ab sofort hielt ich die Augen offen. Es war (fast) Zeit zum Zelten! Und bei Kilometer 49,9 fand ich den perfekten Platz am Fuße des steil aufragenden Peak Hill, windgeschützt und nicht umzäunt (und damit kein Privatgrundstück). Ich legte Rucksack und Wanderstöcke ab, lief ohne Gepäck 100 Meter weiter und machte schnell noch die 50 Kilometer voll…geschafft! 😉

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Trail Day 82: Vom Peak Hill bis zur Comyn Hut (29 km)

Wind! Das war das erste, was ich dachte und hörte, als ich um 6 Uhr in meinem Zelt wach wurde. Draußen in der benachbarten Baumreihe rauschte es gewaltig. Bei aller Planung für die Überquerung des Rakaia River hatte ich mir ehrlich gesagt darum am wenigsten Gedanken gemacht: ich hatte mir Erfahrungsberichte aus den letzten Jahren durchgelesen (nur als Anhaltspunkt, da sich der genaue Verlauf von Haupt- und Nebenströmen jährlich ändert), aktuelle Waterflow Charts studiert (zuletzt niedrige 145 Kubikmeter in der Sekunde bei Fighting Hill weiter flussabwärts, wo sich der Hauptstrom verengt), Regen-Trends für die relevanten Regionen (auch für mehr als 100 Kilometer entfernte Alpengebiete, aus denen sich der Rakaia speist). Todesberichte hatte ich bewusst ausgeklammert; in Deutschland interessiert mich auch keine Statistik über Todesfälle im Straßenverkehr. Ich wusste, es kam auf meine Vorbereitung, meine Fähigkeiten und gesunden Menschenverstand an und nichts weiter.

Zurück also zum Wind: Als ich schließlich um 9 Uhr aufstand, hatte der Wind abgeflaut. Außerdem hatte er etwas gedreht und feiner Gülle-Odeur wehte jetzt direkt in meine Nase. Ich verließ mein Zelt…und sah auf einmal den Peak Hill nicht mehr. Nur 30 Meter über mir überzog dichter Nebel den Hügel und den Rest der Landschaft hinter mir, während es auf meiner Route bereits aufklarte.

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Ich wanderte noch ca. fünf Kilometer weiter, passierte die Ansiedlung Peak Hill und bog dann auf einen Feldweg Richtung Rakaia Riverbed ein. Es war Punkt 11 Uhr, als ich mich auf den Weg machte…

…fast forward drei Stunden später! Es ist 14 Uhr und ich sitze durchgefroren und erschöpft fünf Kilometer weiter am anderen Ufer des Rakaia. Es ist schwer zu beschreiben, was in den letzten drei Stunden in mir vorgegangen ist. Vorfreude, Angst, Hochmut, Konzentration, Freude, Panik, Erleichterung, Wut…da war wirklich so einiges geboten! 😉

Die Durchquerung des Flussbetts begann ganz entspannt durch Buschwerk und erste ausgetrocknete Passagen. Ich konnte mich dabei sehr gut an den vier Silos der Glenrock Farm auf der anderen Fluss-Seite orientieren. Erst nach einer halben Stunde wurde es ernst und ich musste durch die ersten drei Ströme waten. Gleich der erste davon gab mir zu denken, denn er war nicht nur verdammt schnell, sondern ich konnte durch das milchige Wasser weder sehen, wie tief er war noch wohin ich überhaupt meinen Fuß setzte. Na das konnte ja richtig spannend werden, wenn es zur Sache ging!

Kurze Zeit später erreichte ich eine Sackgasse, meine erste. Der Fluss war hier so breit, schnell und tief, dass ich ihn unmöglich überqueren könnte, ohne mitgerissen zu werden. Woher ich das weiß? Ich probierte es aus, stand bereits vor der Mitte des Flusses hüfttief in der kräftigen Strömung und musste um meinen Halt kämpfen, aber drehte um, bevor es zu spät war. Was nun? Ich entschied mich, eine bessere Stelle weiter flussaufwärts zu suchen. Und auf dem Weg dahin musste ich wieder zahlreiche Zuflüsse überqueren. Ein Zufluss war wiederum so heftig, dass ich auch diesen umlaufen musste. Anstatt dem anderen Ufer näher zu kommen, lief ich nun wieder zurück in die Richtung, aus der ich ursprünglich gestartet war. Das ärgerte mich und machte mich ungeduldig. Ich entschied mich für den schnellen Weg durch die Mitte und bekam sofort die Quittung: der Strom war zu heftig, ich verlor den Halt und tauchte unter! Nur für kurze Zeit und ich schaffte es auch wieder zurück zum (gleichen) Ufer, aber ich hatte meine Lektion gelernt.

Und es war mir egal, wie lange es dauern würde, bis ich einen machbaren Weg gefunden hätte. So leicht gab ich nicht auf! Andererseits gab es hier offensichtlich keine Belohnung ohne Risiko. Meinen Personal Life Beacon hatte ich für den Notfall griffbereit in der Brusttasche meiner Jacke und alle anderen Sachen waren wasserdicht verstaut. Ich überquerte eine schnelle und tiefe Passage des Flusses, konnte mich irgendwann nicht mehr halten und trieb mit der Strömung und meinen Beinschlägen die restlichen zehn Meter zum anderen Ufer. Geschafft! Fürs Erste!

Ich war jetzt nass und kalt und der Wind war gerade auch nicht mein bester Freund. Jedoch konnte ich jetzt wieder ein gutes Stück Richtung Glenrock Farm laufen und dabei leichtere Nebenflüsse überqueren. Jetzt stand nur noch ein breiter Strom zwischen mir und dem rettenden Ufer. Aber auch hier war kein Vorbeikommen! Ich musste wieder nach einer Alternative suchen. Etwas weiter flussaufwärts wurde der breite Strom zu zwei kleineren und einem größeren Zufluss. Die ersten beiden waren schnell bewältigt, aber selbst der reduzierte Strom war noch zu tief und zu stark für mich.

Ich arbeitete mich wieder ungefähr bis zur Mitte vor, holte nochmal tief Luft und stieß mich wieder auf das andere Ufer zu. Sofort wurde ich von der Strömung erfasst und verlor für eine Sekunde den Boden unter den Füßen. Der nasse Rucksack zog mich runter, aber sofort hatte ich wieder Kontrolle und arbeitete mich ans andere Ufer vor. Wahnsinn, diesmal hatte mich die Strömung bestimmt 30 Meter mitgerissen, bevor ich wieder sicheren Halt hatte! Erleichterung pur!
Ich hatte das andere Ufer erreicht, aber was war das für ein heftiges Erlebnis. Und ehrlich gesagt auch wirklich angsteinflößend zum Teil! Zum Nachmachen würde ich also niemandem raten. Es sei denn mit einem Schlauchboot! 😉

Ich trocknete meine Sachen und holte meine Mittagspause nach. Ich zitterte richtig und zog mir schnell trockene Kleidung an. Es war weit schwieriger als erwartet und ich würde auf jeden Fall nochmal Wetterberichte und Wasserfluss-Charts checken, wenn ich wieder die Gelegenheit hätte…dieses trübe Wasser bedeutete eigentlich frische Regenfälle. Anyway, ich hatte es überlebt. Und das fand ich relativ positiv! 😉

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Nach anderthalb Stunden körperlicher und mentaler Erholung legte ich den verbleibenden Kilometer zum Trailhead des Te Araroa zurück. Das traf sich gut, denn ich hatte kein Wasser mehr. Die trübe Rakaia-Suppe wollte ich nicht (noch mehr) trinken und der Trail sollte direkt dem Glenrock Stream folgen. Meine Hoffnungen wurden allerdings frühzeitig zerstört; rechts und links des Baches waren Kuhweiden mit dem obligatorischen Kuhmist und selbst im Stream selber lagen reihenweise dieser Tretminen. Ich würde bis zum nächsten nicht kontaminierten Bach durstig sein müssen.

Umso motivierter stieg ich jetzt die sechs Kilometer und die 700 Höhenmeter bis zum Turtons Saddle hinauf. Ich hatte Durst, schlechte Laune und zu allem Überfluss wurde es auch noch richtig heiß! Ich verfluchte einige Male die Trail Notes, aus denen so ein fieser Aufstieg nicht ersichtlich war. Ich machte ein paar Mal Halt und schaute durch das Tal zurück auf den Rakaia River, der aus dieser Entfernung total unschuldig und ruhig aussah. Aber ich kannte ihn besser! 😉

Drei Kilometer später erreichte ich einen frischen Gebirgsbach und trank sofort einen Liter in Rekordzeit. Kurze Zeit später erreichte ich die erste Hütte dieser Etappe, die A Frame Hut mit drei Betten. Als erstes sah ich allerdings nur die Toilette mitten in dieser beeindruckenden Landschaft stehen, ein super Bild!

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Und in der Hütte traf ich tatsächlich Dustin, der es aufgrund einer Magenverstimmung etwas ruhiger angehen lassen musste. Wir tauschten sofort unsere Erfahrungen zum Rakaia River aus, den Dustin mit Romain, James und Marion an diesem Morgen überquert hatte…in fünf Stunden! Romain hatte sogar seine Trekking-Stöcke opfern müssen, aber allen ging es gut und das war die Hauptsache. Ich machte eine längere Pause, um nochmal Kräfte zu tanken bis zur nur sieben Kilometer entfernten Comyn Hut, wo laut Dustin die anderen drei schlafen müssten.

Bevor ich um 19 Uhr wieder aufbrach, spendete mir Dustin noch eine ganze Salami und ein paar Wraps, echt super! Ich hatte nämlich festgestellt, dass ich für die noch kommenden fünf Tage ein bisschen zu wenig Essen mit dabei hatte. Inzwischen war die Sonne hinter einem bewölkten Gipfel verschwunden und es war richtig kalt. Ich zog mir Hoodie und Jacke über, füllte meinem Wasservorrat auf und verließ Dustin mit besten Genesungswünschen.

Von jetzt an wurde der Trail bedeutend einfacher und mit frischen Beinen flog ich geradezu zur Comyn Hut. Bereits nach weniger als anderthalb Stunden begrüßten mich dort tatsächlich James, Romain und Marion in der ziemlich heruntergekommenen Hütte. Aber egal, es gab Matratzen und James hatte ein Feuer gemacht, was will man mehr? Auch wir tauschten uns über den Rakaia aus und wie es aussah hatten wir alle unsere „besonderen“ Momente. Umso schöner war es jetzt hier in der warmen Hütte zu sitzen und die Gemeinschaft zu genießen.

Nach den gestrigen harten 50 Kilometern und der heutigen extremen Überquerung des Rakaia River wird morgen ein ganz langweiliger, normaler Tag…hoffentlich! 😉

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Trail Day 83: Von der Comyn Hut bis zu den Maori Lakes (31 km)

Schonmal einen dieser schwarzen Müllsäcke mit Tape repariert, weil Löcher drin sind? Nein? Ging mir ähnlich bis heute Morgen. Ich realisierte erst spät am gestrigen Abend, dass Teile meines Equipments im Rucksack dann doch ziemlich nass geworden waren aufgrund meiner Schwimmeinlagen im Rakaia River. Da ich so ziemlich alles zusätzlich in Dry Bags verstaut hatte, konnte ich zumindest in einem trockenen Schlafsack schlafen…und die Matratze würde innerhalb von wenigen Minuten trocknen. Anyway, ich würde den Müllsack noch für den Rangitata River benötigen…und diesmal hoffentlich lochfrei! 😉

In der Nacht wurde es richtig kalt und als ich aufwachte saßen James, Romain und Marion dick eingepackt und mit Kapuze am Frühstückstisch. Ihr Atem verursachte kleine Wölkchen und ich war schlagartig demotiviert, mich aus meinem gemütlich warmen Schlafsack zu quälen. Die Comyn Hut lag inmitten von steil aufragenden Gipfeln zu beiden Seiten und die Sonne würde das Tal erst spät erreichen. Es half also alles nichts, irgendwann musste ich ja auch weiter.

Ich verließ die Hütte gut eine halbe Stunde nach den anderen und folgte dem Hakatere und dem Round Hill Creek stetig bergauf. Dabei musste ich alle paar Minuten die eiskalten Gebirgsströme durchlaufen, um unüberwindbare Felsen und Abhänge zu umgehen. Das trug nicht gerade zu einer gesunden Körpertemperatur bei. Aber so langsam kam die Sonne immer näher und ich konnte Lage um Lage meiner warmen Verpackung ablegen.

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Von der Comyn Hut auf knapp 800 Meter wanderte ich hinauf den Clent Hills Saddle in 1.500 Höhenmeter. Danach ging es weiter auf und ab durch das dahinterliegende Tal. Ich hatte einige Male Probleme, den Trail in dem dichten Gras zu finden. Ich überstand eine Schrecksekunde unbeschadet, bei der ich heftig mit meinem linken Knöchel umknickte. Ich war in einem alten Zaundraht hängengeblieben und machte einen großen Ausfallschritt, bei dem ich fies umknickte. Bei einer ähnlichen Bewegung vor einigen Jahren riss ich mir drei Außenbänder, das Syndesmoseband und brach mir den Knöchel…daher bin ich bei solchen Geschichten spontantraumatisiert. 😉 Und ich nahm mir vor, von jetzt an meine Schritte behutsamer zu setzen, was hier gar nicht so einfach war. Manchmal musste ich mir in Erinnerung rufen, dass nur ein falscher Schritt das ganze Abenteuer beenden könnte.

Zur Mittagspause hatte ich die drei vor mir Gestarteten eingeholt…aber auch gleich wieder verloren, weil ich meine Füße noch ausgiebig verarzten wollte. Ich hatte eine kleine Wunde auf dem rechten Fußrist und so langsam taten mir beide Fersen weh, weil meine Schuhe bereits nach 400 Kilometern anfingen auseinander zu fallen. Inzwischen war von der Fersenpolsterung nicht mehr viel übrig, sodass meine Fersen bei jedem Schritt auf hartes Material stießen. Auf Dauer echt unangenehm! Und meine neuen Schuhe warteten in einem Paket in 300 Kilometern Entfernung auf ihre Abholung und vorher würde es auch keinen Schuhladen geben. Anyway, bis dahin musste ich improvisieren. Ich schützte meine Fersen mit Tape und Blasenpflaster. Und nach der Etappe morgen mit der Flussüberquerung würde ich auch die Schuhe ebenfalls mit Tape bearbeiten.

Weiter ging es hinunter ins Tal, wo es sich wie eine Wüste anfühlte. Es war inzwischen sehr heiß geworden und die gesamte Landschaft „erstrahlte“ in Braun- und Grautönen. Ganz anders als zuvor auf dem Trail; auch nach mehr als 2.200 Kilometern gab es immer noch neue Facetten dieses Landes zu entdecken! Nach zehn weitestgehend flachen und einfachen Kilometern schloss ich wieder zu den anderen auf. Es war erst kurz nach vier Uhr und wir machten eine letzte Pause vor dem abschließenden Teil des Tages. Außerdem füllten wir in der Nähe der Manuka Hut nochmal unsere Wasservorräte komplett auf, denn ab sofort gab es für mindestens 17 Kilometer keine verlässliche Wasserquelle mehr entlang des Trails. Innerhalb der nächsten 10 bis 15 Kilometer wollten wir aber schon campen. Während wir unsere Snacks aßen, kam auch Dustin hinzu. Was für eine Überraschung! Es ging ihm wieder besser und er hatte sich extra angestrengt, um bereits heute unsere Gruppe einzuholen. Zu fünft brachen wir also zum letzten Teil des Tages auf.

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Zunächst mussten wir eine Anhöhe überwinden, um dann wieder hinunter und entlang des Lake Emily zu laufen. Es dauerte nicht lang und wir verließen die Ebene. Ab sofort ging es weiter über eine Kiesstraße, bei meinen dünnen Sohlen mein absoluter Hassuntergrund. Immerhin kamen wir so schnell voran und stießen nach einiger Zeit auf einen tollen Platz für ein Camp direkt an den Maori Lakes. Besonders lange blieb keiner von uns auf; morgen sollte der nächste harte Tag mit der Überquerung des Rangitata River folgen…

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Trail Day 84: Von den Maori Lakes bis zum Bush Stream Track (150 km)

Ein wirklich verrückter Tag…was wahrscheinlich allein schon die 150 Kilometer in der Überschrift andeuten! 😉 Es ist 21 Uhr und ich versuche die letzten 18 Stunden so gut es geht zu verarbeiten, mit einem fetten Grinsen im Gesicht…

Zunächst fegte uns in der Nacht und am Morgen ein allerfeinstes Sturm-Inferno um die Ohren! Das erste Mal wachte ich um drei Uhr nachts auf, der heftige Wind peitschte mir Innen- und Außenzelt regelrecht ins Gesicht und es war trotz meiner Ohrstöpsel einfach tosend laut. Ich wälzte mich herum und versuchte das Unvermeidliche nur etwas weiter hinaus zu zögern: ich musste raus, um zusätzliche Heringe anzubringen. Den anderen erging es nicht besser! Bis zum Morgen waren bei Marions Zelt die Stange gebrochen und zwei große Löcher zu bewundern, bei Dustins Zelt war ein Teil des Innenzelts eingerissen. Mein Zelt bog und wand sich geradezu im Sturm, aber hielt dem Druck stand. James half mir beim Abbau meines Zeltes, ansonsten wäre es weggeflogen. Zuvor hatte ich im Inneren des Zelts meinen kompletten Rucksack gepackt und ihn als „Zeltbeschwerer“ umfunktioniert. Wir dachten schon, wir hätten das Schlimmste überstanden, aber es sollten noch einige Überraschungen auf uns zukommen.

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Dabei sah es trotz nächtlichem Sturm erst gar nicht so schlecht aus. Wir liefen zu fünft die ersten zwei Kilometer. Hier gabelte der Te Araroa-Wanderweg von der Straße ab und wir verabschiedeten uns von Marion, die ihr Zelt in Christchurch ersetzen und die über 100 Kilometer bis dorthin per Anhalter zurücklegen wollte. Als Mädel kein großes Problem in Neuseeland! 😉

Wir vier dick eingepackten Jungs wanderten also ohne weibliche Unterstützung weiter durch die ebene Landschaft. Der Wind flaute kurz ab, um dann noch heftiger zurück zu schlagen. Außerdem war es immer noch eisig kalt, da die Sonne von dicken Wolken verdeckt blieb. Trotzdem kamen wir sehr gut voran und dem Rangitata River Kilometer und Kilometer näher. Unterwegs stießen wir kurz hintereinander auf zwei Northbound-Wanderer, die bereits tags zuvor den Fluss überquert hatten. „Kein Problem“ lautete die einhellige Meinung.

Da jetzt auch noch die Sonne herauskam und es richtig warm wurde, hatten wir so langsam ein richtig gutes Gefühl für die Flussüberquerung. Wir machten kurz Pause, überlegten bereits die beste Route und gingen motiviert die letzten elf Kilometer zum Fluss an.

Nur eine Viertelstunde später und alles war anders! Wo gerade noch eine beeindruckende Bergkulisse zu sehen war, sahen wir jetzt nur noch eine dunkelblau bis schwarze Wand! Der leichte Wind wandelte sich zu einem richtigen Sturm, der uns teilweise sogar vom Trail fegte. Und dann fing es auch noch an zu regnen. Zwar nur leicht, aber die Unwetterfront kam ja auch gerade erst auf uns zu. Und unser Weg führte geradewegs in diese respekteinflößende dunkle Wand hinein. Es wurde immer heftiger und jeder Schritt wurde zur Anstrengung gegen den Sturm! Keine Frage, die Überquerung des Rangitata war gestorben. Der Fluss speiste sich aus zahlreichen Zuflüssen aus den Alpen, die sich gerade fleißig mit Regenwasser auftankten. Das Rangitata-Flussbett wäre schnell voll von reißenden Einzelströmen. Und mit noch ein bisschen mehr Pech würde man bei der mehr als zweistündigen Überquerung von den Wassermassen komplett eingeschlossen werden. Wie man beim Rakaia gesehen hat grenzt mein Risikobewusstsein leicht an Überheblichkeit. Aber selbst mir war klar, dass ein Plan B hermusste…und zwar sofort!

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Die Rettung kam in Form eines Schildes: „Clearwater Carpark 2 km“. Ich trommelte die anderen zusammen und gemeinsam verließen wir den Trail, der uns direkt ins Unwetter geführt hätte. Wir erreichten den Carpark, während der Regen so langsam stärker wurde. Von hier aus mussten wir allerdings nochmal zwei Kilometer weiter zum kleinen Ferienort Clearwater laufen, den wir um 13 Uhr erleichtert erreichten. Dort angekommen suchten wir Unterschlupf und machten Lagebesprechung. Da eine Flussüberquerung leicht wahnsinnig wäre, gab es nur eine Möglichkeit: den Fluss zu umfahren. Das hört sich leichter an als gesagt! Die nächste Brücke über den Rangitata befand sich östlich in 70km!!! Entfernung und danach müssten wir ja auch noch irgendwie die 60 Kilometer wieder nach Westen zurück auf den Trail bewältigen. 130 Kilometer, Umweg des Jahres! Außerdem war hier pure Pampa und auf der anderen Seite des Flusses noch viel mehr Pampa! Wie sollten wir überhaupt nur einen Meter weit kommen?! Da half nur eins: erstmal zu Mittag essen! 😉

Die erste Rettung ließ nicht lange auf sich warten. James und Romain hatten Brian gefunden, einer der wenigen Bewohner von Clearwater, der hier auch tatsächlich unter der Woche hinkam. Er und seine Frau luden uns auf Kaffee und Tee ein…und weil er ja sowieso nichts Besonderes zu tun hätte, bot Brian uns auch noch eine Fahrt nach Mount Somers an. Schonmal 35 Kilometer in die gewünschte Richtung. Und von nun an begann eine sagenhafte Glückssträhne!

In Mount Somers stockten wir zunächst im kleinen General Store unsere Essensvorräte für einen zusätzlichen Tag auf und genehmigten uns im Pub ein paar Bier und heiße Snacks. Nichts überstürzen! 😉 Der Resupply für alle ging auf meine Rechnung, weil mich die Jungs bereits zuvor mit ein paar Tagen Futter versorgt hatten…und sie sowieso kein Bargeld mehr hatten. Wir wollten gerade aus dem Pub aufbrechen, um an der SH72 unsere Daumen in die Höhe zu strecken, da kam der Pub-Pächter herein. Ich unterhielt mich nur kurz mit ihm über unseren weiteren Weg und verabschiedete mich dann in Richtung Straße. Bei Sonnenschein und Wind versuchten wir zehn Minuten unser Glück, ohne Erfolg natürlich. Wer würde schon für vier bärtige, dreckige Wanderer anhalten?! Dann kam der Pub-Pächter herangefahren und ich fing ihn ab. Er würde uns fahren…gegen Cash! Wir zählten unser Geld und kamen auf etwas mehr als zehn Dollar…zusammen! 😉 Damit war die Fahrt zur Brücke über den Rangitata auch schon wieder abgeblasen, aber zehn Kilometer weiter könne der Pub-Pächter uns dennoch fahren. Immerhin!

Wir luden unsere Rucksäcke ein und waren letztendlich so gutes Entertainment, dass der Pub-Pächter uns doch bis nach Arundel direkt hinter der Brücke über den Rangitata River kutschierte. Kostenlos versteht sich! Und damit hatten wir bereits 70 von 130 Kilometern geschafft. Es war jetzt 17:30 Uhr und wir wollten weiter unser Glück versuchen. Nächstes Ziel: Peel Forest, nur zehn Kilometer weiter und mit einer Bar und einem Camping-Platz gesegnet. Danach gab es nur noch die Straße ins Nichts: die 50 Kilometer lange Kiesstraße Rangitata Gorge Road wurde nur von einigen Bauern benutzt. Oder vielleicht noch von ein paar Touristen. Kurz: wir erwarteten eine richtig harte Nuss!

Zurück auf der Straße hielt bereits direkt das erste Auto für uns an. Am Steuer saß der bestimmt 70-jährige Ben, der uns ja bis nach Peel Forest bringen würde, aber sein Kastenwagen war komplett voll mit irgendwelchen Werkzeugen und anderem Kram. Ich sagte ihm, das wäre überhaupt kein Problem! Irgendwie würden wir uns schon reinquetschen…und mit etwas Gewalt und Akrobatik fanden wir tatsächlich alle Platz. 😉 Ben war eine urige Gestalt und driftete beim Fahren immer hart nach links. So ganz vertraute ich seinen Fahrkünsten (und Augen) nicht, aber er hatte nunmal ein Auto. Wählerisch sein war heute einfach nicht drin! 😉

In Peel Forest angekommen, holten wir uns gleich ein paar Infos im Pub ab. Die auskunftsfreudige Kellnerin raubte uns ziemlich schnell alle Hoffnungen: erstens gab es hier Bier und Burger nur gegen Cash (und das war gerade ein rares Gut, auch wenn Romain auf einmal zusätzliche 40 Dollar hervorzauberte), zweitens war per Anhalter 50 Kilometer die Gorge Road hinauffahren reine Glückssache (womit wir uns ja inzwischen auskannten 😉). Manchmal wären Wanderer auch schonmal zwei bis drei Tage hier hängengeblieben! Naja, dieser Pub-Boss fand uns jedenfalls nicht ganz so klasse wie der letzte und schmiss uns ziemlich rüde vor die Tür, weil wir uns offensichtlich nicht in zahlende Kundschaft verwandeln würden…und damit tat er uns einen riesigen Gefallen!

Denn jetzt blieb uns nichts anderes übrig als unser Glück ortsauswärts beim Camping-Platz zu versuchen…oder dort für heute unsere Zelte aufzuschlagen (oder etwas weiter die Straße hinunter, selbst zum Campen waren wir hier zu arm). 😉 Auf dem Weg dahin fuhr Sally an uns vorbei. Und da sie ihren SUV nur mit etwas Hundefutter beladen hatte, könne sie uns auch genauso gut zu ihrer Farm namens White Rock mitnehmen. Nach zehn Minuten Fahrt netter Konversation entschied sie sich dann kurzerhand, uns auch noch die zusätzlichen 20 Kilometer bis zu unserem Ziel zu chauffieren!

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Unglaublich, was heute passierte! Wir würden nicht nur innerhalb weniger Stunden die 130 Kilometer von Pampa A nach Pampa B zurücklegen, sondern hatten uns unterwegs mit Essen eingedeckt, Bier getrunken und unglaublich hilfsbereite Menschen kennengelernt. Nicht eine einzige Fahrt lag einfach so auf dem Weg dieser Leute: Brian, Pub-Pächter, Ben und Sally, sie alle brachten uns nicht nur unserem Ziel näher, sondern nahmen dafür kilometerweite Umwege, Zeit und Kosten in Kauf, ohne etwas dafür im Gegenzug zu verlangen! Wir vier waren von so viel Hilfsbereitschaft schier überwältigt, ich bin es jetzt immer noch, während ich diese Zeilen schreibe, und werde es noch lange lange Zeit bleiben! Danke, das war einfach eine sagenhafte Erfahrung für mich!

 

So what’s next:

 

Es wird alpin, kalt und hoffentlich ebenso beeindruckend wie zuletzt im Gebirge: Ich wandere über die Two Thumb Range über das „Dach“ des Te Araroa. Der Stag Saddle ist mit 1.925 Metern die höchste Erhebung des gesamten Trails! Und danach renne ich schnurstracks in die Zivilisation und nehme mir ein bis zwei Tage Ruhepause in Lake Tekapo. Nach dann acht Tagen digitalem Detox lechze ich garantiert auch wieder nach einer warmen Dusche, einem bequemen Bett, einem leckeren Cappuccino und irgendwas zwischen den Kiemen, das stark nach Steak schmeckt. 😉

2 Kommentare zu “18. Trail-Abschnitt: Von Arthur’s Pass bis zur Two Thumb Range über den Rakaia und Rangitata River – Trail Magic abseits des Trails

  1. Rolf

    Na, das hört sich doch wunderbar an. Die Fotos bringen einen hier im grade frühlingshaft werdenden Deutschland wirklich zum Träumen. Auch wenn sich eine Flussdurchquerung wie Ihr sie hinter Euch habt eher umzulänglich beschreiben lässt. Das muss man erlebt haben. Weiterhin viel Glück auf der alpinen Reise. Ich finde, die Südalpen sind, was das Licht auf Deinen Schnappschüssen angeht, mit Südfrankreich zu vergleichen, auch wenn das hinkt, ich weiss. Die Weite beginnt schliesslich im Kopf und erinnert mich wiederum an Südafrikas Hinterland. Dort fehlt die Vegetation, aber die Freundlichkeit der Leute und dieses irre Gefühl von Fern und Nah…ich schweife ab. Wäre Dein Ziel, die Blogbetrachter aus Nah und Fern zu inspirieren, machst Du jedenfalls einen verdammt guten Job. Danke dafür und weiterhin guten Weg!

    1. Stef Autor des Beitrags

      Thx! Ja das mit der Flussdurchquerung lässt sich wirklich schwer vermitteln. Vor allem meine Naivität dabei! 😉 wollte auch ein Video hochladen, aber das hat leider nicht funktioniert…da würde man zumindest die Geschwindigkeit und die Breite des Flusses hautnäher erleben können. Anyway, freue mich einen Beitrag zur Inspiration zu leisten…ist immerhin der Begriff, unter dem dieses ganze Abenteuer steht! 😉 Bis Twizel oder Wanaka!

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