The Te Araroa Trail

19. Trail-Abschnitt: Vom Rangitata River / Bush Stream Carpark nach Lake Tekapo über die Two Thumb Range – Auf dem Dach des Te Araroa!

Te Araroa Trail Total (TTT): 2.385 km 

 

Highlight:

Überragende Aussicht vom Stag Saddle (1.925m), dem offiziell höchsten Punkt des Te Araroa Trails, und vom Beuzenberg Peak (2.070m) auf Lake Tekapo, die Two Thumb Range und Mount Cook

 

Beileid:

Kälte! Oder Rückenschmerzen! Oder zu viele Leute auf dem Trail? Kann mich gerade nicht entscheiden. 😉

 

💪🏼: 3/10

😄😐☹: 8/10

Trail Day 85: Vom Start des Bush Stream Track bis zur Royal Hut (24 km)

Es kann nicht nur 150-Kilometer-Tage geben, sondern man muss sich auch mal mit weniger zufrieden geben können. 😉 Vom Wild Camp direkt am Start des Bush Stream Tracks in Spuckweite zum Rangitata River waren es anstrengende 24 Kilometer bis zur Royal Hut mit reichlich Höhenmetern. Daher vielleicht auch der kleine Unterschied zu den gestrigen 150 Kilometern. 😉

Die größte Überraschung des Tages: Nach über 1.200 Kilometern traf ich Matt und Kelsea wieder! Und mit ihnen wanderte eine große Gruppe von sieben weiteren Wanderern, unter ihnen auch einige alte Bekannte wie John und Jana. Jetzt waren wir 13 TA-Wanderer auf einen Haufen; ich fühlte mich zurückversetzt in den Pureora Forest, wo wir ebenso 13 waren. Das bedeutete natürlich auch, dass der Kampf um die Plätze in den Hütten entbrannt war. 😉
Am Morgen war es noch bitterkalt und bewölkt. Wir starteten unseren Tag bei 550 Höhenmeter und stiegen innerhalb der ersten acht Kilometer auf 1.000 Höhenmeter zur Crooked Spur Hut. Auf dem Weg dorthin folgten wir zunächst dem Bush Stream, den wir einige Male überqueren mussten. Danach folgten ein sehr steiler Anstieg, gefolgt von einem überaus steilen Abstieg, gefolgt von einem extrem steilen Aufstieg. 😉 Ich wanderte für einige Zeit mit Matt und Kelsea und wir tauschten einige Stories der letzten Wochen aus.

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Nach der Mittagspause in der Crooked Spur Hut wanderte ich wieder allein. Ehrlich gesagt war mir der Trubel mit dieser großen Gruppe unangenehm; und tagsüber wanderte ich sowieso am liebsten alleine, denke nach oder höre Podcasts oder Audiobooks. Ich würde die gesamte Crew sowieso am Abend in der Royal Hut wiedersehen. Von der Hütte aus führte der Trail stetig über Tussock und hohes Gras bergauf auf 1.500 Höhenmeter, um dann wieder steil in das nächste Tal abzufallen. Bis zur nächsten Hütte, der Stone Hut, ging es weiter so auf und ab. Einige Male war es schwierig, die Trail-Markierungen zu finden, sodass ich mehr oder weniger meiner eigenen Route folgte.

Tagsüber lichteten sich die Wolken und die Sonne schien angenehm warm auf mich herab. Es blieb trotzdem Wetter für Hoodie und Jacke, weil der Wind extrem kühl war. In der Nacht sollte die Frostgrenze auf unter 1.400 Höhenmeter sinken…und die Royal Hut lag nur einige Meter darunter. So langsam wird es Herbst in Neuseeland! 😉 Von der Stone Hut waren es nur weitere sechs relativ einfache Kilometer bis zur Royal Hut, die ich in anderthalb Stunden zurücklegte. So hatte ich bereits vor 18 Uhr meinen wohlverdienten Wanderfeierabend.

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Die gesellige Runde am Abend löste sich bereits früh um 20 Uhr auf, da einige bereits zum Sonnenaufgang auf den Stag Saddle steigen wollten. Mit 1.925 Metern ist der Sattelpunkt der höchste Punkt auf dem Trail. Ich war mir relativ sicher, dass es morgens wieder bewölkt sein würde…und plante dementsprechend mit einem entspannten Morgen mit mindestens drei Runden Kaffee, bevor ich mich auf den Weg zum dann wolkenfreien Saddle machen würde. 😉

Trail Day 86: Von der Royal Hut bis zum Ende des Two Thumb Track (34 km)

Als ich um sieben Uhr aufwachte, war die Hütte bereits voller Leben. Und die mutigen Camper, die die Nacht eigentlich in ihren Zelten verbringen und früh zum Stag Saddle aufsteigen wollten, waren offensichtlich in die Hütte umgezogen und hatten ihre Pläne aufgrund der Kälte verworfen. In der Nacht hatten wir zum ersten Mal Minustemperaturen auf dem Trail und von einer Wanderin waren sogar Zelt und Schuhe eingefroren von der vorherigen Kondensation. John half aus, indem er ein wenig Wasser aufkochte und die Schuhe über den heißen Wasserdampf hielt… ein TA Hiker weiß sich halt immer zu helfen. 😉

Ich ließ mir am Morgen sehr viel Zeit und brach erst nach allen anderen auf. Zu diesem Zeitpunkt wurde es bereits wieder warm in der Sonne und es sollte einer meiner schönsten Tage überhaupt auf dem Trail werden! Von der Royal Hut in 1.300 Meter Höhe führte mich die Route zunächst stetig bergauf entlang eines Creeks, um dann den letzten Kilometer zum Stag Saddle steil anzusteigen. Es war der höchste offizielle Punkt des Te Araroa und ich sprintete die letzten Meter den Berg hinauf, um meinen Tribut für das „Dach“ des Trails zu zollen. 😉 Einige der anderen hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits eingeholt. James und ich blieben noch etwas länger zurück und genossen die grandiose Aussicht vom Saddle. Allerdings sollte es bei dieser Höhe nicht bleiben, denn zur offiziellen TA-Route gab es einen Alternativweg entlang eines Grades, der noch viel bessere Panoramas ermöglichen sollte.

Wir stärkten uns mit ein paar Powerbars und begannen motiviert und intensiv den Aufstieg zum Beuzenberg Peak, der sich zu rechter Hand des Stag Saddle in 2.070 Meter erhob. Der Aufstieg war tricky, denn er war entweder rutschig durch das feine Schiefergestein oder man müsste die Route über größere Felsen wählen und dementsprechend einige Kletterpartien einlegen. Es waren „nur“ weitere 150 Höhenmeter und innerhalb kurzer Zeit standen wir mit offenem Mund, Kiefer auf Brusthöhe und Augen reibend auf dem Gipfel des Beuzenberg: in dieser Höhe hatten wir einen 360-Grad-Rundblick auf den Lake Tekapo, die weiteren hohen Gipfel der Two Thumb Range sowie schneebedeckte Gipfel weiterer Gebirgsketten, die sich majestätisch hinter dem See erhoben. Einfach atemberaubend! Wir entschieden spontan, dass dies der perfekte Platz für eine frühe Mittagspause war und machten es uns auf dem Gipfel bequem. Wir könnten uns gar nicht satt sehen an dieser Aussicht!

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Als wir uns endlich losreißen konnten, machten James und ich uns an die Verfolgung der anderen und folgten dem Grat hinunter Richtung Lake Tekapo. Die Aussicht war weiterhin überragend. Auch wenn wir ein gutes Tempo vorlegten, hielten wir immer wieder inne, um die Landschaft auf uns wirken zu lassen. Es war etwas bewölkt, aber die Sonne schien trotzdem stark durch die dünnen weißen Schwaden hindurch. Vorbei an der Rex Simpson Hut folgten wir einem 4WD-Track und trafen die große Gruppe der anderen Wanderer an der mehr als 150 Jahre alten Camp Stream Hut.

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James und ich legten eine weitere Pause ein, bevor wir die anderen hinter uns ließen, um den letzten Teil des beeindruckenden Two Thumb Track zurückzulegen. Wir folgten wieder einem Stream, müssten noch einmal steil bergauf steigen und folgten dann dem Trail über Ski-Pisten und Tussock-Felder weiter nach Süden. Über Stunden unterhielten wir uns über Ideen aus Podcasts, Audiobooks und Büchern und diskutierten über Gott und die Welt; wir hatten einfach puren Spaß am Austausch. Und die Gespräche mit James trugen auch dazu bei, dass dies einer meiner besten Tage überhaupt auf dem Trail wurde!

Als wir den Carpark erreichten, hatten wir Dustin und Romain beinahe eingeholt. Es war bereits 20 Uhr und der wunderschöne Tag neigte sich dem Ende entgegen. Das merkten James und ich nicht nur an dem spärlicher werdenden Licht oder den sinkenden Temperaturen, sondern auch an unseren körperlichen Blessuren: James hatte Probleme mit seiner Hüfte, mir taten die Fersen weh, da sich die hintere Polsterung meiner Schuhe inzwischen so gut wie in Luft aufgelöst hatte…“nur“ noch 250 Kilometer bis Wanaka und ich konnte in meine anderen Trail Runner schlüpfen. Bis dahin würde ich noch diese Treter durchbringen müssen…wenn ich nicht gerade einen 100-Kilometer-Umweg über Christchurch in Kauf nehmen wollte, um mir kurzfristig Ersatz zu besorgen.

Wir füllten noch einmal für die Nacht unsere Wasserreserven in einem Bach auf und liefen dann entlang einer Kiesstraße entlang des Lake Tekapo auf der Suche nach dem Zeltlager von Romain und Dustin, die wir bereits nach anderthalb Kilometern fanden. Das reichte auch für heute! In den anspruchsvollen 34 Kilometern waren reichlich Höhenmeter versteckt. 😉 Wir campten direkt am Ufer des Sees und ließen noch einmal diesen großartigen Tag Revie passieren, während wir beim Abendessen zusammen saßen. Wir waren auch nur noch auf 750 Meter, sodass die Nacht bei weitem nicht so kalt wie die gestrige werden würde. Als ich erst einmal erschöpft und zufrieden in meinem Zelt lag, gingen mir noch einmal die Bilder des Tages durch den Kopf…genug Inspiration für schöne Träume! 😉

image image image image image image image image image image imageTrail Day 87: Vom Ende des Two Thumb Track bis Lake Tekapo Village (16 km)

Ich mache es kurz: Die restlichen 16 Kilometer bis Lake Tekapo führten mich hauptsächlich über eine Kiesstraße entlang des Sees zurück in die Zivilisation. Nach acht Tagen bekam ich endlich mal wieder einen köstlichen Cappuccino und einen warmen Steak&Cheese-Pie! 😉 Ich freute mich so auf Kontakt mit Familie und Freunden und war ausgehungert nach Fußballresultaten!

Auf dem Weg in das mit chinesischen Touristen überflutende Dorf sprang mir sogar ein Wallaby über den Weg. Ich traute meinen Augen nicht so recht: war das ein Känguru? Zu diesem Zeitpunkt war mir der Unterschied noch nicht ganz klar und ich musste erstmal Kiwi John fragen, ob ich auf irgendwelchen Drogen war. 😉 Aber er bestätigte mir, dass diese „Plage“ vereinzelt auch in Neuseeland anzutreffen sein…ich fand das Tier eigentlich ganz niedlich. Aber ich bin ja auch kein neuseeländischer Farmer, dem die Ernte weggefressen wird.

Ich erreichte gerade den Ort, als ich einen Anruf von Hannes bekam, den ich auch schon seit über 1.000 Kilometern nicht mehr gesehen hatte. Er und Andi verließen gerade in diesem Augenblick Lake Tekapo ein paar Kilometer weiter auf der anderen Seite. So nah dran! 😉 Aber eventuell würde ich sie nochmal einholen, wobei ich mir die nächsten Tage ein bisschen Relaxen verschrieben habe. Knie, Fersen und unterer Rücken haben sich eine längere Pause redlich verdient…

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So what’s next:

 

…ich verbringe zwei bis drei Tage im so gut wie ausgebuchten Lake Tekapo wahrscheinlich in einer Mischung aus Backpackers und Zelt. Ich erhole meinen geschundenen Körper in Hot Pools und lasse die anderen 15 Wanderer!!! ein bisschen Vorsprung. Ich leiste also meinen Beitrag zur Entzerrung. 😉 Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich dem ein oder anderen nochmal begegnen werde.

 

Ein bisschen tut es mir schon leid, dass ich James, Romain, Dustin, Taylor, Matt und Kelsea schon wieder Good-bye sage. Auch Maël, Faustine und Daf sind nicht besonders weit, Hannes und Andi erst recht nicht. Schon jetzt fühlt es sich nach Abschieds-Tournee an. Die letzten 600 Kilometer stehen an, die ich entspannt in vier Wochen laufen kann. So langsam geht das Abenteuer zu Ende…aber noch gibt es ein paar tausend Schritte Abenteuer! 😉

 

 

 

 

5 Kommentare zu “19. Trail-Abschnitt: Vom Rangitata River / Bush Stream Carpark nach Lake Tekapo über die Two Thumb Range – Auf dem Dach des Te Araroa!

  1. Markus

    Gratuliere!

    Wenn du nicht nur im heißen Wasser entspannen möchtest, kannst du ja zur Sternwarte auf dem Berg gehen.

    Gute Erholung!

    1. Stef Autor des Beitrags

      Danke für den Tipp! Leider regnet es hier in einer Tour durch und der Himmel ist total bedeckt. Next time! 😉

  2. Rüdi

    Ja, kann ich empfehlen. Teurer Spaß, aber sehr informativ. Und du kannst deine Kamera mitnehmen und die montieren die auf einem Mitführstativ. Gibt nette Fotos.

    Im Moment ist noch kein Vollmond, da lohnt sich das auch noch eher!

    Versuch auch mal die Good shepherd-Kapelle bei Nacht. Mit viel Weitwinkel und ner großen Blende geht da vielleicht was!

    1. Stef Autor des Beitrags

      Ja, wäre schon geil! Die Motive von der Kapelle bei Nacht hängen hier auch in Cafés aus, schon echt schön! Nur leider regnerisch und bewölkt zur Zeit. Da spare ich mir die Kohle lieber für ein fettes Steak im MacKenzie! 😉

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