Hiking & Backpacking around the World

20. Trail-Abschnitt: Von Lake Tekapo nach Twizel – 14 Stunden, 66,6km…rekordverdĂ€chtig! 😉

Te Araroa Trail Total (TTT): 2.453 km 

 

Highlight:

Das GefĂŒhl von Stolz, Erlösung, GlĂŒck und Freude, als ich nach mehr als 66 Kilometern das Ortsschild von Twizel passierte

 

Beileid:

Da Schmerzen nunmal eingeplant waren, muss das Wetter herhalten! 😉 Bibbern pur am Anfang bei 3 Grad und (Eis-)Regen!

 

đŸ’ȘđŸŒ: 10/10

😄😐â˜č: 8/10

FĂŒr meinen Rekordversuch hatte ich mir einen ganz „besonderen“ Tag auserkoren: es sollte nĂ€mlich der kĂ€lteste Tag meines Trails werden! Aber immerhin weitestgehend trocken und irgendwann musste ich Lake Tekapo ja auch hinter mir lassen. Die Etappe nach Twizel war fĂŒr einen neuen Rekord wie geschaffen: keine steilen Auf- oder Abstiege und weitestgehend flach ĂŒber Asphalt, Kies, Steine und weichere Erde. Eine bessere Gelegenheit wĂŒrde nicht mehr kommen, da nehme ich auch Temperaturen von 3-4 Grad in Kauf. Es war verrĂŒckt: nur fĂŒr diesen Tag war ein regelrechter Temperaturausschlag nach unten angekĂŒndigt. Danach sollte es die nĂ€chsten Tage wieder stetig auf ĂŒber 20 Grad steigen. Optimal ist anders; andererseits geht’s auch schlimmer. 😉

Am Tag zuvor hatte ich meine Muskeln in den natĂŒrlichen Hot Pools von Lake Tekapo entspannt. Bei 39 Grad Wassertemperatur lösten sich auch hartnĂ€ckige Verspannungen, sodass ich meinen Ausflug dorthin schon verfluchte. Nur eine Stunde danach tat mir einfach alles weh! Aber das sollte sich rechtzeitig zum Start in meinen Rekordversuchstag legen…
Ein bisschen verrĂŒckt war es schon: Ich wollte meinen bisherigen Bestwert nicht nur um einen Schritt oder einen Kilometer, sondern gleich um 17 Kilometer ĂŒberbieten….von daher dĂŒrfte es auch ruhig richtig weh tun! 😉

Trail Day 88: Von Lake Tekapo nach Twizel (66,6 km)

4:30 Uhr:

Mein Wecker klingelt das erste Mal! Da ich mit 16-17 Stunden Wanderung rechne, will ich richtig frĂŒh starten. Aber es ist nicht nur saukalt, sondern es prasselt heftiger Regen auf mein Zelt. Direkt eiskalt und durchnĂ€sst zu starten kommt nicht in Frage! Ich stelle den Wecker erneut und schlafe weiter…

5:15 Uhr:

Mein Wecker klingelt erneut…und der Regen lĂ€sst nicht nach. Keine Lust aufzustehen!

6:00 Uhr:

Der dritte Versuch meines Weckers…es nieselt und ich stehe auf. Schnell noch einigermaßen das Handy in der KĂŒche des Camping-Platzes aufladen und frĂŒhstĂŒcken.

6:30 Uhr:

Finally on the road! Ich beginne meine Etappe, indem ich vom Holiday Park einen kurzen Anstieg durch hohes, nasses Gras zum State Highway 8 bewĂ€ltige. Ich habe meine Stirnlampe angeschaltet, damit ich nicht vom morgendlichen Verkehr umgenietet werde. Und ich trage bei 3 Grad drei Lagen Kleidung, u.a. meine lange ThermalunterwĂ€sche. So schnell kriegt mich die KĂ€lte nicht klein! 😉

7:05 Uhr:

Ich erreiche die Braemar Road, der ich nun 22 Kilometer folgen werde. Weniger Verkehr, mehr Kies. Die Stirnlampe bleibt noch an. Es herrscht weiterhin leichter Nieselregen bei 4 Grad.

7:15 Uhr:

Es wird so langsam hell…und gleichzeitig legt der Nieseleisregen eine Pause ein.

8:30 Uhr:

Der Horizont ist komplett wolkenverhangen und lĂ€sst nur selten Blicke auf schneebedeckte Gipfel in den WolkenlĂŒcken zu. Wahnsinn! Ich bin selber auf 800 Meter unterwegs und die Schneegrenze muss in dieser Nacht auf 1.000 bis 1.100 Meter gesunken sein. Stag Saddle und Beuzenberg Peak wĂ€ren bestimmt unpassierbar heute, GlĂŒck gehabt!

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8:45 Uhr:

Ich treffe ĂŒberraschend Inder Ananth und seinen Begleiter bei ihrem Camp. Zuletzt hatte ich ihn vor knapp 600 Kilometern vor den Richmond Ranges gesehen. Ich unterhalte mich kurz mit den beiden. Ananth hat ein paar Tage ausgelassen und ist heimlich an mir vorbeigefahren. Ich stelle alte VerhĂ€ltnisse her und gebe Hackengas. 😉

10:30 Uhr:

Nach 22 Kilometern feiere ich den Drittel-Meilenstein mit einem Drittel von meinem KitKat Double Choc…Motivation ist alles! 😉

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11:15 Uhr:

Ich erreiche das Ende der Braemar Road und damit das Ufer des tĂŒrkisen Lake Pukaki. Auf nur noch 550 Meter wird mir auch etwas wĂ€rmer. Ab sofort folge ich dem Alps2Ocean Cycleway um den See herum und dann weiter bis nach Twizel.

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12:00 Uhr:

Ich erreiche Punkt mittags die 30km-Marke und lege erstmal bei Sonnenschein eine Mittagspause ein. Damit reduziere ich gleichzeitig etwas Gewicht von meinem Rucksack, der heute mit zwei Litern Wasser und ein bisschen Proviant „nur“ um die 15 Kilogramm wiegen dĂŒrfte. Easy! 😉 In der Sonne sind es jetzt bestimmt 10 Grad und meine Thermals dĂŒrfen in den Rucksack.

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14:20 Uhr:

Kies nervt! Meine FĂŒĂŸe merken jeden Stein…und die HĂŒfte meldet sich auch zu Wort. 15 Kilo, doch nicht so easy. Anyway, happy pills keep me rollin‘! 😉

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14:40 Uhr:

Ich passiere meine persönliche 40km-Marke, weiter geht’s!

15:00 Uhr:

Die Kies- wird zur Asphalt-Straße, eine willkommene Abwechslung! Ich drossele mein Tempo etwas, weil ich Angst vor einer erneuten Schienbeinreizung habe. Ich horche einmal tief in meinen Körper hinein, aber da ist nicht das geringste Anzeichen fĂŒr eine fiese Verletzung…nur die erwarteten Schmerzen nach der Marathon-Distanz. Ich wandere weiter vorbei an der Pukaki Power Station.

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15:20 Uhr:

Halbe Stunde Pause! Sonne weg und eiskalter Wind…RĂŒckkehr des Liebestöters?

16:00 Uhr:

2/3-Belohnung mit dem KitKat Double Choc-MittelstĂŒck. „Nur“ noch 22 Kilometer und ich fĂŒhle mich erstaunlich gut. Vielleicht sollte ich noch weiter laufen…Spaß! 😉

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16:25 Uhr:

Ich wĂŒnsche mir gerade dringend jemanden herbei, mit dem ich den Schmerz teilen kann… James, MaĂ«l, John? Wo seid ihr?

16:35 Uhr:

Der Alps2Ocean Cycleway fĂŒhrt mich abseits der Straße entlang des Ufers vom Lake Pukaki. Ich entdecke mehrere tolle PlĂ€tze zum Zelten…aber ich hab noch was vor!

16:42 Uhr:

ZurĂŒck auf der Straße fĂ€hrt ein Tip Top Ice Truck an mir vorbei, die neuseelĂ€ndische Version von Langnese. Ich trĂ€ume von einer Badewanne mit 500 Liter Boisenberry-Eis, in die ich mich hineinlege, dabei Eis schlĂŒrfe und gleichzeitig heißgelaufenen Fußsohlen kĂŒhle. Ich glaube, ich brauche dringend eine Pause oder einen Snack, damit mein Gehirn wieder mit Glukose versorgt wird. 😉

17:05 Uhr:

Mal eben meine alte Rekordmarke bereits um fĂŒnf Uhr erreicht. Nach 50 Kilometern kann ich es ja jetzt etwas ruhiger angehen lassen, alles weitere ist Zubrot. Oder?

18:00 Uhr:

Nach 54 Kilometern lege ich eine weitere und hoffentlich letzte Pause bei der Pines Campsite ein. Eine super Location am Kopf des Sees, von der man einen super Ausblick hat (leider heute mit wolkenverhangenen Bergen!). Mir steigt Grillgeruch in die Nase und ich fantasiere ĂŒber Pizza oder Chinesisches Fast Food, das ich in Twizel essen könnte. Aber dafĂŒr wĂ€re ich bestimmt zu spĂ€t da, verdammt!

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18:40 Uhr:

Ich verabschiede mich von Lake Pukaki nach ca. 30 Kilometern entlang des Ufers und biege ab Richtung Twizel.

19:00 Uhr:

Ich erreiche das Pukaki Flats Reserve…nur noch einstellig (9 Kilometer) bis zum Ziel!

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19:20 Uhr:

Ich passiere die 60km-Marke fliegend! Anstatt mit der Dauer der Wanderung langsamer zu werden, packe ich nochmal eine Schippe drauf. Irgendwie hĂ€tte ich schon Lust auf ein leckeres Abendessen in einem Restaurant. Nur Cookies als Belohnung zum Abendessen hören sich jetzt nicht so sexy an! 😉

19:30 Uhr:

Okay, das tut jetzt richtig richtig weh!!! Der Pukaki Flats Reserve Track ist eine Mischung aus weicher Erde und gröberem Geröll…also zwischen Himmel und Hölle fĂŒr meine FĂŒĂŸe!

20:15 Uhr:

Ich lasse den Pukaki Flats Reserve Track hinter mir und erreiche den State Highway. Es dĂ€mmert! Nur noch ein Kilometer bis Twizel und nochmal 500 Meter ins Zentrum. Stirnlampe auf fĂŒr den Verkehr und Endspurt!

20:30 Uhr:

Ich passiere das Ortsschild von Twizel im Dunkeln. Jaaaaaaa!!! Fast da! Ich sehe mich schon mit warmem, richtig schön fettigem Futter und einem kĂŒhlen Bier diesen Tag abfeiern!

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20:35 Uhr:

Zentrum von Twizel! Nach 14 harten, intensiven Stunden habe ich es GESCHAFFT! 66,6 Kilometer, BÄÄÄM! 😉 Die anderthalb Stunden nicht mitgerechnet hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,3km/h, nicht so schlecht. Und das beste: da ich entgegen meiner SchĂ€tzung von 16-17 Stunden nur 14 Stunden benötigte, geht’s jetzt sofort weiter ins nĂ€chste Restaurant!

20:45 Uhr:

Ich belohne mich in der Ministry of Works Bar & Eatery mit Chicken Wings, Pommes und Cider, PROST!!! 😉

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So what’s next:

 

Ich gönne meiner geschundenen unteren KörperhĂ€lfte einen vollen entspannten Tag in Twizel. Danach fĂŒlle ich meine VorrĂ€te wieder mit prallen fĂŒnf Tagen Proviant auf und laufe 130 Kilometer ins schöne Wanaka, wo auch bereits meine Bounce Box mit neuen Schuhen auf mich wartet. Schade eigentlich, dass mein aktuelles Paar schon so gut wie auseinanderfĂ€llt! 😉 John hat mich außerdem zu seinen Verwandten kurz vor Wanaka eingeladen. Er ist nur einen Tag vor mir und ich wĂŒrde mich ĂŒber noch ein bisschen mehr Kiwi-Gastfreundschaft riesig freuen! Stay tuned!

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4 Kommentare zu “20. Trail-Abschnitt: Von Lake Tekapo nach Twizel – 14 Stunden, 66,6km…rekordverdĂ€chtig! 😉

    1. Stef Autor des Beitrags

      Duct tape is like the Force, it has a dark side, it has a light side, and it binds together the universe. 😉

  1. Juli

    Hey Stefan,
    Hatte gehofft, dich einzuholen um noch etwas „ĂŒber Gott und die Welt“ zu quatschen, aber bei diesen Laufzeiten… Unmöglich 😉 bin allerdings nach Wanaka voraus gefahren, meld dich wenn du hier aufschlĂ€gst und Lust auf einen Kaffee hast.
    Gutes Wandern! Juli

    1. Stef Autor des Beitrags

      Hey Juli, wollte morgen ins Cinema Paradiso. Hast du Lust mitzukommen? Meld dich einfach: 0273985849 (Tel/SMS/Whatsapp, das volle Programm)! 😉

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