The Te Araroa Trail

21. Trail-Abschnitt: Von Twizel nach Wanaka über den Breast Hill Track – Zwischen Trail Blues und Kiwi-Gastfreundschaft

Te Araroa Trail Total (TTT): 2.595 km 

 

Highlight:

Breast Hill Track…hört sich lustig an, war es auch. 😉 Und daneben eben noch grandios überragend beeindruckend!

 

Beileid:

Meine Schuhe fallen auseinander…aaahhh! Ansonsten war der Timaru Track echt zum Abgewöhnen!

 

💪🏼: 7/10

😄😐☹:8/10

Trail Day 89: Von Twizel zum Lake Middleton Campground (30 km)

Wie motiviert man sich nochmal nach einem besonderen Erlebnis wie Tongariro, Travers Saddle / Waiau Pass, den Richmond Ranges, Beuzenberg Peak oder eben 66,6 Kilometer an einem Tag? Richtig, man steht einfach auf und wandert weiter…bis es irgendwann wieder Click macht und die Begeisterung erneut einsetzt. 😉 Nicht jeder Tag ist hier das pure, bestaunenswerte Naturerlebnis oder geeignet für neue körperliche Herausforderungen. Das ist mir bewusst und trotzdem kam ich heute nur sehr schwer in die Gänge. Aber das ist okay so! 😉

In Twizel gönnte ich mir noch einen leckeren Cappuccino und einen heißen Steak Pie zum Frühstück im Café Hydro, lud noch mein neues Audiobook herunter und war um 11 Uhr wieder unterwegs auf dem Trail. Ein bisschen Wehmut war schon dabei, Twizel zu verlassen. Der Ortskern ist klein und gemütlich und ich verbrachte meinen gestrigen Ruhetag in richtig guten Cafés und Restaurants (Hydro für unglaublich leckere Burger und Shawty für eine fleischbeladene Pizza). Außerdem wurde es nur einen Tag nach den absoluten Tiefsttemperaturen wieder richtig warm und sonnig, sodass sich der Tag wie richtiger Urlaub anfühlte. Umso schwieriger ist es dann natürlich, den schweren Rucksack mit fünf Tagen Proviant aufzusetzen und wieder loszulaufen.

Ich verließ Twizel und lief zunächst neben dem State Highway acht für vier Kilometer nach Süden vorbei an einer Lachsfarm im Lake Ruataniwha und über einen Damm. Kurz danach bog ich auf die Kiesstraße Ohau River Road ab, der ich nun für mehrere Stunden folgen würde. Es war warm und sonnig und unterwegs traf ich eine nette Gruppe Kiwis mit ihren Fahrrädern, die mich auf den Te Araroa ausfragten. Ich wollte heute nur die flachen 30 Kilometer bis zum Middleton Campground laufen, daher war ich sehr entspannt unterwegs.

Als ich um halb zwei meine Mittagspause einlegen wollte, wurde ich sofort von zahlreichen aggressiven Sandflies attackiert. Ich lief etwas weiter und fand einen schattigen Platz abseits des Trails unter einem Baum, der nicht von fiesen Viechern verseucht war. In Twizel hatte ich am Morgen Ananth und seine zwei Mitwanderer Nick aus Slowenien und Clement aus Frankreich getroffen, die jetzt nacheinander an mir vorbeizogen. Ich gönnte mir noch ein bisschen Ruhe und schloss dann auf dem Trail schnell zu beiden letztgenannten auf.

Ich lief den größten Teil der verbleibenden 18 Kilometer mit den beiden zusammen. Nick hatte vor dem Trail zwei Wochen in einem buddhistischen Kloster in der Nähe von Auckland verbracht und das fand ich sehr interessant. Außerdem war er als Slowene total der Exot! 😉 Clement war bereits seit einem Jahr in Neuseeland und wir tauschten uns über seine Erfahrungen in Neuseeland aus. So wurde der Nachmittag richtig unterhaltsam und die Zeit auf dem Trail verging wie im Fluge.

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Die letzten neun Kilometer führten uns wieder über den Alps2Ocean Cycleway, diesmal entlang des Lake Ohau. Die beiden wurden nun etwas langsamer, während ich darauf brannte, für heute den Feierabend einzuläuten. Ich setzte mich ein wenig von beiden ab und gab nochmal mehr Gas, sodass ich um kurz nach 18 Uhr die Lake Middleton Campsite erreichte, wo bereits Ananth wartete.

Wir schlugen gemeinsam unser Camp auf, kochten und unterhielten uns noch eine Weile über die anstrengender werdenden nächsten Tage und hofften auf nicht allzu viel Regen, der die nächsten drei!!! Tage vorhergesagt war. Ich war ehrlich gesagt froh, als ich um 21 Uhr in meinem Zelt lag. Der Tag war weder lang noch anstrengend gewesen, doch meine Demotivation machte mir schwer zu schaffen. Aber nach einer guten Nachtruhe sieht es hoffentlich wieder anders aus…wenn es nicht gleich schon früh morgens kübelweise schüttet. 😉

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Trail Day 90: Ahuriri Track & River Crossing (34 km)

Als ich nachts um halb vier aufwache, regnet es bereits leicht. Mein Wecker klingelt um sieben Uhr und meine Motivation aufzustehen, sinkt komplett in den Keller. Bei rhythmischen Regenprasseln auf meinem Zelt versuche ich nochmal weiterzuschlafen, bevor mich die Geräusche der anderen endgültig zum Aufstehen auffordern. Keine Lust! Auf meiner Abschieds-Tournee durch den südlichen Süden kann sich das Wetter ruhig ein bisschen mehr Mühe geben. Die nächsten Tage sollte es auch noch so weitergehen und ich fragte mich, wie ich zwischendurch mein Zelt trocknen soll…

Die anderen brachen bereits auf, als ich noch beim Frühstück war. Meine Demotivation wirkte sich auch auf meine Geschwindigkeit beim Sachen zusammenpacken aus. Inzwischen hatte der Regen eine Pause eingelegt und ich blieb dabei zumindest trocken. Und hinter dem Lake Middleton hatte sich ein richtig schöner Regenbogen gebildet, der meine Laune etwas aufhellte. Zum Ahuriri Track waren es noch drei Kilometer auf der Straße, die ich immer noch relativ lustlos anging. Nur 20 Minuten unterwegs und es schauerte schon wieder.

image imageimage imageIch bog beim Glen Mary Ski Club von der Straße ab und ließ den Lake Ohau hinter mir. Von jetzt an ging es stetig bergauf, von 500 auf knapp über 1.300 Höhenmeter. Nach fünf Kilometern oben angekommen ging es auch gleich wieder leicht bergab. Hier folgte ich über insgesamt 17 Kilometer dem East Ahuriri River, ein Nebenfluss zum wesentlich größeren Bruder Ahuriri, den ich später überqueren musste…wenn es der Regen denn zuließ. Über Stunden wechselten sich trockene Phasen mit leichten Regenschauern ab, hin und wieder kam sogar die Sonne raus. In einer dieser Trockenpausen ließ ich auch notdürftig mein Zelt trocknen.

Meine Füße blieben natürlich auch nicht trocken. Im Verlauf des Trails musste ich einige Male den East Ahuriri durchwaten und zwischendurch stapfte ich durch sumpfigen Boden. So langsam aber sicher geben meine Schuhe den Geist auf, die Fersenpolsterung wird nur noch von Tape zusammengehalten. Noch drei Tage müssen sie überleben, dann können die Treter in den wohlverdienten Ruhestand. 😉

image image image image image image image image image image imageKurz nach sechs Uhr erreichte ich den Ahuriri River. Die Landschaft war zum ersten Mal an diesem Tag richtig beeindruckend! Der Ahuriri zieht in einer tiefen Schneise durch das Tal und an beiden Seiten des Flusses ragten hohe Abhänge empor. Ich kletterte an meiner Seite hinunter, während ich schonmal aus der Vogelperspektive überlegte, an welcher Stelle ich den Fluss überqueren sollte. Der Ahuriri River ist der größte Fluss auf dem Te Araroa, der überquert werden muss. Rakaia und Rangitata sind ja offizielle Hazard Zones und gehören damit nicht zum Trail (obwohl man quasi reinstolpert 😉). Ich hatte Respekt; seit meiner etwas leichtfertigen Überquerung des Rakaia konnte ich ein unruhiges Gefühl im Magen nicht unterdrücken.

Immerhin hatte ich hier den Vorteil, mir von oben bereits eine Route zurecht zu legen. Etwas weiter flussabwärts teilte sich der Fluss vorübergehend in zwei Ströme. Das sah eigentlich ganz gut aus! Ich stieg hinunter und checkte den Fluss direkt vor mir. Hier wäre eine Überquerung auf keinen Fall möglich! Durch den Regen der letzten Nacht und während des Tages war der Ahuriri richtig schnell und milchig. Wie beim Rakaia konnte man nicht sehen, wie tief der Fluss ist oder wohin man den nächsten Schritt setzt. Anyway, ich verstaute sicherheitshalber Handy, Powerbank und Stirnlampe wasserdicht im inneren meines Rucksacks und lief weiter flussabwärts. Meine Bail-out-Option wäre eine Brücke fünf Kilometer ebenso weiter flussabwärts…was einen Umweg von zehn Kilometern bedeutet hätte und den ich gerne vermeiden wollte.

Die Vogelperspektive erwies sich als Glücksbringer! Ich erwischte insgesamt drei sehr gute Stellen zur Flussüberquerung und arbeitete mich so stückchenweise von Flussbank zu Flussbank vor. Die Strömung war zwar sehr stark, aber das Wasser reichte mir höchstens bis zu zehn Zentimeter über die Knie. Erfahrungsgemäß wird es ab der Hüfte unmöglich, gegen die Strömung anzukommen. Diesmal war ich glücklicherweise weit davon entfernt, mitgerissen zu werden. Eine Schrecksekunde musste ich allerdings überstehen, als ich auf einem glatten Stein ausrutschte und beinahe in der Strömung meine Balance verlor. Aber ich fing mich rechtzeitig und erreichte mit trockenem Oberkörper und Equipment das andere Ufer.

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Von hier aus wanderte ich weitere fünf Kilometer, bevor ich kurz vor Dunkelheit mein Lager aufschlug. Inzwischen wird es auch abends früher dunkel (und morgens später hell), sodass leider weniger vom Tag fürs Wandern bleibt. Aus Mangel an Alternativen schlug ich mein Zelt umzingelt von Kuhscheiße auf. Immerhin hatte ich eine Stelle gefunden, die ein paar Quadratmeter keine dieser fiesen Tretminen aufbot. Die letzten Kilometer waren ein einziger Slalomlauf um Kuhfladen gewesen und ich hatte eigentlich gehofft, die Weiden noch an diesem Tag hinter mir zu lassen. Das hätte bestimmt auch funktioniert, wenn ich nicht zwischendurch falsch gelaufen wäre. Anyway, so nahm ich mit meinem relativ Fäkalien-armen Camp vorlieb. 😉
Ich fragte mich, wo Ananth, Nick und Clement geblieben waren. Eigentlich wollten sie kurz nach dem Ahuriri campen und ich hätte sie passieren müssen. Aber vielleicht waren sie noch ein Stück weiter gelaufen…oder hatten sich den Fluss nicht zugetraut und nahmen lieber den Umweg über die Brücke. Naja, ich denke ich werde es morgen herausfinden.

image imageTrail Day 91: Timaru Creek Track bis Stodys Hut (33 km)

Ich wachte rechtzeitig auf, um so eben die letzten Sekunden eines schönen Sonnenaufgangs mitzuerleben. In der Nacht hatte sich die dichte Wolkendecke etwas gelichtet und es war sogar trocken geblieben. Ich nahm mir vor, in nächster Zeit früher aufzustehen und solche Momente noch möglichst oft mitzunehmen, bevor ich den Trail beende. Ich packte schnell zusammen, bevor es nachher noch wieder anfing zu regnen. Was gar nicht so einfach war bei dem Minenfeld aus Kuhscheiße. 😉

Auch die ersten fünf Kilometer boten keinen erfreulicheren Anblick. Es war mehr oder weniger ein Slalomlauf um alle möglichen Formen von Exkrementen. Das lenkte mich leider stark von der Schönheit des Tals ab, in dem ich wanderte. Es wurde aber wesentlich besser, sobald ich den immer steiler werdenden Trail zum Mount Martha Saddle auf über 1.600 Höhenmeter hinaufstieg.
Von dort führte der Trail wieder hinunter zur Top Timaru Creek Hut auf 900 Meter, wo ich erstmal eine verspätete Mittagspause einlegte. Ich war heute wieder nicht in besonders guter körperlicher Verfassung, was ich spätestens auf dem nächsten Abschnitt zu spüren bekommen sollte. Entlang des Timaru River musste ich nämlich (teilweise total hirnrissige) extrem steile Auf- und Abstiege bewältigen. Besonders bei den Abstiegen zitterten mir vor Anstrengung beide Knie. Ich war müde, erschöpft, genervt, ungeduldig…und legte mich auch aufgrund des rutschigen Laubs oder der glatten Felsen bestimmt drei Mal auf die Schnauze. Passiert war mir dabei nichts…außer dass ich diesen Abschnitt des Trails noch mehr hasste. 😉 Der Trail war oft nur zentimeterbreit schräg in die Abhänge gegraben. Ich lief den überwiegenden Teil am linken Ufer, sodass ich insbesondere meinen linken Fuß schräg aufsetzen musste. Nach einigen Kilometern tat die unnatürliche Belastung richtig weh! Besser ich wäre einfach dem Flussbett gefolgt!

image image image image image image image image image image image image image image imageBisher hatte ich an diesem Tag keine Menschenseele gesehen. Die einzigen Lebewesen an diesem Tag waren ein paar scheue Hasen und natürlich dreiste Sandflies. Um fünf Uhr kamen mir dann drei junge Jäger entgegen, die es noch vor Einbruch der Dunkelheit bis zur Top Timaru Creek Hut schaffen wollten. Könnte knapp werden, aber sie hatten auch Zelte und Stirnlampen dabei.

Ich selber folgte noch zwei weitere Stunden dem Top Timaru Creek Track, bis ich den Aufstieg zur Stodys Hut erreichte. Und damit kam jetzt erst der Höhepunkt des Tages! Bis zur Stodys Hut waren es nur noch zweieinhalb Kilometer. Und damit eigentlich eine lächerlich kurze Distanz…wenn diese zweieinhalb Kilometer nicht eine der härtesten Erfahrungen auf dem TA für mich darstellen sollten! Es war einfach nur absurd steil! Ich fühlte mich an den Hügel vor Havelock zurückerinnert, der mich sozusagen in die tiefschwarzen Sphären der Südinsel einweihte. Aber wenn dieser Havelock-Hügel Darrh Vader war, war dieser Aufstieg der Imperator! Zu allem Überfluss wurde es auch noch dunkel und selbst mit meiner Stirnlampe konnte ich kaum den nächsten Trail-Marker am Abhang finden. Ich benötigte einfach ewig für den Aufstieg. Aber vielleicht war ich auch einfach nur müde; solch ein Aufstieg am Ende eines bereits sehr langen Tages war vielleicht auch ein wenig überambitioniert.

Durchgeschwitzt und mental überfordert erreichte ich schließlich die kleine, rustikale Stodys Hut. In der Hütte hatten sich bereits drei andere Wanderer breit gemacht, die außerdem schon versuchten zu schlafen (um halb neun?!). Ich entschied mich spontan, draußen zu campen. Keine Lust den bad guy zu spielen, der noch lautstark in seinem Rucksack herumkramt, sein Bett fertig macht und sein Abendessen kocht. Es war einfach nur das passende Ende zu einem weiteren launischen Tag in Mittelerde! 😉 Morgen wird besser (kann ja fast nur)!

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Ananth, Clement und Nick hatten übrigens offensichtlich wirklich vorlieb mit der Brücke, um den Ahuriri River nicht durchqueren zu müssen. Ich vermutete, sie hatten es dann heute zur Top Timaru Creek Hut geschafft und waren somit bereits einen halben Tag hinter mir. Aber da ich einen kleinen Boxenstopp bei John und seiner Familie in Albert Town einlege, werde ich die Jungs bestimmt schon einen Tag später in Wanaka wiedersehen.

Trail Day 92: Breast Hill Track bis Lake Hawea (22 km)

Was für ein toller Tag! Es ist schon beeindruckend, wie Neuseeland oder der Trail es immer wieder schaffen, mich aus einer kurzen demotivierten Phase herauszuholen! Diesmal war es der Breast Hill Track und Lake Hawea, die mich meine schlechte Laune und Erschöpfung der letzten Tage vergessen ließen. Entspannung, Pizza und Bier hatten allerdings auch ihren Anteil daran… 😉

Ich begann den Tag super relaxed mit einem späten Start um 10 Uhr. Da waren die anderen drei Wanderer aus der Hütte schon mindestens zwei Stunden weg; ich hatte sie um 7 Uhr kurz gehört, bin dann aber wieder tief eingeschlafen. Nach dem sehr anstrengenden gestrigen Tag hatte ich bereits meinen Plan geändert: anstatt 34 Kilometer bis zu John nach Alberttown zu rennen, wollte ich „nur“ 22 Kilometer bis nach Hawea zurücklegen. Und meinem geschundenen Körper noch mehr Ruhe gönnen! 😉

Ich machte mir einen Kaffee, stretchte mich dabei ausgiebig und packte dann in Ruhe meine Sachen zusammen. Entgegen der Wettervorhersage hatte es wieder nicht geregnet; so konnte es weitergehen! Ich verarztete erneut meine Schuhe, die an der Ferse immer mehr auseinanderfielen…und seit gestern auch noch das ein oder andere Loch im Mesh weiter vorn aufwiesen. Nur noch 50 Kilometer bis Wanaka und neuen Schuhen!

Auch wenn es ein „kurzer“ Tag werden sollte, war er nicht einfach. Das heutige Höhenprofil sah vereinfach! ungefähr so aus: Start bei 1.000 Metern, hinauf auf den Breast Hill auf 1.578 Meter, hinunter zum Lake Hawea auf 380 Meter. Und dazwischen eben noch einige Auf und Abs, sodass es bestimmt an die 2.000 Höhenmeter zu bewältigen gab. Dazu gab es weiter oben die volle Breitseite Wind und vormittags war es eisig kalt. Dennoch, der lange Schlaf und der regenwolkenlose Himmel hatten mir neue Motivation und Kraft gegeben, sodass ich den Gipfel des Breast Hill bereits um halb eins erreichte.

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Der Weg dorthin war schon alles andere als TA-Alltag, aber der Ausblick vom Gipfel toppte nochmal alles! Definitiv unter meinen persönlichen Te Araroa Top 10 und da ist es inzwischen schon sehr schwierig geworden reinzukommen. Wie schon zuletzt auf dem Beuzenberg Peak legte ich hier eine lange Mittagspause ein und unterhielt mich etwas mit einem englisch-finnischem Pärchen, das aber nicht lange blieb. So hatte ich den Gipfel und die tolle Aussicht auf den Lake Hawea und die umliegende Landschaft ganz für mich allein. Die Hügelkette sah richtig dramatisch aus, mit großen Felsformationen, die ins Nichts hinausragten. In weiterer Entfernung konnte ich bereits Wanaka sehen und natürlich etwas näher das kleine Dörfchen Hawea direkt am Ufer des Sees. Die Wolkendecke blieb relativ dicht, ließ aber immer wieder ein paar Sonnenstrahlen durch. So war es einfach nur perfekt, weil ich mit echt miesem Wetter gerechnet hatte. Einfach ein toller Flecken Erde! 😉

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Jetzt gab es nur noch das übliche Problem nach einer Gipfelbesteigung: ich musste auch wieder hinunterklettern. Innerhalb der ersten zwei Kilometer ging es moderate 200 Höhenmeter hinunter; auf den nächsten vier Kilometern waren es dramatische 1.000 Höhenmeter. Manchmal glaube ich, mein Körper checkt einfach, dass er Schmerzimpulse für bestimmte Körperregionen unterdrücken soll. In diesem Fall meldeten sich gleich auf dem ersten Kilometer meine Knie, die bereits am gestrigen Tag stark beansprucht wurden und schmerzten. Aber nach einigen weiteren Metern gab es keinen Alarm mehr; mein Körper ließ mich gewähren, weil er wahrscheinlich wusste, dass es keinen anderen Ausweg aus dieser Nummer gab. 😉

image image image image image imageUm kurz vor vier Uhr stand ich bereits auf der Straße, die sich um den Lake Hawea herumschlängelte. Jetzt waren es nur noch sieben Kilometer bis Feierabend, die ich motiviert anging. Der Gladstone Track führte mich entlang des Seeufers direkt nach Hawea. Und dort angekommen suchte ich direkt das Sailz auf…General Store, Bar und Restaurant in einem. Die Kellnerinnen waren einfach nur mega freundlich und fragten mich über meine Wanderung aus. Und während ich meine mit Fleischbergen belegte Pizza und ein leckeres Lager genoss, gaben sie mir noch den Tipp, mein Zelt beim hiesigen Hotel aufzuschlagen. Für 10 Dollar könnte ich dort zelten, das Wifi des Hotels nutzen und natürlich die Facilities benutzen. Ich trug mich noch in das Te Araroa-Gästebuch ein und machte mich auf dem Weg zum Hotel, wo ich ebenso super freundlich empfangen wurde.

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Es war mal wieder einer dieser magischen Tage, bei dem alles passte: super nette Menschen und herausragende Natur bei trockenem Wetter. Und Pizza! Und Bier! Life is good! 😉

Trail Day 93: Hawea bis Wanaka (25 km)

Der letzte Tag einer längeren Etappe hat immer etwas von nach Hause kommen. Man weiß, spätestens am Abend wartet eine warme Dusche und etwas anderes als der übliche Trail-Fraß. 😉

Dazu hatte ich heute noch etwas ganz Besonderes auf der Agenda: John lud mich zu seiner Familie ein. Seine Tante und Onkel wohnen direkt in der Mitte zwischen Hawea und meinem Ziel Wanaka in Albert Town. Perfektes Ziel für eine Mittagspause inmitten von toller Kiwi-Gastfreundlichkeit. 😉 John selber hatte das gleiche Schicksal wie mich auf der Nordinsel ereilt: eine fiese Schienbeinreizung setzt ihn erstmal hoffentlich nur für ein paar Tage außer Gefecht.
Ich startete wieder super entspannt in den Tag. Heute waren es nur flache bis ins 26 Kilometer entfernte Wanaka. Außerdem hatte ich in der Nacht nur sehr schlecht in den Schlaf gefunden, so dass ich einige Zeit morgens dranhängte. Kein Stress, um 10:30 Uhr war ich auf dem Hawea River Track unterwegs Richtung John und Bier. 😉

Der Tag war herrlich mit Sonnenschein und Wärme, so ganz anders als die letzten kühleren und teils nassen Tage. Das tat richtig gut und ich genoss die einfache Wanderung entlang des Flusses sehr. Um 13 Uhr erreichte ich bereits Albert Town und folgte Johns Anweisungen zum Haus seiner Tante und seines Onkels.

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Dort wurde ich nicht nur von John, sondern auch seinen Eltern herzlich empfangen. Das Haus hatte einen tollen großen Balkon. Wir machten es uns bei Sonne, Bier und Meat Balls gemütlich, tauschten Stories aus und ließen es uns einfach gutgehen. Insgesamt blieb ich drei Stunden, bevor ich um vier Uhr die restlichen zwölf Kilometer des Tages anging. Ich werde diese Herzlichkeit und überragende Gastfreundschaft der Kiwis bestimmt sehr vermissen. Ein bisschen Wehmut klingt inzwischen bei fast jedem Gespräch mit anderen TA-Wanderern mit: nicht mehr lang und das große Abenteuer ist vorbei!

Von Albert Town aus folgte ich zunächst einem Mountainbike-Track entlang des Clutha River, um dann Strände und Villen am Ufer des Lake Wanaka zu bestaunen. Am Strand von Beacon Point legte ich eine längere Pause ein, genoss die Wärme und den Ausblick auf den See, die Berge…und einige Flugübungen der Wanaka Warbirds. Am Wochenende sollte im Ort die landesweit berühmte Flug-Show „Warbirds over Wanaka“ stattfinden. Und einige dieser alten Militärflugzeuge zogen bereits ihre Kreise und übten Formationen. Ein toller Anblick!

Ich riss mich los und wanderte den Rest des Weges hinein nach Wanaka. Mir hatten bereits mehrere Leute von dieser kleinen Stadt vorgeschwärmt und bisher konnte ich diesen Eindruck nur bestätigen. Wanaka lag malerisch an einem See umgeben von hoch aufragenden Gipfeln. Und der Ort selber wirkte sehr gemütlich mit zahlreichen kleinen Kaffees und Restaurants. Hier könnte ich mich bestimmt wohlfühlen bei meiner Trail-Pause. 😉

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So what’s next:

 

Ich chille zwei volle Tage in Wanaka und kümmere mich um ein paar organisatorische Dinge in Deutschland…ein klares Zeichen, dass der Trail gnadenlos dem Ende zusteuert. Knappe 400 Kilometer sind noch zu bewältigen, die ich mit gemischten Gefühlen angehe. Ich würde in Wanaka gerne meinen nächsten Side Trip auf den Roys Peak machen, allerdings ist gerade für meine zwei Tage miserables Wetter vorhergesagt. Also mal schauen! Vielleicht baue ich ihn auch einfach in keinen TA-Trail mit ein, wenn ich am Freitag weiterlaufe. Bei der Gelegenheit kann ich vielleicht auch gleich einige Kriegsvögel beobachten. 😉 Danach geht’s weiter nach Queenstown, vielleicht die hippste (und touristischste) Stadt Neuseelands. Ich lasse mir dazu vier bis fünf Tage Zeit, damit ich dort nicht in das totale Oster-Mayhem hineinlaufe. Stay tuned, bleibt spannend! 😉

5 Kommentare zu “21. Trail-Abschnitt: Von Twizel nach Wanaka über den Breast Hill Track – Zwischen Trail Blues und Kiwi-Gastfreundschaft

  1. Annette Gutfreund - Schäfer

    Hallo Stef
    Bin seit ca. 2500 km dir auf den Fersen und absoluter Blog – Fan !!! Vielen Dank für die tollen Eindrücke und Momente auf deinem
    Te Araroa Trail. Wünsche dir ein spannendes Finale und eine gute Zeit. Hoffe du hast endlich neue Schuhe 😀.
    Liebe Grüße aus dem Odenwald
    Annette Gutfreund – Schäfer ( ma von Hannes )
    😀😀

    1. Stef Autor des Beitrags

      Hi Annette! Ja, die Schuhe sind inzwischen ausgetauscht. Ich will den Sohnemann ja eigentlich gerne noch einholen, aber der ist mir zu fix! 😉 Danke für die liebe Nachricht!

  2. Rüdi

    Hi Stef, mal wieder danke für Text und Fotos, dieser Eintrag hat etwas andere Abwechslung in einen Tag im Krankenhaus gebracht. Es grüßen neben mir noch Regina und (neu und Grund für den normalen Aufenthalt hier): Liona.

    P.S.: Wanaka fand ich auch nice, Queenstown etwas abgedreht, aber auch sehenswert. Freu mich schon auf ein Wiedersehen in GER.

    1. Stef Autor des Beitrags

      Whaaaat?! Allerherzlichsten Glückwunsch und liebste Grüße an Regina und Liona! 😉 Damit hast du ja jetzt das viel größere Abenteuer anstehen! Kurze Frage: als du mich gefragt hast, ob ich mit der Südinsel nicht auf dich warten könne…was hättest du gemacht, wenn ich ja gesagt hätte?! 😉

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