The Te Araroa Trail

24. Trail-Abschnitt: Von Te Anau nach Colac Bay durch Takitimu und Longwood Forest – Finding your flow in chaos…

Te Araroa Trail Total (TTT): 2.929 km 

 

Highlight:

Wo soll ich anfangen?! Chinesische Hilfsbereitschaft, tolle Sonnenauf- und -untergänge, Spaß im Matsch-Chaos, das Revival meines Handys, Chillen in der letzten Hütte meines Trails, das eigene Queensize-Bett für 25 Dollar und und und… 😉

 

Beileid:

No idea!

 

💪🏼: 8/10

😄😐☹: 8/10

Trail Day 103: Von Te Anau zur Aparima Hut (Hitch 30 km; Hike 23 km) 

Nach dem gestrigen Handyschock verbrachte ich eine kurze, unruhige Nacht im YHA. Um drei Uhr nachts wachte ich auf und konnte einfach nicht mehr einschlafen, weil mir zu viele Dinge durch den Kopf gingen: Wie würde ich jetzt Fotos machen auf dem Trail? Ich würde meine Kamera irgendwo griffbereit verstauen. Wie würde ich auf dem Trail navigieren? Ab sofort mit ausgedruckten Karten…und ich nutzte das schnelle Internet in der Nacht zum Download meiner GPS-App, der topografischen Karten sowie für den Import der Trail-Route auf meinem iPad. So könnte ich zumindest im Notfall checken, wo ich mich genau befand. Wie sollte ich mich ohne Podcasts oder Musik auf dem Trail allein beschäftigen bzw. ablenken? Ganz einfach, ich lud meine Lieblings-Podcasts ebenso alle auf das iPad. Auch wenn ich weiterhin nur sporadisch schlummerte und am Morgen echt gerädert war, so hatte die kurze Nacht auch etwas Gutes! 😉

Ich war auf jeden Fall positiv gestimmt für den Trail und meine (vermutlich) letzten sieben Tage…
Zunächst musste ich aber erstmal überhaupt wieder zurück auf den Trail kommen. Um kurz nach zehn Uhr verließ ich nach Matt und Kelsea das YHA und lief zehn Minuten zu einer strategisch guten Stelle. Seltsamerweise waren die beiden hier nicht zu sehen, also standen sie wahrscheinlich woanders. Verdammt! Ich hatte auf Kelseas Frauenbonus spekuliert und hätte bestimmt Trittbrettfahrer spielen können. 😉 Anyway, so musste ich mich selber drum kümmern…und hatte bereits nach nur fünf Minuten Glück! Zwei chinesische junge Pärchen waren auf dem Weg nach Queenstown und könnten mich unterwegs absetzen. Perfekt!

Auf dem Weg zurück zur Princhester Road, wo mich gestern erst Neill und seine Thai-Frau aufgelesen hatten, hatte ich einen super netten Austausch mit den jungen Chinesen. Wir verstanden uns so gut und waren so vertieft im Gespräch, dass wir sogar an meinem Drop-off vorbeifuhren und umdrehen mussten. Ich hatte nicht nur innerhalb einer Rekordzeit eine Mitfahrgelegenheit bekommen, sondern die halbstündige Fahrt war auch noch richtig unterhaltsam. Besser konnte der Tag gar nicht beginnen!

Um 11 Uhr verabschiedete ich mich von den liebenswerten Chinesen (nicht ohne dass ich nochmal heimlich fotografiert wurde… 😉) und wanderte bei herrlich klarem Himmel zunächst eine Kiesstraße in Richtung der Takitimu Range, die sich in sechs Kilometern vor mir erhob. Auf dem Weg dorthin und zur ersten Hütte, der Lower Princhester Hut, gab es allerdings ein Hindernis: mitten auf der Straße stand ein mächtiger Bulle und wartete auf mich. Sein Kollege sah mich zuerst und bewegte sich ebenso in meine Richtung, musste allerdings hinter seinem Zaun Halt machen. Und auf der anderen Straßenseite schaute sich eine ganze Kuhherde dieses Schauspiel gespannt an. Ich näherte mich etwas zögerlich, legte dann aber einen selbstbewussten Gang zu…nicht dass der Bulle noch meine Nervosität (= Schiss) schnupperte. Ich machte so gut es ging einen Bogen um die massige Gestalt und war schnell vorbei, ohne dass der Bulle großes Interesse für mich heuchelte…vielleicht war ich ihm einfach zu mager nach viereinhalb Monaten Wanderei. 😉

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An der Lower Princhester Hut legte ich eine Mittagspause ein und begann dann den schwierigeren Teil des Tages: die 17 Kilometer zur Aparima Hut. Und die Wanderung dorthin stand ganz unter dem Motto „Back to the roots“. Die steilen Auf- und Abstiege, der fiese Schlamm überall und der verwurzelte Waldweg erinnerten mich stark an den Raetea Forest in Northland, den ich an meinem sechsten Tag auf dem Trail durchquert hatte. Unglaublich lange her, aber unvergesslich….wie das eben so ist bei Traumata! 😉 Am heutigen Tag war es allerdings nicht nur reiner Wald, sondern ich durchquerte immer wieder ebene Sumpfpassagen mit hohem Gras und extrem nassem und schlammigem Boden. Mehrmals rutschte ich aus und sammelte einige Punkte für perfekte Arschlandungen. Einmal übersah ich durch das hohe Gras eine Wurzel, stolperte, machte einen großen Ausfallschritt in die nächste Schlammpfütze, rutschte weiter in einen fiesen Busch mit harten Ästen und legte mir zwei rote, blutige Striemen an meinem Oberschenkel zu. Ich würde das später verarzten müssen.

Nach fünf Stunden Schlammplanscherei und einigen Stürzen erreichte ich um 18 Uhr die Aparima Hut. Nach der Zeitumstellung in der vorletzten Nacht wird es bereits um sieben Uhr dunkel, von daher war ich froh im Trockenen und Warmen angekommen zu sein. Aber wann würden die anderen fünf hier eintreffen? Ich machte mir vor allem Gedanken um Kelsea; das heutige Terrain würde ihrem ohnehin schon verletzten Fuß nicht gerade entgegen kommen. Ich vertrieb mir die Wartezeit, indem ich mich mit Clementine unterhielt (ebenso TA-Hiker) und zumindest oberflächlich meine Socken, Schuhe und Beine wusch. Da würde morgen noch einiges an neuem Schlamm hinzukommen.

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Nach einer Stunde kam Sparky an, gerade noch rechtzeitig vor der Dunkelheit..aber wo blieben die anderen? Um acht Uhr trudelte Toolbox mit aufgesetzter Stirnlampe ein, glücklich es noch geschafft zu haben. Matt, Kelsea und Kat würden die eiskalte Nacht wohl draußen verbringen, denn stundenlang durch die Dunkelheit wandern war einfach nicht drin bei diesem Terrain… Wir entschieden uns, morgen früh auf die drei anderen in der Hütte zu warten und dann gemeinsam die weiteren Schlammplanung vorzunehmen. 😉

Trail Day 104: Von der Aparima Hut bis zu den Telford Tops (20 km)

Dieser Tag war etwas Besonderes! Ich schreibe über den heutigen Tag kurz nach dem höchsten Punkt des Takitimu Forest Trails, wo Matt, Kelsea, Sparky, Toolbox und ich unser Freedom Camp aufgeschlagen haben. Auf dem Grat könnten wir noch vor fast zwei Stunden einen wahnsinnig schönen Sonnenuntergang beobachten…und entschieden uns spontan, auch dem morgigen Sonnenaufgang eine Chance zu geben. 😉 Doch wie immer: von Anfang an!

Matt, Kelsea und Kat kamen erst um halb elf bei uns in der Aparima Hut an. Sparky, Toolbox und ich hatten also ausreichend Schlaf getankt, chillten den Rest der Zeit und schlossen Wetten ab, wann die anderen aufkreuzen würden. Kat hatte Probleme mit ihrer Knieverletzung auf dem matschigen und sumpfigen Boden und musste deshalb auch extrem vorsichtig sein. Die drei zelteten in gut neun Kilometer Entfernung von unserer Hütte letzte Nacht…und freuten sich nun, dass wir auf sie gewartet hatten. Kurz nach ihnen kamen zwei Jäger hinzu, die ihre Hirschtrophäen auf ihren Rucksäcken festgebunden hatten. Ein seltsamer Anblick, ein Rucksack mit Geweih! 😉 Beide trugen das Fleisch gut verpackt in ihren Rucksäcken, insgesamt ein Gewicht von 30 Kilogramm je Rucksack…nicht gerade ultraleicht!

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Nach elf Uhr machten wir uns alle als Einzelkämpfer wieder auf den Weg; wir würden uns dann entweder zwischendurch auf dem Trail oder spätestens nach 13 Kilometern an der Wairaki Hut wiedertreffen. Ich machte den Anfang und watete zunächst wieder durch matschige Buschlandschaft. Danach ging es schnell in den ersten Waldabschnitt. Im Laufe des Tages würde es immer wieder auf und ab durch die unterschiedlichsten Wälder gehen; innerhalb von Minuten konnte sich die Vegetation hier ändern und auf einmal war alles grün und moosbewachsen oder braun und schlammig.

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Es war relativ kühl im Wald mit hoher Luftfeuchtigkeit (oder ich schwitzte heute einfach übernatürlich viel), aber wenigstens regnete es nicht. Ich genoss die Wanderung sehr, in Wäldern fühle ich mich immer sehr wohl! Nach vier Stunden erreichte ich die kleine Wairaki Hut mit vier Betten, wo mich Clementine freudig begrüßte. Sie war bereits am frühen Morgen von der Aparima Hut aufgebrochen und würde heute in der Wairaki Hut schlafen, da es ihr inzwischen zu kalt zum Zelten war. Kurz nach mir trudelten nacheinander auch alle anderen außer Kat ein und wir wollten auf jeden Fall noch weiter zur nächsten Campsite in acht Kilometer Entfernung. Ein bisschen Verwirrung stiftete das offizielle DOC-Schild, das bis zur Telford Campsite auf einmal neun Kilometer auswies und dafür sechs!!! Stunden veranschlagte. In ca. drei Stunden würde es dunkel werden, von daher diskutierten wir eine Weile…und kamen zu dem Schluss, dass das Schild großer Bullshit sei. 😉

Nach einer längeren Verschnaufpause und Futtervernichtung waren wir um kurz nach 16 Uhr wieder auf dem Trail. Kat traf nicht mehr rechtzeitig vorher ein und wir nahmen an, dass sie heute Nacht Clementine in ihrer gemütlichen Hütte Gesellschaft leisten würde. Der nächste Abschnitt führte uns über 500 Höhenmeter hinauf auf die Telford Tops, u.a. über den höchsten Punkt des Te Araroa Trails durch den Takitimu Forest.

Wir legten uns mächtig ins Zeug, denn keiner von uns hatte Lust nachher bei Dunkelheit durch den Wald zu stolpern oder einen steilen Abstieg hinunter zu klettern. Und so standen wir innerhalb von anderthalb Stunden auf über 1.000 Meter und staunten über eine tolle Aussicht bis zum Meer. In weiter Entfernung konnten wir sogar Bluff, Invercargill und Stewart Island erkennen. Ein Tornado an Gefühlen wirbelte in mir bei diesem Anblick! Zunächst genoss ich den schönen Moment mit den anderen, aber gleichzeitig kam auch etwas Wehmut auf. Das Ende des Trails lag so nah! So ganz begreifen konnte ich es nicht.

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Wir wanderten weiter über den Grat der Telford Tops und erlebten einen wunderschönen Sonnenuntergang. Bis zur Campsite wäre es jetzt nur noch ein weiterer Kilometer wieder hinunter auf 400 Meter. Stattdessen entschieden wir uns einstimmig, die Nacht in luftiger und eisig kalter Höhe zu verbringen. Genug Wasser hatten wir dabei und hier oben war es einfach zu schön, um die Nacht nur einen Kilometer weiter im Tal zu verbringen.

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Zum Abendessen saß ich noch mit Matt und Kelsea zusammen und wir unterhielten uns lange über den Trail und andere Themen. Ich genieße die Zeit mit den beiden sehr und bin froh, auf den letzten Trail-Tagen Zeit mit ihnen verbringen zu können. Überhaupt ist die gesamte Gruppe immer happy und sehr positiv, während gerade in letzter Zeit immer mehr Wanderer sich über die Tracks beschweren und den Trail einfach nur so schnell wie möglich beenden wollen. Da tut es gut, so tolle positive Menschen um sich versammelt zu haben, die mit diesem Negativ-Bashing nichts anfangen und jeden Tag aufs neue genießen können!

Trail Day 105: Von den Telford Tops zur Merrivale Road (50 km)

Die Natur haut einen raus! Nach dem überragenden Sonnenuntergang und dem tollen Sternenhimmel, erwartete uns mit einem intensiven Sonnenaufgang das nächste Highlight nur einen Augenblick später. Besser konnte der Tag nicht beginnen!

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Gebannt starrten wir auf den Horizont, während wir bereits erste Vorkehrungen für den Wandertag trafen, frühstückten und unsere Sachen peu à peu zusammenpackten. Sparky und Toolbox waren mal wieder die schnellsten und als erste unterwegs. Ich quatschte noch etwas mit Matt und Kelsea, brach dann aber auch auf und machte mich um halb acht an den Abstieg von den Telford Tops zur einen Kilometer entfernten Telford Campsite. Hier wollte ich meinen komplett leeren Wasservorrat auffüllen. In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich meinen Wasserfilter in einer Bounce Box bereits nach Auckland geschickt. Inzwischen stellte es sich als absoluter Anfängerfehler heraus, denn zum Ende der Südinsel Grabes wieder viel landwirtschaftlich genutzte Flächen entlang des Trails und damit verunreinigtes Wasser. Schlechte Voraussicht meinerseits! Bisher hatte ich auf der Südinsel genau einmal Wasser filtern müssen (und da noch nicht einmal zwingend), jetzt bräuchte ich dringend einen Wasserfilter. Oder eben ein paar Tabletten! Und damit half Kelsea mir aus. Die Dinger sind nicht gerade erste Wahl und auf Dauer ungesund, aber für die nächsten Tage sollte es funktionieren.

Mit frisch behandeltem Wasser betrat ich nun Privatbesitz der Lintoln Station, einer Farm mit riesigem Grundbesitz. Die nächsten 20!!! Kilometer führten mich über Lehm- oder Kiesstraße vorbei an Hunderten von Kühen und Schafen (einige davon auf der Straße). Unterwegs wich ich mehrere Male den Viehtrieben aus.

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Ich hatte Sparky und Toolbox schnell ein- und dann überholt. Heute lief es mal wieder wie geschnürt und ich fühlte mich bereit für einen langen Tag. Umso mehr Kilometer ich bereits heute an diesem trockenen Tag abreißen konnte, desto weniger würde ich morgen im voraussichtlichen Regen zur letzten Hütte auf dem Trail zurücklegen müssen. Von daher gab ich Gas und betrat nach einer kurzen Episode auf der Straße den kommerziellen Woodlow Forest. Von 200 Meter stieg ich einen steilen Grasweg hinauf auf 500 Meter. Oben angekommen setzte ich meinen Weg über den Grat fort. Ein heftiger, kühler Wind ließ mich einige Male frieren und ich zog mir eine Extralage über. Danach stieg ich durch einen angenehmen Waldweg wieder hinab. Für diesen gesamten Part hatte ich inklusive Mittagspause nur dreieinhalb Stunden benötigt, laut Trail-Notes und Beschilderung hatte ich somit gerade einmal die Hälfte der angegebenen Zeit benötigt.

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Unten angekommen war ich wieder auf einer festen Straße angekommen und hatte bereits 36 Kilometer zurückgelegt. Es war noch relativ früh und so legte ich um 16 Uhr erneut Pause ein. Danach lief ich ein paar Kilometer die Straße entlang, bevor ich auf den Island Bush Track einbog. Dieser verlief über viereinhalb Kilometer teils durch kommerziellen Wald, teils über privaten Farmbesitz. Auch hier kletterte ich über einen moderat ansteigenden Hügel, um im Anschluss wieder vorbei an Jungtieren auf der anderen Hügelseite auf eine Straße zu gelangen. Diese Wechsel waren perfekt, da sich weicher Wald- und Wiesenboden mit härterem Straßenbelag abwechselte.

Dennoch benötigte ich nun eine kurze Verarztungspause, weil ich mir eine kleine Blase gelaufen hatte. Ich wollte nicht mehr viel weiter laufen, von daher ließ ich mir damit Zeit und gab meinen Beinen und Füßen mehr Erholung. Ich lief etwas weiter die asphaltierte Straße entlang, bevor ich auf die Merrivale Road einbog. Nach weiteren drei Kilometern machte ich Halt, die 50 Kilometer waren für heute geschafft. 😉 Und es war perfektes Timing, denn jetzt wurde es so langsam dunkel.

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Kurze Zeit später trudelten auch Sparky und Toolbox ein, die noch einen Night Hike einlegen wollten. Beide sind abgehärtet durch den Appalachian Trail und den Pacific Crest Trail in den USA und extrem fit. Viel weiter würden sie allerdings heute nicht mehr kommen, da in fünf Kilometern die Straße endete und der schlammige Teil des Vergnügens beginnen sollte. Meine eigene Planung war dagegen relativ entspannter (zumindest für die nächsten zwei Tage): am morgigen Tag würde ich nur noch 26 Kilometer wahrscheinlich im Regen bis zur historischen Martins Hut zurücklegen (historisch = angeblich mit Löcher im Boden…😉). Danach wären es noch 30 Kilometer bis Colac Bay…nach 1.270 km wäre ich wieder am Meer!

 

Trail Day 106: Von der Merrivale Road bis zur Martins Hut (26 km)

Die gestrigen 50 Kilometer machten sich heute sofort bezahlt! So musste ich bis zur nächsten (und allerletzten) Hütte auf meinem Trail „nur“ noch 26 Kilometer zurücklegen. Während es sich also ab spätem Nachmittag richtig heftig einregnete und die Temperaturen auf unter 10 Grad fielen, lag ich bereits gemütlich mit meinem warmen Schlafsack im Bett und machte einen Mittagsschlaf. 😉 Der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach! Der Longwood Forest verlangte mir einiges ab und erinnerte mich oft an den Raetea Forest ganz am Anfang meines Trails. Und mit dem verbinde ich immer noch ganz besondere Erinnerungen… (wer sich nochmal über die Schlammschlacht und vor allem den Pesto-Unfall im Raetea amüsieren möchte, dem empfehle ich den 2. Trail-Abschnitt).

2. Trail-Abschnitt: Von Ahipara nach Kerikeri durch die Northland Forests – Tough Mudder & Murphy’s Law

Dabei begann alles ganz harmlos. Nachdem ich meinen Wecker verschlafen hatte, packte ich bei Nieselregen im Zelt meine Sachen zusammen und war um halb acht wieder unterwegs auf der Merrivale Road Richtung Longwood Forest. Es waren noch fünf Kilometer auf der Straße, bevor ich in den Wald eintauchen würde. Zunächst musste ich mir allerdings noch Wasser im nahegelegenen Merry Creek besorgen, denn bis zur Hütte sollte es keine verlässliche Wasserquelle mehr geben.

Der Trail im Wald war zunächst noch relativ normal, wurde aber schnell steil und matschig. Zunächst stieg ich hinauf auf den Bald Hill in 800 Meter Höhe, immerhin mehr als 600 Meter Aufstieg von meinem Startpunkt. Einen großen Teil davon hatte ich allerdings schon auf der Straße erledigt und so war der Wald nie außerordentlich steil. Über Wurzeln, Moos und weichen Waldboden stieg ich stetig weiter nach oben. Ich erreichte die Baumgrenze und wanderte den Rest des Weges über Busch und Schlamm zur Antenne auf dem Bald Hill.

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Von hier verlief eine Kiesstraße wieder drei Kilometer hinunter, bevor ich erneut in den Wald eintauchte. Ein Schild verriet mir, noch sechs Stunden bis zu meinem Ziel, der Martins Hut. Ich war schon gespannt auf die Hütte! Baujahr 1905 und von Erzählungen auf dem Trail seitdem auch nicht mehr renoviert: Löcher in Boden und Wand, aber zumindest nicht im Dach. 😉

Ich nutzte eine Regenpause für einen kurzen Lunch-Break, aber die Sandflies wurden geradezu magisch angezogen von meinem blauen Outfit: Regenjacke, Hoodie, Schuhe, sogar das Regencover für meinen Rucksack waren in Sandflies-Signalfarbe, sodass ich es nicht so lange aushielt. Es war auch bereits halb eins und ich wollte den Tag so schnell wie möglich beenden: nachmittags sollte es extrem ungemütlich werden!

Meine Beine fühlten sich nach dem gestrigen Marathon natürlich an wie Butter. Und jetzt wurde es für mich richtig hart, denn es wurde noch matschiger. Auf baumfreien, ebenen Anschnitten des Trails hatten sich riesige Pfützen und Schlammlöcher gebildet; bei jedem Schritt sank ich zudem zentimetertief ein, sodass sich jeder Schritt wie drei zurück anfühlte. Ich kämpfte mich durch, da jetzt der Regen immer stärker wurde. Und auch der Wind wurde heftiger. Ich fror unter meiner Regenjacke, die immerhin noch standhielt.

Ich schaltete meinen Kopf ab und lief einfach weiter, Schritt für Schritt. Der Wandertunnel hilft in solchen Situationen eigentlich immer! 😉 Endlich ging es wieder bergab und ich lief in einige mannshohe Buschreihen, die mich zumindest vor dem Wind schützten. Ich checkte mein GPS und meine Laune stieg: nur noch anderthalb Kilometer und 300 Höhenmeter hinunter zur Martins Hut. Das sollte ja schnell zu bewerkstelligen sein! Und es war gerade mal 15 Uhr…

Ich sah mich schon beim Mittagsschlaf, als ich merkte, dass der Trail nun wirklich richtig aberwitzig tiefenschlammig und dazu noch steil abschüssig wurde. Raetea-Style! Vielleicht sogar noch übler! Mental war es nicht so schlimm, weil ich das Ziel kurz vor Augen hatte…allerdings wurde jetzt jeder Schritt zur möglichen Schlitterpartie. Oder ich sank tief ein in den Matsch und blieb stecken. Es war ein einziger Kampf…der aber auch irgendwie Spaß machte. Ohne ein wenig Freude an Masochismus kommt man auf diesen Trails nicht weit! 😉

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Ich benötigte für die letzten anderthalb Kilometer über eine halbe Stunde! Inzwischen ziemlich durchnässt steckte ich meinen Kopf in die Hüttentür und sagte Sparky und Toolbox hallo, die sich hier ebenso verschanzt hatten und bereits in ihren warmen Schlafsäcken lagen. Ich brachte meinen Rucksack ins Trockene und wusch dann am Wassertank meine schlammigen Beine. Ich reinigte auch meine Schuhe und Socken, auch wenn die morgen sowieso wieder strapaziert werden würden. In meinem Ultraleicht-Wahn hatte ich für meine letzten zwei Trail-Socken nur zwei paar Socken dabei…eines davon war jetzt vermatscht und nass, das andere hatte mindestens drei daumengroße Löcher auf jeder Seite. Morgen müsste ich mich also entscheiden: nass, matschig und kalt oder halb barfuß in die (nassen) Schuhe. Keine Chance, dass die über Nacht trocknen würden!

Für den Augenblick war aber alles super! Mein Schlafsack wärmte mich auf, ich unterhielt mich mit Sparky und Toolbox über unsere Lieblings-Podcasts und nickte immer mal wieder ein. Um 21 Uhr prasselte es immer noch unaufhörlich auf das Hüttendach ein. Die Hütte war zwar relativ luftig, aber hielt uns trocken. Und Matt und Kelsea hatten da draußen hoffentlich einen einigermaßen sicheren Platz zum Zelten gefunden.

Ich war nur noch 30 Kilometer hinter Daf, Maël und Faustine. Jimmy und seine Crew waren ebenfalls nicht mehr weit. Wenn ich morgen und vielleicht noch übermorgen richtig Gas geben würde, könnte ich einige von ihnen noch vor Bluff einholen. Sparky und Toolbox würden zumindest gerne gemeinsam mit den anderen den Trail beenden. Ich tendiere eher zu einer anderen Idee…aber dazu spätestens im nächsten (und letzten?) Blog-Artikel mehr. 😉

Trail Day 107: Von der Martins Hut bis Colac Bay (30 km)

Wann habt ihr euch das letzte Mal nasse, kalte Socken angezogen? Um danach in ebenso eiskalte und nasse Schuhe zu schlüpfen? Und vorher habt ihr noch ein feuchtes T-Shirt und eine klamme kurze Hose übergezogen… Dementsprechend freudig ging ich in diesen Wandertag! Andererseits hatte es aufgehört zu regnen und ich wusste, es würde ein trockener, schöner Tag werden…worüber sich also beschweren? 😉

Sparky und Toolbox erwischten einen frühen Start in den Tag und waren weit vor mir schon wieder unterwegs. Ich ließ es gemütlicher angehen, auch weil ich auf der dünnen Matratze auf den harten Holzlatten nicht gut geschlafen hatte und mit den Nachwehen für Rücken und Hüfte kämpfte. Ich bin eben nicht mehr der Jüngste! 😉 Ich hinterließ im Hut Book meine letzte Nachricht auf dem Te Araroa (eine kleine, feine Danksagung mit ausdrucksstarken Worten, so etwas wie „I trulymadlydeeplyenjoyedthefuckoutofit“). Das Tiefgründigere kommt später, wenn ich mal mehr als zehn Sekunden darüber nachgedacht habe, was dieser Trail für mich bedeutet hat. Oder ich schreibe einen Artikel darüber im Mensa-Magazin, der ist sogar schon angekündigt.

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Anyway, um Viertel nach acht war ich wieder im Matsch, wobei es diesmal nicht so schlimm und spaßig wie am Vortag wurde. Ich legte die anderthalb Kilometer bis zu einem richtigen Waldweg zurück, lief anderthalb Kilometer weiter und bog dann auf den Water Race Track ein, der mich zur Küste nach Colac Bay führen sollte. Unterwegs hörte ich einen Schuss von einem Jäger…und ich checkte kurz im Geiste, dass ich mit meiner signalblauen Regenjacke und Regen-Cover bestimmt nicht als Hirsch durchging. Eine Story auf dem Te Araroa lautete, dass ein Wanderer (oder zwei) in den ersten Jahren des Trails tatsächlich Opfer eines „Jagdunfalls“ geworden waren. Das will man sich nach Möglichkeit natürlich ersparen!

Der Water Race Track machte Spaß! Es war ein überwiegend ebener Waldweg, immer mal wieder unterbrochen von Stream Crossings sowie Kletterpartien und Balance-Akte über umgefallene Baumstämme. Natürlich war der Track auch hier matschig, schlammig oder nass…aber die Aussicht auf ein warmes Essen und ein richtiges Bett heute Abend in Colac Bay ließ überhaupt keine negativen Gedanken aufkommen. Ich hörte einen super Podcast mit Josh Waitzkin (wer ihn nicht kennt, bitte einmal sofort bei Google eingeben und auschecken) und hing einfach meinen Gedanken nach. Ich genoss die Stille des Waldes, das Rauschen der Bäche und fand mich schnell in meinem meditativen Wandertunnel wieder.

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Ich verließ Wald und Wandertunnel und lief einige Zeit an einem State Highway entlang, bis ich schließlich den kleinen Küstenort Colac Bay erreichte. Und ich lief sofort in die Colac Bay Tavern, die auch ein Backpackers und eine Campsite unterhielt. Besser geht’s eigentlich gar nicht; erst betrinken, dann nebenan ins Zelt oder Bett stolpern! 😉 Gastgeber Wazza schenkte mir auch gleich einen Pint Speights ein, das ich innerhalb von Sekunden wegatmete. Außerdem bekam ich für nur 25 Dollar die Nacht mein eigenes Zimmer mit Queensize-Bett, einfach unglaublich! Hier wollte ich bleiben! 😉

Zum Abendessen genehmigte ich mir nicht nur den größten Burger meines Trails, sondern spielte während der Happy Hour auch „Toss the Boss“ mit meiner Lieblingskellnerin. Die Regeln des Spiels sind ganz einfach: die Kellnerin schleudert eine Münze in die Luft und zeigt die Münze „Head“, muss der normale Preis bezahlt werden; zeigt die Münze dagegen „Tails“, kostet das Bier nur einen Kiwi-Dollar. Weswegen „Lieblingskellnerin“? Naja, sie schleuderte die Münze so lange für mich in die Luft, bis ich „Tails“ bekam. 😉 Dementsprechend früh und betrunken lag ich im Bett! Da trifft es sich ganz gut, dass morgen erstmal Ruhetag ist…

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So what’s next: 

 

Es sind noch 78 Kilometer bis Bluff. Perfekt um den Trail mit einer persönlichen Bestleistung zu beenden! 😉 Ich bin selber schon ganz gespannt, wie das ganze mental, emotional und körperlich ausgeht. Auf dem Weg nach Bluff habe ich mir nicht nur diese wahnsinnige Distanz an einem Tag vorgenommen, sondern ich gehe gedanklich nochmal meine letzten knapp 3.000 Kilometer durch. Angefangen bei Cape Reinga am Nordzipfel der Nordinsel bis nach Bluff an südlichen Ende der Südinsel, dazwischen viel Inspiration und Transpiration! 😉

4 Kommentare zu “24. Trail-Abschnitt: Von Te Anau nach Colac Bay durch Takitimu und Longwood Forest – Finding your flow in chaos…

  1. Juli

    Lieber Stef,
    Ich wünsche Dir ein supergutes ankommen, weiterkommen und überhaupt!
    Danke für die schöne Lektüre,
    Juli

  2. Rüdi

    Da du das ja erst nach Ende des Trails lesen wirst: Herzlichen Glückwunsch und danke. Hast mich immer in einen Mix aus Nostalgie und Fernweh versetzt. Bin schon gespannt auf deine Geschichten in „live“. Meld dich, wenn du zu Hause wieder etwas Muße hast!

  3. Robinho

    Lieber Stefan,
    Danke Danke Danke!

    Du hast Dich mit Deinem Blog fest in meinen Top 3 verankert (neben Fritze und den innerfamiliären Nepal-News) und ich habe jede Zeile und Deine Geschichten sehr genossen.

    Vieles hat mich an meine eigene Reise (noch zu grauer „Herr der Ringe“-Vorzeit) erinnert und meine Sehnsucht nach einer Rückkehr in dieses wunderschöne Land nur bekräftigt. Es hat mir viel Spass gemacht, mit zu wandern und ich freue mich vor allem darauf, demnächst dann persönlich auch noch die Geschichten zu hören, welche es – aus welchen Gründen auch immer – nicht hier in den Blog geschafft haben…😜

    Geniesse die letzten Tage und Kilometer und melde Dich bitte gleich, wenn Du zurück bist. 😉

    Chapeau! für eine tolle Leistung 👍🏼
    und bis die Tage…
    Robinho

    PS: Bin sehr auf die letzte Spendenmeldung gespannt. Hab‘ grad noch NZL 100,- (€ 60,-) draufgepackt.

    1. Stef Autor des Beitrags

      Hey Robin, danke für die warmen Worte! Und ebenso für die Spende! Schwer zu begreifen, dass das Abenteuer jetzt vorbei ist! Aber ich freue mich gleichzeitig auf neue spannende Geschichten in Deutschland. Ich bin ab dem 25./26. wieder in der Heimat erreichbar, dann melde ich mich!

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