The Te Araroa Trail

4. Trail-Abschnitt: Von Whangarei Heads nach Pakiri – Zeit für Experimente…oder auch: Nachts am Strand!

Te Araroa Trail Total (TTT): 477 km

 

Highlight:

Überragender Sternenhimmel bei meinem nächtlichen Strandspaziergang

 

Beileid:

Durchgenässt und durchgefroren nach der Bootsfahrt mit Doug

 

💪🏼: 6/10
😄😐☹: 8/10

Trail Day 15: Von Whangarei Heads nach Waipu (21 km)

Ein lockerer Start in den nächsten Trail-Abschnitt! 😉 Ich wollte noch ein bisschen Arbeit am Blog nachholen, deswegen hatte ich mir für heute lediglich die relativ kurze und einfache (= flache) Etappe nach Waipu vorgenommen.

Nach einer erholsamen Nacht in Doug’s Garten wollten Pat und ich direkt mit dem Boot nach Marsden Point übersetzen. Der Trail macht hier einen kleinen Cut und führt erst nach Überquerung eines Meeresarms weiter gen Süden. Wie der Zufall so will besitzt Doug auch ein kleines motorisiertes Boot, mit dem er uns übersetzen konnte. Womit ich nicht gerechnet hatte: dass es auch enorm nass für mich werden könnte! Ich saß direkt vorne in dem kleinen Boot und da die See sehr rau war, wurde ich einmal komplett bis auf die Unterhose durchnässt. Dazu kam noch relativ frischer Wind vom Meer, sodass ich froh war, nach einer halbe Stunde endlich die riesige Ölraffinierie bei Marsden Point erreicht zu haben.

Doug entschuldigte sich einige Male, aber eigentlich war es ja meine eigene Schuld: Ich hätte mir vorher genauso gut meine Regenkleidung anwerfen können. Während der Fahrt lag mein Rucksack weiter hinten im Boot, sodass es da schon zu spät war. Egal, jetzt war ich total durchgefroren und musste erstmal raus aus der nassen Kleidung! Noch schnell ein letztes Selfie mit Doug, während er uns von seinem Abendessen mit Jim Morrisson und den Rest der Doors erzählte (wie gesagt, quite a character dieser Doug!).

Auch hier wollte ich Pat nicht aufhalten. Er will die 3.000 km in unter drei Monaten laufen, von daher verabschiedeten wir uns erneut voneinander und ich ließ ihn seiner Wege rennen. Nicht bevor er mir noch eine Einladung nach New York aussprach (es schadet ja nicht, dort jemanden zu kennen! 😉). Ich selber wechselte schnell meine Kleidung und machte mich dann auf die virtuelle Verfolgung.

Von den 21 km führte heute wieder der Großteil am Strand entlang und die Etappe erinnerte mich sehr stark an den 90 Mile Beach. Nur mit dem Unterschied, dass es heute echt kalt war und außerdem noch ein sehr starker Gegenwind blies. Und das Meer seltsamerweise auf meiner linken Seite lag, irgendwie ungewohnt. 😉 Mittags erreichte ich nach einer Flussüberquerung den kleinen Urlaubsort Ruakaka und kehrte in ein Café ein. Ich hatte absolut kein Essen mehr bei mir, deswegen kam die Gelegenheit gerade recht. Hier unterhielt ich mich mit einigen Einheimischen und verbrachte bestimmt anderthalb Stunden, bevor ich mich an die letzten 10 km machte.

In Waipu angekommen machte ich mich gleich auf den Weg ins hiesige Backpackers…das ich ganz für mich allein hatte wie sich schnell herausstellte! Außer mir war absolut KEIN anderer in dem Hostel; also die perfekte Umgebung für ungestörtes Arbeiten am Blog und noch so einigen anderen Dingen, die sich in Deutschland bei mir aufgetürmt hatten. 😉

Trail Day 16: Von Waipu nach Mangawhei Heads (26 km)

Öfter mal was Neues: Da ich echt lang benötigte für meinen administrativen Kram, konnte ich est um 14 Uhr wieder loswandern. Ja, ich lasse es schon etwas ruhiger angehen als so manch anderer auf dem Trail (siehe Pat, vor allem die Amis sind im Wettkampfmodus!). Andererseits will ich auch nicht nur chillen und mein Visum läuft ja nunmal auch irgendwann aus…also wollte ich auf jeden Fall heute noch ein paar Kilometer zu meinem Te Araroa-Tachostand hinzufügen! Was ist also neu: Dunkelheit zählt absolut nicht mehr als Ausrede (= Experiment Nummer 1)! 😉

In Waipu traf ich auf Callum, einem weiteren Te Araroa-Hiker aus Neuseeland, den ich schon einmal überholt hatte. Callum ist ein lockerer Geselle, lässt es relativ entspannt angehen und fährt einige Abschnitte auch per Anhalter. Deswegen war ich auch gar nicht überrascht, ihn hier anzutreffen. Vor zwei Tagen hatte er auch erst in der Facebook-Gruppe gepostet, dass er unterwegs sein Zelt verloren hätte…und ob einer der nachfolgenden Wanderer mal die Augen offenhalten könnte. Ich fragte ihn direkt danach, aber kein Glück…inzwischen hatte er sich auch schon ein neues Exemplar zugelegt. Und so ganz erklären, wie man so ein Zelt überhaupt unbemerkt verlieren kann, konnte er mir auch nicht. Naja, so verpeilt wie er ist, weiß er es wahrscheinlich selber nicht. 😉 Callum läuft den TA übrigens mit Crocs und hier ist die Story warum: Vor ein paar Jahren wollte er an einem Halbmarathon teilnehmen. Am Abend davor merkte er dann, dass er überhaupt keine Laufschuhe mehr hatte. Dafür aber natürlich seine Crocs, mit denen er – jetzt kommt’s – den 10. Gesamtplatz belegte! Am nächsten Tag rief ihn sein Vater an, er solle mal seinen Namen googlen… Callum war in der Zwischenzeit eine kleine lokale Berühmtheit geworden! Mehrere regionale Medien fingen an, über die Story zu berichten („Hey, da gibt es diesen verrückten Jungen, der mit Crocs fast einen Halbmarathon gewonnen hätte! 😉). Callum goes viral! Und auch die Firma Crocs bekam Wind davon…mit dem Ergebnis, dass Callum regelmäßig neue Crocs-Schuhe zugeschickt bekommt, wann immer er will. Geniale Story, oder?

Wir liefen ein Stück des Trails gemeinsam, aber trennten uns nach einiger Zeit, weil ich noch etwas weiter wollte. Nach mehreren Kilometern Road Walk wurde es auch etwas abwechslungsreicher mit Wald- und Wiesenwegen, einige davon sehr steil. Und ich merkte erst jetzt meinen echt fiesen Muskelkater in Oberschenkeln und Waden, noch von meiner letzten anstrengenden Etappe über den Bream Head nach Whangarei Heads!

Schließlich dämmerte es und es wurde immer dunkler, sodass Experiment Nummer 1 beginnen konnte. 😉 Ich setzte meine Stirnlampe auf und wanderte einfach weiter Richtung meines Ziels Mangawhai Heads. Der letzte Teil der Etappe führte direkt am Meer entlang…allerdings über einen engen Weg und über 100 Meter über dem Meeresspiegel! Vielleicht war das mit dem im Dunkeln wandern doch keine soooo gute Idee. Ein falscher Schritt und ich würde hinabsegeln. Andererseits achtete ich dementsprechend auch genau darauf, auf der sicheren Seite des Weges zu bleiben. Die garantiert grandiosen Aussichten dieses Abschnitts auf Meer und Küste konnte ich in der Dunkelheit natürlich nicht genießen (vielleicht muss ich den Weg irgendwann nochmal bei Tageslicht nachholen 😉). Auf der anderen Seite fühlte sich das Experiment echt gut an!

Nach einem steilen Abstieg sollte der Rest des Trails bis Mangahwai am Strand entlang führen. Da ich aber jetzt relativ müde wurde, sparte ich mir den Rest. Direkt vor dem Strandzugang fand ich eine ebene Stelle für mein Zelt. Genug Wasser zum Trinken, Kochen und Zähne putzen hatte ich auch noch und so beendete ich zufrieden meinen Tag…und Experiment Nummer 1.

Trail Day 17: Von Mangawhai Heads nach Pakiri (31 km)

Zeit für Experiment Nummer 2! 😉

Ich schlief relativ lange und lief um halb zehn die weitere Strecke bis nach Mangawhai Heads. Ich musste wieder ein paar Dinge für zu Hause erledigen, die einige Zeit in Anspruch nehmen sollten, und setzte mich dort in ein Café. Auf dem Weg dahin wurde ich von mehreren Kiwis super freundlich auf meine Wanderung angesprochen und alle wünschten mir viel Glück und waren sehr herzlich. Gibt mir immer wieder ein super Gefühl! Und der beste Teil des Trails sind definitiv die Bekanntschaften entlang des Weges.

Nach einer ausgedehnten Mittagspause und wiederum etwas Road Walk sollte der überwiegende Teil des Weges nach Pakiri am Strand entlang führen. Es war perfektes Wanderwetter: sonnig, aber durch den kühlenden leichten Wind nicht zu heiß. Kurz vor der 15 Kilometer-Strandpassage traf ich erneut auf Callum, der mich während meiner Working Session wieder überholt hatte. Wir machten gemeinsam Pause und nahmen dann den Strand in Angriff…wobei sich Callum wieder schnell irgendwo niederließ, um sein Zelt aufzustellen. Er nimmt’s halt extrem entspannt! 😉

Experiment Nummer 2 ist zugegeben etwas aus der Not geboren. Weil ich durch meine ausgedehnte Arbeitspause die Ebbe verpasst hatte, war der „Strandspaziergang“ extrem anstrengend. Bei Flut muss man nämlich weiter „oben“ den Strand entlang wandern und da ist der Sand sehr weich. Oder man läuft direkt an der Brandung entlang; dort ist zumindest der Untergrund etwas härter und man kommt besser voran. Allerdings war es dort etwas schräg zum Laufen und so bekam ich nach relativ kurzer Zeit Schmerzen im rechten Knie durch die etwas unnatürliche Haltung. Es wurde schnell so schlimm, dass ich nicht mehr weiterlaufen konnte. In einem Donald-Trump-Wutanfall feuerte ich meine Trekking-Stöcke in den Sand und schrie meinen Frust raus! Ich hatte jetzt zwei Probleme: Auf den Dünen und dem dahinter liegenden Wald fand ich nicht einen Quadratmeter freie, ebene Fläche zum Zelten. Und außerdem sollte es am nächsten Morgen anfangen zu regnen, was die beiden vor mir liegenden Flussüberquerungen sehr gefährlich machte, sollte ich sie heute nicht mehr schaffen. Was also tun?

Die Lösung lag auf der Hand: Ich chillte hinter der etwas windgeschützten nächsten Düne und wartete bis zur nächsten Ebbe. Der Tiefststand sollte um 2 Uhr nachts erreicht sein, aber Mitternacht würde für meine Zwecke ausreichen. So könnte ich erstens einfacher den Strand entlang wandern und zweitens hatte ich die Hoffnung, es würde die Flussüberquerungen enorm erleichtern…auch wenn es dann dunkel wäre. Ich machte es mir also relativ gemütlich, wappnete mich für die Dunkelheit und nächtliche Kälte (drei Lagen Zwiebeltechnik und Mütze), aß noch etwas und rollte mich in meine Rettungsdecke ein. So richtig schlafen konnte ich nicht und so wurde ich schon vor meinem mitternächtlichen Weckruf wach.

Ich packte schnell meine Sachen zusammen und weiter ging es Richtung Pakiri, das nur noch 7 km entfernt lag. Und ich wurde für mein Experiment doppelt belohnt: Gleich der erste Fluss war wegen der Ebbe nur noch eine bessere Pfütze…und außerdem wanderte ich unter einem fantastischen Sternenhimmel! Teilweise wäre ich beinahe ins Meer gelaufen, weil ich mit offenem Mund und Blick nach oben i n der Dunkelheit herumlief. 😉

Kurz vor Pakiri und meinem Zeltplatz dann der Schock! Zwar war der Pakiri River am Strand ebenso leicht zu bewältigen wie der erste Fluss; doch weiter landeinwärts musste ich ihn nochmal überqueren. Und hier hatte ich weniger Glück! Schnell stand ich inmitten von Sträuchern und Gebüsch knöcheltief im Wasser und ich musste noch weiter. In der Dunkelheit konnte ich trotz Stirnlampe auch nicht so richtig ausmachen, an welcher Stelle ich am besten übersetzen konnte. Also trial and error; ich probierte einige seichte Stellen aus, aber versank sofort bis zu knietief im Wasser und wäre das ein oder andere Mal beinahe mit meinen Schuhen komplett im sandigen Untergrund steckengeblieben.

Ich bewahrte dennoch die Ruhe, lief noch ein Stück den Pakiri River entlang und wagte dann die Überquerung. Und siehe da, keine Probleme (außer dass ich nun doch noch ziemlich nass geworden war)! Der Zeltplatz war nicht weit entfernt und um 3 Uhr lag ich endlich im Trockenen, schloss die Augen und sah noch einmal den Sternenhimmel vor mir. Bevor ich einschlief, hörte ich bereits erste leise Regentropfen auf mein Zelt prasseln…das nennt man dann wohl perfektes Timing! 😉

 

So what’s next: Auckland

Diesmal aber wirklich! 😉 Es sind noch ungefähr 100 km und ich freue mich schon auf Pizza und Burger und Abgase und viele Menschen und Ampeln und riesige Supermärkte und und und…

 

3 Kommentare zu “4. Trail-Abschnitt: Von Whangarei Heads nach Pakiri – Zeit für Experimente…oder auch: Nachts am Strand!

  1. Markus

    Hallo Stefan,

    ich habe diesen Link über fb aufgetan und freue mich immer, wenn ein neuer Beitrag erscheint 🙂
    Selbst im Büro erlebt man so immer ein kleines Abenteuer und die große weite Welt.

    Weiterhin tolle Erlebnisse!

    Gruß, Markus

    1. Stef Autor des Beitrags

      Not yet! Aber ich besorg mir in Auckland einen Star Chart. Mega faszinierend, so einen Sternenhimmel kennt man irgendwie gar nicht als Stadtkind! 😉

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