The Te Araroa Trail

6. Trail-Abschnitt: Von Auckland nach Hamilton über die Hunua Ranges – Mein Immunsystem spielt Kreisliga C!

Te Araroa Trail Total (TTT): 800 km

 

Highlight:

Hunua Ranges und Hakarimata! Wald, Berge, Schlamm, Kauri-Bäume, Staudämme, super Aussichten, Abgeschiedenheit, sportliche Herausforderung

 

Beileid:

siehe Titel! 🤕

 

💪🏼: 5/10
😄😐☹: 9/10

Trail Day 23: Von Auckland nach Manukau (45 km)

Christmas came early this year! Ich nutzte meinen Ruhetag in Auckland, um einiges an meinem Equipment zu erneuern oder optimieren: ein neues Schweizer Taschenmesser, eine neue Matratze (immerhin ein Garantiefall und damit keine weiteren Kosten) und eine neue Regenjacke (in die alte hat es rein- und durchgeregnet). Dazu noch neue Shirts und Shorts, meine alten Merino-Sachen aus Deutschland fielen regelrecht auseinander! Aber so sieht man halt aus beim Fernwandern! 😉 Und ganz wichtig, die neuen Sachen sind LEICHTER als die alten… Außerdem habe ich einige Dinge aussortiert, die ich (noch) nicht brauche. Die Teile schicke ich ab sofort an mich selber immer in die nächstgrößere Stadt, sodass ich insgesamt über ein 1,5 kg an Gewicht spare. Schon eine kleine Welt!

Und zum ersten Mal seit drei Wochen habe ich KEINE einzige Blase an meinem Fuß. Weniger Gewicht + keine Verletzungen = beste Voraussetzungen für die nächsten Etappen! Und da fällt mir auch wieder ein, was Kelsea bereits in Kerikeri zu mir sagte: „By the time we reach Auckland, we will all be MACHINES!“ 😉

Let’s put it to a test! Ich wollte aus Auckland rauskommen und das ist gar nicht so einfach, weil die Stadt einfach enorme Ausmaße hat. Ein Blick auf meine Trail Map verriet mir, dass der nächste offizielle Zeltplatz 45 km entfernt liegt…ansonsten müsste ich irgendwo in der Wildnis campen oder mir in der Nähe des Flughafens ein Motel nehmen. Naja, versuchen kann man es ja mal!

Ich stand also früh auf, packte meine Sachen zusammen und wanderte um 8 Uhr aus Downtown Auckland los. Ich folgte zunächst für 14 km den Coast to Coast Walkway, der an der Tasmanischen See startet, einmal quer durch Auckland führt und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten abdeckt, um schließlich am Pazifischen Ozean zu enden… denn an der strategisch wichtigen Stelle von Auckland weist Neuseeland die geringste Breite auf. Der Walk war super und das Wetter spielte auch mit! Ich stieg erneut wie bereits einige Tage nach meiner Ankunft auf den Mount Eden und machte auch den Umweg über den One Tree Hill und hatte so zwei Mal hervorragende Aussichten auf die gesamte Stadt. Unterwegs nutzte ich noch die Vorteile der Großstadt und kaufte ein paar Snacks und Coffee to go. Muss man ja noch alles nutzen, bevor es bald wieder in die Einöde geht. 😉

Danach ging es weiter nach Süden Richtung Flughafen. Der Wind wurde richtig stark und blies natürlich (schräg) von vorne, sodass ich manchmal das Gefühl hatte, gar nicht richtig voran zu kommen. Ein Blick auf die Karte und ich war wieder beruhigt, ich war ganz gut im Plan (der lautete: vor Sonnenuntergang in Manukau ankommen und den Zeltplatz finden)! Trotzdem taten mir ab frühem Nachmittag bereits Füße und Beine weh, da ein Großteil der Etappe über harten Untergrund führte.

Ich biss die Zähne zusammen, träumte schon von den Hunua Ranges mit viel weichem Waldboden und wanderte mit Ablenkungs-Podcast im Ohr weiter. Unterwegs holte mich der sanfte Geruch einer Kläranlage in die Realität zurück. Und dann war auch der Flughafen nicht mehr weit; ich sah die ersten Flieger auf- und absteigen. Hier machte ich nochmal längere Pause und gönnte mir das letzte Großstadt-Doping: McDonald’s! 😉 Trotz (oder gerade wegen?!) Burger und Pommes im Magen meisterte ich die letzten 12 km bis zum Campingplatz auch noch. Pünktlich um 21 Uhr schlug ich hier mein Zelt auf.

Insgesamt war es ein super Tag! Klar, ich habe schon ein paar Schmerzen in den Beinen und Füßen, aber das war mir ja vorher klar… Und für den nächsten Tag nahm ich mir auch schonmal bewusst weniger vor, noch fehlt ein ganzes Stück zur Maschine. 😉

Trail Day 24: Von Manukau nach Clevedon (21 km)

Es gibt Tage, da funktioniert fast alles (siehe gestern!)…und es gibt Tage wie diese, da läuft ÜBERHAUPT nichts zusammen! Nach dem gestrigen langen Tag wollte ich es ja heute extrem ruhig angehen lassen. Und zumindest das habe ich geschafft, denn mein Wandertag war nach sechs Stunden vorbei. 😐 So ganz freiwillig war das allerdings nicht…

Ich schlief aus und machte mich erst um 11 Uhr wieder auf den Weg. Ja, meine Beine waren sehr schwer, aber es ging erstaunlich gut! Allerdings fand ich auf der Etappe nach Clevedon meinen absoluten Hass-Abschnitt dieses Trails: Brookby Road! Absolut kein Platz neben der Straße, sodass man extrem vorsichtig sein musste; viel zu viel Verkehr und dazu auch noch zu nah und zu laut für meinen Ablenkungs-Podcast; und einfach viel zu lang…allein dieser Straße musste ich acht Kilometer folgen. Das hieß zwei Stunden nur Gefahr und Lärm und harter Boden! Ich war unglaublich genervt!

Dementsprechend froh war ich, als ich auf eine viel weniger befahrene Straße und kurz danach auf einen Kiesweg abbiegen konnte. Kurz vor Clevedon geht es noch einmal über einen bewaldeten Hügel hinauf bis auf 250 Meter. Nächstes Waterloo: Hohes Gras und Dornen, das kannte ich doch schon! Diesmal war das Gras so hoch und der Weg so eng, dass mir das nervige Gewächs direkt ins Gesicht schlug. Und ich habe die ultimative Gewissheit, dass die letzten drei Jahre Hyposensibilisierung gegen allerhand Gräser und Pollen für den A… war! Sofort wieder Niesen, laufende Nase, Atembeschwerden! Manchmal fühlt es sich so an, als würde meine Lunge auf die Größe einer Erbse schrumpfen. Und dann atme ich wie Darth Vader! Ich wünschte, ich hätte letztes Jahr aus Brasilien eine fette Machete mitgebracht und könnte mich jetzt so richtig schön an der Natur austoben.

Da konnte mich auch der super Ausblick auf der Aussichtsplattform nicht trösten! Ich sah bereits die Hunua Ranges und in zurückliegender Richtung ganz weit entfernt die Skyline von Auckland. Aber eigentlich wollte ich nur schnell runter von dem Hügel und irgendwo in Clevedon mein Zelt aufschlagen. Hier wäre auch die letzte Gelegenheit, sich vor den Hunua Ranges mit Essen einzudecken. Ich lief hinunter in das schmucke Dörflein und erledigte schnell letzte Besorgungen. Direkt nach dem Hügel und auf dem Weg ins Dorf sah ich bereits eine Camping-Gelegenheit. Ich kehrte dahin zurück und genoss noch ein bisschen die Sonne (auch wenn meine Nase heute nicht mehr aufhören sollte zu laufen).

Es dauerte nicht lang und da kam das nächste Highlight des Tages: Anscheinend macht irgendeine Harry-Potter-Sekte auf dem ansonsten menschenleeren Zeltplatz ein Rollenspiel mit lustigen Kostümen und ganz viel Gekreische…na dann gute Nacht! 😡

Trail Day 25: Hunua Ranges Part I (34 km)

Wie ein kleines Kind habe ich mich auf die Hunua Ranges gefreut, denn es ging wieder in den Wald. Das heißt keine lauten Autos, weniger harte Böden, die meine Füße malträtieren, mehr Aufs und Abs, kurz: mehr Spaß! 😉

Doch zunächst musste ich die letzten Kilometer dorthin auf der Straße zurücklegen. Ich verließ Clevedon um 7:30 Uhr und machte mich mit vom Tau pitschnassen Zelt auf dem Weg. Und zunächst ging es gar nicht gut los, weil ich auf einmal Schmerzen in der rechten Leistengegend und der Hüfte bekam. Das war neu! Und mir blieb nichts anderes übrig, als die Stelle vorübergehend zu entlasten…und damit mehr Gewicht des Rucksacks von der Hüfte auf meine Schultern zu nehmen. Angenehm ist das nicht! Aber sonst wäre nur noch die Möglichkeit geblieben eine längere Pause einzulegen. Und so schlimm war es noch nicht.

Auf dem letzten Abschnitt vor Start des Trails durch die Hunua Ranges traf ich noch ein jüngeres Kiwi-Pärchen im Auto, das abseits der Straße parkte. Der Typ kurbelte die Scheibe runter und rief zu mir rüber: „Going for the bush, heh?!“ Ich ging rüber und sah, wie seine Partnerin fleißig dabei war einen Joint zu drehen. Ich sagte ja und fragte die beiden, was sie so vorhätten an diesem wunderschönen Sonntagmorgen. „We just had a little fun time in the car this night“, antwortete mir der Typ zwischen seinem fast nicht mehr vorhandenem Gebiss hindurch. Und: „Nothing better than waking up in the bush with a lady!“ … „And with a hard cock“, fügte seine charmante Freundin hinzu. Da konnte ich nichts mehr hinzufügen und verabschiedete mich Richtung Wald. 😉

Die Hunua Ranges waren der Hammer! Und vom Profil her sehr anspruchsvoll, denn es ging ständig Auf und Ab; die höchste Stelle lag lediglich bei 399 m, aber es waren unglaublich viele Höhenmeter an diesem Tag. Ich genoss das Brennen in meinen Oberschenkeln und Waden; die Schmerzen in Hüfte und Leiste waren jetzt auch weg. Zwischendurch machte ich Pause und ließ mein Zelt trocknen. Der Tag war sonnig und zum ersten Mal seit Tagen fast windstill, einfach perfekt!

Nachdem ich den Wairoa-Staudamm passiert hatte, ging mir irgendwann das Wasser aus. Aber ich wusste, dass ganz in der Nähe ein Basic Shelter mit Wassertank sein sollte, wo ich mich wieder auffüllen konnte. Und kurz danach hatte ich dann doch noch ein negatives Erlebnis an diesem Tag: An einer Kreuzung sagten sowohl GPS als auch meine TA-Karte etwas anderes als die Trail-Schilder. Ich checkte die Beschreibung der Etappe in den offiziellen Trail Notes auf meinem Handy…und diese folgten der Beschilderung. Das würde aber einen großen Umweg bedeuten, den ich so nicht eingeplant hatte. Wütend verabschiedete ich mich von meinen Plänen und lief die zusätzlichen Kilometer bis zu meiner Campsite. Wie’s aussah war der kürzere Weg, der mir auf GPS und Karte angezeigt wurde, inzwischen geschlossen!

Aber davon ließ ich mir meine Laune nicht verderben. Nach weiteren sechs Kilometern war ich für heute am Ziel. Es war Punkt 19 Uhr; schade eigentlich, weil ich mir heute mehr vorgenommen hatte. Aber das kann ja dann morgen mit wieder ausgeruhten Beinen kommen. 😉 Ich machte mir mein Abendessen, füllte im Mangatawhiri River meinen Wasservorrat wieder auf, wusch meine etwas verschlammten Beine und freute mich bereits auf Teil 2 in den Hunua Ranges!

Trail Day 26: Hunua Ranges Part II bis Mercer (32 km)

Mein Immunsystem spielt Kreisliga C! Als dicker, besoffener Libero! Und hat am Ende der Saison mehr Eigentore erzielt als irgendein Stürmer der gleichen Liga…

…ungefähr so fühlt es sich an, wenn ich neben krasser Allergie auch noch erkältet bin. Anyway, ich machte mich nach einer „Dusche“ im eiskalten Mangatawhiri River wieder früh auf den Weg und erklomm direkt den steilen ersten Abschnitt des Tages bis auf 445 Meter. Der „Weg“ über die Hügelkette war sehr hart, vor allem am frühen Morgen. Und für die insgesamt 10 km benötigte ich ganze vier Stunden, das dürfte vom Schnitt her absoluter Minusrekord sein…aber hatte seinen Grund! Extrem steile An- und Abstiege, Schlamm, enge Durchgänge durch verwurzelte und dicht bewachsene Passagen, das volle neuseeländische Programm. 😉

Im Anschluss folgte ein bisschen Roadwalk, bevor eine Premiere auf mich wartete: der nächste Abschnitt ging entlang von Sumpfland über einen langgezogenen Deich. Hört sich super an, war es zunächst sogar auch (auch wenn an einer Stelle ein Bauer seine Kühe vor mir hertrieb und ich den frischen Tretminen ausweichen musste 😉). Danach war’s allerdings vorbei mit der großen Freude, denn es folgte mein Kryptonit: hohes Gras! Und sofort ging’s wieder los: Niesen, laufende Nase, Jucken an Beinen, Armen und in den Augen, Atemnot… Ich schleppte mich durch und atmete erstmal tief durch, als dieser Abschnitt über die Deiche geschafft war.

Ich hätte mich mal wieder ohrfeigen können, dass ich kein Antiallergikum dabei hatte…vor allem, wenn man bedenkt, dass ich in meiner Medi-Tasche ansonsten wirklich JEDEN erdenklichen Kram mitschleppe! Aber das ließ sich jetzt nichts ändern und ich würde wahrscheinlich erst in Hamilton die Gelegenheit haben, um mich in der Apotheke neu einzudecken (50er-Packung, keine Kompromisse)! 😉

Mir ging es gerade wieder einigermaßen gut, bis ich kurz vor Mercer eine erneute Attacke hatte. Ich folgte neben dem wunderschön ruhigen State Highway 1 einen Waldweg mit…hohem Gras! Same same, but different…weil ich diesmal beinahe echt kollabiert wäre. Ich schleppte mich also zur Straße (vielbefahren, laut, gefährlich) und ging dort die letzten 500 Meter bis zur Raststätte von Mercer. Das wäre ungefähr, so als würde man den Ruhrschnellweg entlang wandern. Aber egal, ich überlebte es! Und steuerte erstmal zielgerichtet das „Irish Pub“-Schild an; auf den (Allergie-)Schock erstmal ein feines Guinness. Der Pub wurde allerdings gerade erst gebaut oder renoviert, also nahm ich mit dem Food Court vorlieb und erholte mich dort etwas von Schnappatmung etc.

Hier stieß ich dann nach einiger Zeit auf Pat, den ich zuletzt in Marsden Point verabschiedet hatte (nach der feuchtfröhlichen Bootsfahrt mit Doug @ Trail Day 15). Was für eine Überraschung! Ich hätte gedacht, er wäre schon mindestens 100 km vor mir… und das wäre er wohl auch, wenn er nicht ein paar Tage in Auckland wegen der Reparatur seines Handys ausharren musste. Long story longer: Wir entschieden uns, noch ein Stück gemeinsam weiterzuwandern und uns dann irgendwo im Feld einen Schlafplatz zu suchen. Auch Pat leidet ziemlich unter dem hohen Gras und so konnten wir schön gemeinsam rumheulen und uns auskotzen. 😉

Wir fanden relativ schnell einen super Platz zum Zelten und ließen es für heute gut sein. Der Tag war krank genug! 😉

Trail Day 27: Mercer bis Hakarimata (41 km)

Angst vor Tieren? Dann wäre die heutige Etappe nichts für dich gewesen… und eigentlich auch nicht für mich. 😉 Im Laufe des Tages stießen Pat und ich auf zahlreiche Kuhherden. Und darunter befanden sich eben auch einige Jungtiere (die offensichtlich beschützt werden wollten!) und einige fies dreinschauende Bullen! Doch von Anfang an.

Pat und ich stellten unsere Wecker früh auf 5:45 Uhr und machten uns auf den Weg entlang des Waikato River. Nach gut einer Stunde war es schon soweit: Wir sollten eigentlich über einen Zaun klettern, doch dahinter wartete bereits die erste Kuhmeute des Tages…natürlich gemeinsam mit einigen Obermotz-Stieren, die sich nicht einen
Zentimeter bewegten, als wir uns näherten. Im Gegenteil, am Zaun angekommen bewegten sich die schweren Jungs sogar auf uns zu! Wir hatten also einigen Respekt, mussten aber dennoch irgendwie weiter. Also umrundeten wir das Gefahrengebiet, stiegen hinter dem Großteil der Meute über den Zaun und folgten weiter dem vorgegebenen Pfad…und wurden sofort verfolgt. Nicht wirklich gejagt, aber die ganze Herde setzte sich sofort in Bewegung, um uns hinterherzulaufen… und das für bestimmt einen halben Kilometer, bevor wir über den nächsten Zaun steigen mussten. Super Bild, zwei Wanderer mit kompletter Kuhherde im Schlepptau! 😉

Irgendwann ging uns beiden das Wasser aus und aus dem Waikato River wollten wir wegen des umliegenden Farmlands nichts trinken, selbst nicht gefiltert… Pestizide lassen grüßen! So klingelten wir einfach beim nächsten Farmhaus und wurden freundlich von einer asiatischen Mutti begrüßt, die uns in ihrem Garten unsere Wasservorräte auffüllen ließ. Hat super funktioniert und werde ich demnächst bestimmt noch öfter machen, allein weil das Filtern hin und wieder echt nervig ist.

Ich bekam auch wieder Allergie, aber es war nicht so schlimm wie am gestrigen Tag. So konnten wir den sonnigen Tag mehr genießen und erreichten am späten Nachmittag Huntly, ein richtig schönes Drecksloch (zumindest auf der Westseite des Flusses, den wir entlang liefen). Inzwischen hatten wir 35 km auf dem Tachometer und meine Füße taten aufgrund langer Straßenpassagen und wahrscheinlich auch aufgrund der letzten anstrengenden Tage enorm weh! Ich brauchte einfach etwas Erholung, also machten Pat und ich einen Treffpunkt zum Zelten für später aus und ich legte mich für eine Stunde auf die faule Haut.

Als ich allein durch Huntly lief, wurde ich für kurze Zeit von einem kleinen, süßen Maori-Mädchen auf ihrem Fahrrad begleitet, die mir neugierig Fragen stellte. „Where you from?“, „What you doing?“, „If you going to Bluff in that direction, is Germany the other direction?“ 😉 Und irgendwann fragte sie mich auch, ob ich nicht Geld für sie hätte… Huntly eben. Ich sagte ihr, dass ich ein armer Wanderer wäre, der all seinen Besitz in dem kleinen Rucksack auf dem Rücken mit sich herumschleppen würde. Das machte mich offensichtlich ziemlich uninteressant und sie radelte schnell davon.

Nach der Pause waren es nur noch fünf Kilometer bis zum grob vereinbarten Treffpunkt mit Pat…so ganz genau wussten wir nämlich nicht, wo wir zelten konnten. Aber auch hier machte sich ein Kurzbesuch bei einem sehr netten Kiwi-Pärchen bezahlt: frisches Wasser für die Nacht und den nächsten Morgen sowie ein super Tipp für unser Nachtlager entlang des Hakarimata Walkway. Dieser führt 11 km über eine Hügelkette auf und ab wieder durch dichten Wald. Wir stiegen nur fünf Minuten die ersten steilen Treppenstufen empor und fanden zwei voneinander getrennte, einigermaßen ebene Flächen…mit einem super Ausblick über die zurückliegende Landschaft! Hier konnten wir bleiben. 😉

Trail Day 28: Hakarimata bis Hamilton (33 km)

Fast geschafft! Nur noch etwas mehr als 30 km bis zur nächsten großen Stadt Hamilton (ca. 300.000 Einwohner), wo ich mit meinen Wanderfreunden Weihnachten verbringen werde. Es regnete nachts ziemlich stark und mir war entweder zu kalt oder zu warm, sodass ich kaum in den Schlaf fand. Der Wecker klingelte trotzdem wieder erbarmungslos früh. Und auch wenn ich kurz mit dem Gedanken spielte einfach liegen zu bleiben, packte ich alles zusammen, frühstückte einen kümmerlichen Rest an Lebensmitteln, den ich noch bei mir trug, und stapfte mit Pat weiter den Berg hinauf.

Schnell wechselten die ordentlichen Treppenstufen zu steilen, teils schlammigen und wurzelreichen Anstiegen. Gutes Morning-Workout! 😉 Wie in den Hunua Ranges oder in den Northland Forests ging es auf und ab. Es war enorm anstrengend, auch wenn mein Rucksack wahrscheinlich noch nie so leicht war wie an diesem Tag… kaum noch Futter, wenig Wasser und einige Sachen in Auckland aussortiert. Vielleicht war es auch einfach der geringe Schlaf und außerdem war es der sechste Tag hintereinander ohne längere Pause. Anyway, unterwegs wurden wir mit grandiosen Ausblicken belohnt und das Wetter war wieder super!

Nach einiger Zeit stießen wir auf einen relativ kuriosen Zettel am Baum (wohlgemerkt nach ca. drei Stunden Wanderung, nicht am Anfang des Walkways!):

Kiwi Hospitality

Kiwi Hospitality

Kiwis eben! 😉 So richtig überrascht waren wir dementsprechend nicht.

Zum Ende hin trafen wir zahlreiche Kiwis beim Sport. Direkt am anderen Ende des Walkways liegt Ngaruawahia, ein kleiner Vorort von Hamilton. Und auch Hamilton ist nicht mehr weit entfernt (ca. 20 km) und viele Kiwis nutzen den Walkway für ihr Sportprogramm. Auf dieser Seite ist der Weg nämlich wieder sehr gut hergerichtet und Hunderte von Treppenstufen führen auf 379 Meter Höhe… und wieder hinunter. Wir genossen Ausblick und Sonne auf der Aussichtsplattform und machten uns dann an den heftigen Abstieg.

Heftig? Weil der Abstieg enorm in Knie und Oberschenkel ging und die harten Treppenstufen meine Füße malträtierten. Nach einer halben Stunde war es schon geschafft, aber ich war bereit fürs Krankenhaus…oder eben eine längere Pause. 😉 Das traf sich sehr gut, denn ich hatte sowieso kein Essen mehr und suchte im Ort einen Take-away-Laden auf. Pat wollte weiterlaufen und so trennten wir uns erneut (sollten uns aber auch diesmal später wiedersehen).

Ich spielte bereits mit dem Gedanken, die verbleibenden 20 Kilometer bis Hamilton per Anhalter zurück zu legen, weil meine Füße sehr schmerzten. Ich könnte dann den Trail nach Weihnachten wieder an gleicher Stelle aufnehmen. Aber die lange Pause tat mir wieder enorm gut! Ich machte noch einen kurzen Abstecher zum Supermarkt für neue Sonnencreme mit Schutzfaktor 50, weil ich sonst mit meiner Albino-Haut verbrennen würde, und wollte gerade los, als ich eine bekannte Stimme hörte…

Es war Logan aus den USA, den ich zuletzt vor über 400 km im Russell Forest gesehen hatte! Logan ist ein super Typ, immer positiv und ein breites sympathisches Lächeln im Gesicht. Es war dementsprechend eine tolle Überraschung, ihn hier per Zufall wiederzutreffen. Ich fragte ihn nach seinen Weihnachtsplänen und er verriet mir, dass er gerade von Waitomo bis nach Paihia per Anhalter fahren würde. Er hatte eine Deutsche kennengelernt und sie wollten zusammen Weihnachten feiern…und Logan fuhr dafür per Anhalter über 400 km wieder zurück in den Norden! Verrückter Typ! 😉 Wir quatschten noch ein wenig über gemeinsame Bekanntschaften, wünschten uns frohe Weihnachten und alles Gute für den weiteren Trail und gingen dann getrennte Wege.

Ich wollte in Hamilton noch meine Bounce Box von der Post abholen, in der ich einige Sachen aus Auckland geschickt hatte. Damit ich das noch rechtzeitig schaffen würde, musste ich mich beeilen (etwas mehr als 5 km/h im Schnitt über mehrere Stunden)…und ich flog regelrecht Richtung Hamilton entlang eines malerischen River Walks, der speziell für Radfahrer und Spaziergänger angelegt war. Ohne Doping ging das natürlich nicht und ich schluckte einige Ibuprofen, damit ich mir die Ruhepausen zur Erholung meiner Beine und Füße sparen konnte. Eine Stunde vor Hamilton holte ich bereits Pat ein und schleppte ihn von da an hinter mir her. 😉 Und ich schaffte es; zehn Minuten vor Toreschluss erreichten wir Hamilton und das Postamt, wo ich mein Paket entgegennahm.

Wir ruhten uns etwas aus, besorgten uns noch Luxusessen für unser Dinner (Lachs, frische Pasta und Salat) und fuhren mit dem Taxi zu unserer „Weihnachtsunterkunft“. Kelsea, Matt und John warteten dort bereits auf uns. Und wie sich herausstellte: Kelsea hatte ein ganzes Haus für uns gemietet! Jeder hatte sein eigenes Schlafzimmer, es gab eine super ausgestattete Küche und ein großes Wohnzimmer, in dem bereits ein Mini-Weihnachtsbaum stand. Was für eine tolle Überraschung… und natürlich mehr davon dann in meinem nächsten Artikel über mein neuseeländisches „Trail Christmas“! 😉

6 Kommentare zu “6. Trail-Abschnitt: Von Auckland nach Hamilton über die Hunua Ranges – Mein Immunsystem spielt Kreisliga C!

  1. Stefanie Weletzky

    Tip: wenn Allergie auftritt und kein akuter Wassermangel herrscht…feuchtes Tuch vor den Mund binden…soll helfen!
    Ansonsten…viel, viel Spass weiterhin!
    Danke für den tollen Blog

    1. Stef Autor des Beitrags

      Hey Steffie, danke für den Tipp! Habe mich inzwischen auch noch mit Antiallergika eingedeckt, aber ich versuche alles! 😉 LG

  2. Thomas

    Hi Stefan, wir kennen uns von der Ausbildung. Ich bin über Facebook auf deinen Blog aufmerksam geworden und habe gerade von Tag 1 an alle deine Einträge gelesen..irre! Du schreibst einfach super und man geht im Geiste deinen Weg mit. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg! Frohe Weihnachten und viele Grüße aus der Heimat. Lg Thomas

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