The Te Araroa Trail

Te Araroa-Packliste – „In the end the things you own end up owning you…“

…was uns Supertyp Tyler Durden im Film „Fight Club“ schon für unser Leben mit auf den Weg gegeben hat, lässt sich auch leicht auf so eine lange Wanderung übertragen:

Je mehr du besitzt, desto stärker die Last auf deinen Schultern…oder auf der Hüfte! 😉

Dann doch besser vorsorgen…

Aber was tun, wenn man keine Ahnung hat…

Wo fange ich überhaupt an? Zuerst sollte man sich natürlich überlegen, welche Ausrüstungsgegenstände auf einer 3.000-Kilometer-Wanderung benötigt werden. Dabei liegen einige Dinge ja zumindest grundsätzlich auf der Hand: Rucksack, Zelt, Kleidung, Schuhe/Stiefel, Schlafsack, Matratze…da bleibt im Dschungel des Outdoor-Equipments nur die Frage, welches Modell ist am geeignetsten. Glaubt mir, ich habe mich bei jedem einzelnen Equipment-Teil ausführlich über Pro und Contra informiert und mir den Kopf über Qualität, Preis, Gewicht etc. zerbrochen. Aber keine Angst, deswegen schreibe ich ja weiter, um euch an meinen reichen Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen. 😉

Hinzu kommen dann noch Dinge, an die ich während meiner eigenen Vorbereitung lange Zeit keinen Gedanken verschwendet habe. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass ich als totaler Newbie in diesem Thema in den letzten Wochen vor Neuseeland und gerade auf den ersten Kilometern des Trails enorm hinzulernen „durfte“. Navigation (GPS-Gerät oder Handy)? Sicherheit (schonmal was von einem PLB gehört)? Hygiene (ich sage nur Poo Shovel…)? Gaiters, um die Füße trocken zu halten, ja oder nein? Regenhose, WTF? Und und und…

Um es kurz zu machen: die Packliste wird mit der Zeit immer länger und länger. Und automatisch nimmt man einfach zu viel mit. Ich kenne keinen einzigen Te Araroa-Wanderer, dem es anders ergangen wäre (außer den Long Distance Pros meist aus den USA). Aber Teil der ganzen tollen Erfahrung ist ja auch das Philosophieren mit den anderen Wanderern über die beste Vorbereitung, das beste Equipment und die Vor- und Nachteile von einzelnen Ausrüstungsgegenständen. Und so einiges können selbst eingefleischte Fernwanderer aus den USA noch dazulernen. 😉

Weniger ist mehr…oder: weniger Gewicht gleich mehr Spaß!

Es liegt ja auf der Hand; wer ständig das ein oder andere Kilogramm zuviel in seinem Rucksack schleppt, der…

  • wird schneller müde,
  • verbraucht mehr Energie (benötigt damit auch wiederum mehr Proviant und erhöht das Gesamtgewicht weiter),
  • kann nicht so weit wandern
  • und erhöht die Verletzungsgefahr durch die höhere Belastung auf den Körper, insbesondere auf die Knie und Knöchel.

Damit spricht spontan schon einmal viel für die Ultralight-Variante! Wobei der ultimative Ultralight-Wanderer sowas ist wie ein Veganer: er erzählt dir auch davon, obwohl es dich nicht die Bohne interessiert! 😉

Was auf jeden Fall Sinn macht: schnappt euch eure Küchen-Digitalwaage, schmeißt euer Excel an, wiegt euer Equipment und erfasst alles fein säuberlich in einer Tabelle (siehe meine Packliste unten). So bekommt ihr ein gutes Gefühl dafür, wieviel ihr schleppen müsst…und könnt euch einzelne Gegenstände zielgerichteter vornehmen, verbessern, weglassen oder hinzufügen.

Das richtige individuelle Mittelmaß finden

Dabei sollte man jeden einzelnen Ausrüstungsgegenstand jetzt nicht unbedingt nur auf das Gewicht hin beurteilen. Beispiele aus eigener Erfahrung:

  • Thema Sicherheit: Ich würde niemals ohne einen Personal Life Beacon (oder ein ähnlich funktionales Gerät) in die Pampa wandern… ein falscher Schritt und man hat sein Leben für 150 Gramm weniger (und ein bisschen Kohle) aufs Spiel gesetzt.

Ein PLB live und in Farbe

  • Thema Leidenschaften: Ihr wollt bloggen? Nehmt euch das richtige Equipment dazu mit! In meinem Fall waren das mein iPad und ein kombiniertes Case mit Keyboard. Ihr liebt das Fotografieren? Lasst eure Spiegelreflex bitte nicht zu Hause, denn die entgangenen großartigen Landschaften und so viele weitere überragende Photo Opportunities werden euch bis ans Lebensende verfolgen… 😉

Wie man sieht kann ich also auch nicht so ganz Ultralight unterwegs gewesen sein. Allein meine Kameraausrüstung wog 1,7 kg; mein Blogging-Equipment kam auf 1 kg. Insgesamt also 2,7 kg, die ein Ultralight-Jünger nicht 3.000 Kilometer schleppen müsste. Und während ich selber nach und nach bei meiner Kleidung gespart habe, würde ich auch im Nachhinein keine Abstriche bei meiner Sicherheit oder meinen persönlichen Leidenschaften machen wollen!

Im Zweifelsfall besser zuviel als zuwenig? Auf jeden Fall!

Ich gebe zu, das hört sich erst einmal ziemlich bescheuert an. Aber lasst es mich erklären: Im Idealfall weiß der erfahrene Wanderer über jeden einzelnen Ausrüstungsgegenstand Bescheid, was für ihn persönlich funktioniert und was nicht. Für alle anderen gibt es in Neuseeland eine einfache Lösung, Equipment regelmäßig auszusortieren und sicher zu hinterlegen: Poste Restante! Poste Restante ist ein Service der neuseeländischen Post, der es euch ermöglicht, in eurem Namen Pakete an Poststellen im ganzen Land zu versenden. Ich schreibe zu Bounce & Food Boxes nochmal an anderer Stelle mehr; hier nur der Kurzabriss.

Gerade nicht benötigtes Equipment (wie z.B. warme Sachen für die Südinsel oder mein nächstes Paar Schuhe) habe ich in eine Box verstaut und an mich selber zum nächsten Post Office auf dem Trail verschickt für den Fall, dass ich doch noch einmal etwas aus der Box benötige. Komplett überflüssiges Equipment, das ich aber auch nicht wegwerfen oder verschenken wollte (z.B. eine alte Regenjacke oder meine Gaiters), ging nach und nach mit einer Box zu meinem Abflugort Auckland. Das Postamt hebt diese Pakete bis sieben Kilogramm kostenlos für einen Monat für euch auf; danach zahlt ihr für den Service pro Monat einen geringen Preis. Wie gesagt recherchiere ich das nochmal ausführlicher.

Es macht also nichts, wenn ihr gerade zu Beginn etwas mehr Equipment herumschleppt und testen wollt. Was nicht für euch funktioniert, wandert einfach in ein Paket und wird hinterlegt.

Meine Packliste

Hier könnt ihr euch meine Packliste anschauen:

Te Araroa-Packliste – www.followstef.com

Eine ganze Excel-Liste fein säuberlich verpackt! 😉

Schreibt mir einfach einen Kommentar, solltet ihr dazu Fragen oder Anmerkungen haben. Wie immer freue ich mich auf den Austausch!

Zurück zur Übersicht: Make the most of your personal TA!

Das Zitat aus Fight Club geht übrigens noch weiter:

„It’s only after you lose everything that you’re free to do anything.“

Das wünsche ich dann doch lieber keinem auf dem Trail! 😉

6 Kommentare zu “Te Araroa-Packliste – „In the end the things you own end up owning you…“

  1. Markus

    Hi,

    nochmals danke für die vielen Berichte und die guten Tipps zum TA.

    Frage zum Schlafsack:
    War dir der Apache nicht zu warm? Ich würde mir vorstellen, dass ein 0° Komforttemperatur-Schlafsack auch für die Südinsel ausreichen sollte. Oder hast du die zusätzliche Wärme tatsächlich gebraucht?

    Danke für eine kurze Info.

    Viele Grüße
    Markus

    1. Stef Autor des Beitrags

      Hey Markus! Ja der Apache war tatsächlich etwas zu warm, insbesondere für die Nordinsel. Auf der Südinsel habe ich im Schlafsack vielleicht 1-2mal gefroren. Da war aber noch Luft nach oben mit zusätzlicher Kleidung und außerdem bin ich relativ kälteempfindlich. Oftmals habe ich den Apache auch nur als Decke benutzt. Du kannst hier also einen weniger warmen Schlafsack nehmen…und damit Gewicht und Geld sparen. 😉 VG Stef

  2. Hanna

    Hi Stef,
    ich werde im Januar 2017 die Südinsel bewandern und bin verzweifelt auf der Suche nach einem PLB. Die Outdoorläden in Tübingen haben davon noch nie was gehört und jetzt bleibt nur das Internet als Quelle.. Aber da kann man ja auch viel falsches einkaufen (Spot usw..?) Wo hast du deinen PLB her und was hat er gekostet? Woher kann man wissen dass das auch das richtige ist und nicht nur so was ähnliches..? Ich bin ein bisschen verzweifelt und will mir das Ding aber nicht erst in NZ für noch mehr Geld kaufen sondern sicher eins dabei haben..

    1. Stef Autor des Beitrags

      Hey Hanna,

      bitte entschuldige meine späte Antwort. Ich war gerade im Urlaub und dort ähnlich wie auf dem TA nicht unbedingt digital erreichbar. 😉

      Zu PLB: Erst einmal ist es super, dass du auf der sichere(re)n Seite sein möchtest. Ein PLB ist in meinen Augen absolute PFLICHT. Zu 99,9% wirst du ihn nicht benötigen…aber wenn kann er eben Leben retten. Und da ist ein PLB doch gut investiertes Geld! 🙂 Ich selber habe den PLB erst in Neuseeland gekauft in der Outdoor-Kette meines Vertrauens (Bivouac), allerdings ist er dort sehr teuer (599NZD; nach damaligem Wechselkurs ca. 390 Euro). Kostengünstiger wird das Gerät (mein Modell: PLB Fast Find 220 406MHz) wahrscheinlich, wenn man es sich bereits in Deutschland oder online besorgt. Die Registrierung erfolgt ganz einfach online und dauert fünf Minuten. Die notwendigen Informationen erhält man mit dem Kauf des PLB.

      Ich empfehle dir, mal in der Facebook-Gruppe vom Te Araroa nachzufragen, ob jemand einen PLB zum Verkaufen hat. Eventuell klappt dann ja schon der vorherige versand an dich oder eine Übergabe in Neuseeland. Als „Notfalloption“ hast du ja immer noch den Bivouac-Laden in Auckland oder Wellington.

      Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen!

      LG
      Stef

  3. Mama wandert

    Puh, über 2 Kilo Technikkram. Schwerer Rucksack. Schweres Zelt plus Schlafsack. Echt krass Deine Liste. Kein Wunder, Dein Basisgewicht liegt schon bei 16 Kilo. Hut ab vor Deiner kraft. Mit dem Gepäck hätte ich den PCT in diesem Jahr nicht geschafft. Hatte zum Beispiel nur Iphone 7 und Ipod – und hab auch Blog geschrieben.
    Aber Deine Zeilen machen Lust auf DEINEN Trail. Alles Gute.

    1. Stef Autor des Beitrags

      Hallo „Mama wandert“! Erstmal danke für deinen Kommentar. Allerdings weiß ich nicht, wie du auf die 16 Kilo Base Weight kommst…das wäre höchstens der Fall, wenn du erstmal alle als „optional“ gekennzeichneten Pack Items mitrechnest und dann noch alles, was ich am Körper trage. Die Packliste sollte angehenden Wanderern eben auch vermitteln, über welche Ausrüstungsgegenstände zumindest nachgedacht werden sollte vor dem Te Araroa…ob die Liste auf den PCT anzuwenden ist, no clue! Und ich selber habe davon auch nicht alles geschleppt (sagt implizit ja dieses „optional“…). Kam mit meinem „Technik-Krams“ auf ca. 10 Kilo base weight am Ende…und ja, eine gute Kamera ist um einiges schwerer als nur ein iPhone 7, das auch sehr gute Bilder macht. Ich persönlich würde aber nicht auf meine Olympus verzichten wollen, bin eben Photo Nerd und mein Hobby geht über Gewicht. Anyway, anstatt absolute Zahlen zu nehmen, solltest du eben auch wissen, dass das Gewicht deines Rucksacks relativ zu deinem Körpergewicht ins Verhältnis gesetzt wird. Und dieser Wert lag bei mir bei ca. 12,5%. Immer noch höher als deiner? 😉 lg

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