Von Wellington nach Picton – Nach dem Norden ist vor dem Süden… oder: Von Food und Bounce Boxes für die Südinsel 

Von Wellington nach Picton – Nach dem Norden ist vor dem Süden… oder: Von Food und Bounce Boxes für die Südinsel 

Zero Days (also Tage, die ich nicht auf dem Trail verbringe) sind ja oft alles andere als entspannend! Es gibt einfach immer was zu tun und zu organisieren für die weitere Wanderung: kaputtes Equipment reparieren oder Ersatz besorgen, Wäsche waschen, E-Mails beantworten, gegen langsames Internet kämpfen, Fotos sichern und hochladen, einkaufen für die nächsten Tage auf dem Trail, mit Familie, Freundin und Freunden telefonieren und und und… Hört sich echt stressig an, oder? 😉 So richtig durchatmen und die freie Zeit genießen kann man also erst, wenn man sich mehrere Tage „freinimmt“! Es sei denn, man muss sich auf die Besonderheiten der Südinsel vorbereiten…

Im Folgenden also ein kurzer Ausflug in die Welt von Food & Bounce Boxes:

Im Vergleich zur Nordinsel ist der Süden Neuseelands vor allem eins: weitaus weniger besiedelt! Und wenn es kleine oder größere Städte und Dörfer gibt, so sind diese vorwiegend an den Küsten zu finden. Dumm ist es dann, wenn der Te Araroa Trail ausnahmslos durch die Mitte der Südinsel entlang der neuseeländischen Alpen verläuft. Folge: Es gibt einige Abschnitte des Trails, bei denen man zehn oder sogar mehr Tage Verpflegung mitschleppen muss…es sei denn, der vorsorgende Wanderer verschickt bereits Wochen im Voraus aus Wellington oder Picton Verpflegungspakete an strategisch sinnvolle Punkte entlang des Trails.

Offensichtlich erfordert das schonmal detaillierte Planung:

  • Wohin können die Pakete verschickt werden?
  • Was ist sinnvoll?
  • Wie viele Tage Essen verschicke ich an welche Location?
  • Und was sollte ich neben Essen auch noch hinzupacken (z.B. Toilettenpapier, Gas-Kartusche etc.)?
  • Wieviel kostet der Versand?

Hier meine Lösung: Ich verschicke insgesamt drei Food Boxes auf die Südinsel…und hoffe natürlich, die Teile kommen auch wirklich dort an! 😉 Insgesamt 16 Tage Verpflegung verteile ich auf drei Pakete (St. Arnaud: 6 Tage; Boyle: 6 Tage; St. Arthur’s Pass: 4 Tage). Dazu kaufe ich auch noch Lebensmittel für meine ersten vier Tage auf der Südinsel ein. Das macht also insgesamt 20 Tage Verpflegung, die ich mir alles auf einmal zulege…so viel Spaß beim Einkaufen hatte ich noch nie! 😉

Also hier ist meine Einkaufsliste für 20 Tage Fernwandern…

Frühstück:

  • 2kg Müsli
  • 500g Cranberries
  • 500g Kokosnuss-Splitter
  • 400g Chia-Samen

Mittagessen:

  • 40 Tortilla-Wraps
  • 4x Majonnaise
  • 20x Thunfisch
  • 3x Nutella
  • 10 Scheiben Käse (da verderblich nur für meine ersten vier Tage, nicht für die Food Boxes)

Abendessen: 

  • 10 Portionen Ramen-Nudeln
  • 6 Pasta-Fertiggerichte
  • 4 Reise-Gerichte
  • 2 Gläser Tomaten-Pesto
  • 300g Erbsen

Snacks:

  • 4x 250g Schokoladentafeln
  • 1kg Nüsse-Mix
  • 400g M&Ms
  • 16 One Square Meal Snack Bites
  • 20 Schokoladenriegel (KitKat, Snickers, Twix…)
  • 3 Packungen Cookies
  • 20 Müsliriegel

Außerdem:

  • 50 verschließbare Frischebeutel in unterschiedlicher Größe
  • 4 Rollen Klopapier

Kostet schlanke 375 Dollar! Und so sah die ganze Aktion dann aus… 😉

Außerdem habe ich mir bereits in Wellington neue Schuhe besorgt. Meine aktuellen blauen Treter sind zwar erst 450 Kilometer im Einsatz und schillern noch wie neu. Allerdings geben meine treuen Begleiter höchstwahrscheinlich nach weiteren 500 Kilometern den Geist auf…und ein Schubladen ist auf dem Trail eher Mangelware. Ich kann meine Bounce Box allerdings erst wieder in Wanaka abholen, bis dahin sind es 900 Kilometer auf dem Trail! Lösung: Ich trage ab sofort für diese mindestens 900 Kilometer NEUE Schuhe…und schicke mir meine aktuellen Treter nach Wanaka für die letzten 400 Kilometer des Trails. Puh, irgendwie kompliziert, oder? 😉 Info für Nachahmer: Für die insgesamt vier Pakete (3x Food, 1x Bounce) habe ich knapp 80 Dollar bezahlt.

Natürlich hatte ich auch hier in Wellington wieder richtig Spaß beim Schuhkauf; in meiner Größe gab es wieder nur ein einziges Paar zu kaufen! Das musste ich natürlich nehmen. Mit dem kleinen Nebeneffekt, dass ich jetzt mit noch dünnerer Sohle unterwegs sein werde. Wenn das so weitergeht, kann ich bald komplett barfuß laufen! 😉

Jetzt aber genug von den organisatorischen Herausforderungen! Wellington war eine super Stadt und ich wäre gern noch etwas länger geblieben, um mehr Zeit im Te Papa Nationalmuseum, den zahlreichen schönen Cafés oder am Strand zu verbringen. Auf der anderen Seite ruft der Trail und nach der Organisation war ich schon wieder heiß auf ausdauernde Wandertage in der neuen Welt! 😉

Ich nahm also die Interislander Ferry morgens um 9 Uhr von Wellington nach Picton und konnte während der etwas mehr als dreistündigen Überfahrt nochmal letzte Blicke auf die Nordinsel werfen…um dann immer deutlicher die Umrisse der Südinsel wahrzunehmen. Es war ein ruhiger Morgen und die See war nicht zu rau, sodass ich die Fahrt richtig genießen konnte. Ich würde um halb eins in Picton ankommen und könnte so direkt die Weiterfahrt um halb zwei nach Ship Cove antreten. So könnte ich den halben Tag schonmal nutzen, um ein paar erste Meter auf dem Trail zurückzulegen. Meine ersten Schritte auf der Südinsel, ich war wieder richtig motiviert und aufgeregt!

Ach ja, da war ja noch was mit meinem Bart… 😉

8 Gedanken zu „Von Wellington nach Picton – Nach dem Norden ist vor dem Süden… oder: Von Food und Bounce Boxes für die Südinsel 

    1. Hey Markus! Komme gerade aus den Richmond Ranges, sieben Tage allerfeinste Herausforderung mit Unwetter, Sturm und Fluten! Ach ja, am Ende hatte ich auch noch gutes Wetter…das volle neuseeländische Programm eben. 😉

      Zu deiner Frage: Ja, ich mische auch Milchpulver mit rein. Und manchmal Vanille- oder Schokopulver. Zusammen mit Cranberrien, Kokosnuss-Splittern und Chia-Samen ein echt guter Kick am Morgen! Ich werde dazu nach dem Trail eine kleine Artikelserien starten („Trail Know-how“ zu Ernährung, meine Tipps zu Equipment, hilfreiche Orga-Tipps für den Trail etc.). Aber erst im Mai! Sonst schreibe ich nur und laufe gar nicht mehr. 😉

  1. Stefan,
    ich bin zutiefst beeindruckt von Deiner Reise, den Berichten und den Fotos, die für alle Daheimgebliebenen wenigstens einen kleinen Eindruck von dem geben, was Du dort erlebst. Wahnsinn!
    Wünsche Dir einen guten Start auf der Südinsel und weiterhin gutes Gelingen auf dem Trail..
    Lieben Gruß in die Ferne,
    Karin.

    1. Hey Karin, danke für deine lieben Wünsche! Ich hatte einen super Start in den Süden. Die Nordinsel war anscheinend nur Trainingslager, hier geht’s richtig zur Sache! Das heißt es macht noch mehr Spaß! 😉 Freut mich sehr, dass dir mein Blog gefällt! Liebe Grüße in die Heimat

  2. Hi Stef, verfolge Deine Reiseberichte mit grossem Interesse. Bin mittlerweile in der Planung für den Trail 2017 und wollte einfach mal danke sagen für den Aufwand, den Du für uns SehnsuchtsMitläufer in aller Herren Länder betreibst. Viel Glück für den weiteren Weg und die Kampagne. Sowie ein gutes Händchen beim fortwährenden Verlorensein und Wiederfinden.

    1. Hey Rolf, danke für deine Nachricht! Es freut mich sehr, dass dir mein Blog gefällt…dann lohnt sich ja der ganze Aufwand. 😉 So ganz uneigennützig betreibe ich den Blog ja auch nicht, schreibe in erster Linie für mich und es macht mir einfach Spaß…genauso wie dieser Trail, darfst dich auf etwas wahrhaft Großartiges freuen! Und vielen Dank für deine Unterstützung bei meiner „Wandern gegen Hass“-Aktion. VG aus Arthur’s Pass!

      1. Gern geschehen. Und wichtig in Zeiten, in denen einfache Lösungen für Komplexes wieder allzu salonfähig werden. Die berauschend schönen Bilder rund um den Waiau Pass zeigen aber auch, dass an anderer Stelle Einfachheit erst die Tür öffnet für die Entdecker dieser Welt. So ein bisschen Kind sein und mit riesengroßen Manga-Augen durch ein Paradies zu laufen und die Gewissheit zu haben, hey, zwick mich, das ist echt. Bis man merkt, das mit dem Zwicken sind die Sandflies…
        Es wird bestimmt auch sehr interessant für Dich sein, wenn Du den Blog mit gemessenem Abstand in ein paar Monaten wieder liest. Ganz anders und doch vertraut, auf jeden Fall ein gutes Mittel, an sich selber dranzubleiben. Freue mich schon auf den Bericht zum Avalanche Peak, falls Du ihn gehst. Sind eigentlich auch Abstecher nach Stewart Island und zum Milford Sound geplant, falls Dein Visum das zulässt?
        Keep on dreaming and stay passionate!

        1. Ja, vielleicht lese ich mir die Story dann mal in einem Jahr mit etwas Abstand nochmal durch! 😉

          Ich komme gerade sogar wirklich vom Avalanche Peak, großartiger Tag für den Aufstieg heute! Absolutes TA Side Trip Highlight, scheinst dich in der Region ja auszukennen!

          Was den Fundraiser angeht: man ist hier zwar tagelang abgeschottet, aber die Entwicklung in Deutschland/Europa kann ich nur schwer ausblenden. Umso schöner, dass sich heutzutage mit unseren technologischen Möglichkeiten JEDER positionieren und etwas unternehmen kann. Es war noch nie so einfach und schon immer wichtig!

          So, und ab morgen benutze ich wieder meine Manga-Augen für den nächsten TA-Abschnitt bis nach Lake Tekapo. 😉

          VG aus Arthur’s Pass

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